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"Politische Erbschaft und politische Stabilität gehören zusammen"

4. Dezember 2003

- Kasachische Präsidententochter und Politikerin Dariga Nasarbajewa in Berlin

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Bonn, 3.12.2003, DW-radio / Russisch, Daria Bryantseva

Bundeskanzler Gerhard Schröder wird, aus China kommend, am Donnerstag (4.12.) mit einer Wirtschaftsdelegation Kasachstan besuchen. Es war also kein Zufall, meinen politische Beobachter, dass die Tochter des kasachischen Präsidenten Dariga Nasarbajewa ausgerechnet am Dienstag (2.12.) in der "Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik" in Berlin einen Vortrag zur politischen Lage in der zentralasiatischen Republik hielt. Nasarbajewa ist selbst Politikerin - sie steht an der Spitze der Partei "Asar". Daria Bryantseva hat die Veranstaltung in Berlin besucht und mit Dariga Nasarbajewa gesprochen.

Kasachstan kann dank seiner geopolitischen Lage und seiner Naturressourcen zum interessanten Partner Deutschlands und der EU werden, hob die Präsidententochter hervor. Der seit der Unabhängigkeit 1991 amtierende Präsident Nursultan Nasarbajew gilt für viele als Garant der Stabilität. Seine Kritiker allerdings sehen in ihm den Begründer eines totalitären Regimes, das Haupt der "Familie" und den Mann, der von der Lobby der amerikanischen Ölgesellschaften besonders profitiert hat. 2004 finden in Kasachstan Parlamentswahlen statt, an denen sich die Parteichefin von "Asar" und Präsidententochter Dariga Nasarbajewa aller Wahrscheinlichkeit nach beteiligen wird.

Die älteste Tochter des kasachischen Präsidenten soll seine Lieblingstochter sein. Gemäß ländlichen Traditionen wurde sie von ihrer Großmutter erzogen - streng, wie sie selbst meint, aber gerecht. Diese Erziehung habe sie zu einer starken Frau gemacht. Sie studierte an der Moskauer Universität und in der einstigen kasachischen Hauptstadt Almaty, wurde habilitiert und trägt jetzt den stolzen Titel "Doktor der Geschichte und Politik". Die 40jährige hat drei Kinder, eine Enkelin und ist daher, wie sie sagt, die glücklichste Frau dieser Welt.

Zurzeit ist Nasarbajewa Vorsitzende der Aktiengesellschaft "Chabar", der mittlerweile die meisten kasachischen Fernseh- und Radiosender gehören. Im vergangenen Jahr übernahm sie auch die Führung im Journalistenkongress Kasachstans. Außerdem ist die Präsidententochter die Gründerin des international angesehenen "Eurasischen Medien-Forums" und seit Oktober diesen Jahres Parteichefin von "Asar" - der von ihr ins Leben gerufenen Partei.

Möchte sie das politische Erbe ihres Vaters übernehmen? Mit dieser Frage geht Dariga Nasarbajewa sehr vorsichtig um. Einerseits, meint sie, sei es eine "Frage des Schicksals", wer der Nachfolger Nasarbajews wird. Andererseits behauptet sie:

"Die politische Erbschaft und die politische Stabilität - zwischen diesen zwei Begriffen kann man keine Grenze ziehen. Sie gehören zusammen. Um in einem Land kontinuierlich Stabilität zu erreichen, braucht man einen Nachfolger, der die Reformen fortsetzt. Das ist nicht so wie in den demokratisch stabilen Ländern, wo der Machtwechsel zu keinen gefährlichen Folgen führen kann. Warum brauche ich meine Partei? Weil ich finde, dass ich bereit bin für eine selbstständige politische Tätigkeit. Ich habe genug Ansehen und genug Kenntnisse um den anderen Mitbürgern zu helfen, ihre Interessen zu vertreten."

Was hält Dariga Nasarbajewa von dem jüngsten Machtwechsel in Aserbaidschan und von der Situation in Georgien?

"Was den dynastischen Machtwechsel in Aserbaidschan angeht, der wurde doch nicht verfassungswidrig durchgeführt. Warum reden wir nie von dem dynastischen Wechsel in den Familien Bush oder Kennedy in den USA? Und in Aserbaidschan ist eigentlich dasselbe passiert. Alles war verfassungsmäßig, es gab ja Wahlen. Und die Verlierer sind immer unzufrieden! Und die werden immer sagen, dass die Ergebnisse gefälscht wurden. Was Georgien angeht, es tut mir sehr leid, dass so eine politische Gestalt wie Schewardnadse die Bühne auf diese Art verlassen hat. Er hätte etwas besseres verdient. Die Opposition hat gewonnen. Zum ersten Mal in der ehemaligen Sowjetunion. Mal sehen, wie es sich weiter entwickelt."

Dariga Nasarbajewa ist überzeugt, dass in Kasachstan auch eine Frau Staatsoberhaupt werden könnte. Und was die Frauenpolitik angeht, so hat die von ihr frisch gegründete Partei einiges vor:

"Es ist bei uns Kasachen eine Tradition: man geht mit den Frauen sehr sorgsam um. Die Sorgsamkeit offenbart sich auf originelle Weise auch dadurch, dass die Polygamie nicht mehr strafbar ist. Heute ist diese Polygamie Realität. Ich meinerseits habe einen Vorschlag: das Gesetz sollte geändert werden, indem man Polygamie für Frauen einführt! Dadurch könnte man viele soziale Probleme lösen... das war natürlich ein Scherz!." (MO)