Polen protestieren gegen Abtreibungsrecht | Aktuell Europa | DW | 26.10.2020
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Menschenrechte

Polen protestieren gegen Abtreibungsrecht

Sie kamen mit Trillerpfeifen, Trommeln und Bannern - im Auto, auf Fahrrädern oder zu Fuß: Zehntausende Polen demonstrierten den fünften Tag in Folge gegen die Verschärfung des Abtreibungsrechts.

Women's strike in Poland

Frauen blockieren Straßen in Warschau

"Genug", "Wir wollen die Wahl haben", "Die Hölle der Frauen", "Ihr habt Blut an den Händen": Mit solchen Spruchbändern sind Zehntausende Menschen trotz des Demonstrationsverbots wegen der Corona-Pandemie durch Warschau und andere polnische Städte gezogen. Es war der fünfte Protesttag nach der Entscheidung des Obersten Gerichts des Landes, dass künftig auch Schwangerschaftsabbrüche wegen schwerer Fehlbildungen des ungeborenen Kindes gegen das Gesetz verstoßen. 

In der Hauptstadt Warschau blockierten vor allem junge Frauen zur Hauptverkehrszeit mehrere Kreuzungen im Stadtzentrum und legten den Verkehr lahm. Straßenblockaden gab es auch in Posen, Breslau und Krakau, wo aufgebrachte Bürger skandierten: "Das ist Krieg."

Frauenstreik in Polen

"Ich wünschte, ich könnte meine Regierung abtreiben" - denkt sich diese Polin

Das katholische Polen hat eines der striktesten Abtreibungsrechte in Europa. Schwangerschaftsabbrüche sind jetzt nur noch möglich, wenn das Leben der werdenden Mutter unmittelbar bedroht ist oder sie durch eine Vergewaltigung oder Inzest schwanger geworden ist.

Die nationalkonservative Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) kämpft bereits seit Jahren für eine Verschärfung des Gesetzes zum Abtreibungsrecht. Bisher wurden in Polen jedes Jahr weniger als 2000 legale Abtreibungen vorgenommen - die meisten wegen Missbildungen des Fötus. Frauenrechtsorganisationen schätzen, dass jedes Jahr zudem bis zu 200.000 Polinnen illegale Abtreibungen vornehmen lassen oder für einen Schwangerschaftsabbruch ins Ausland gehen.

se/wa (afp, rtr, dpa, ap)

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