Podolski-Klub Vissel Kobe in der Krise | Sport | DW | 29.09.2018
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Japan

Podolski-Klub Vissel Kobe in der Krise

Seit einem guten Jahr spielt Lukas Podolski bei Vissel Kobe in Japan, vor zwei Monaten folgte ihm der Spanier Andres Iniesta. Doch der Versuch, mit spektakulären Transfers schnell erfolgreich zu sein, gelingt nicht.

Ab der 40. Minute schien die Partei schon verloren. Lukas Podolski schüttelte mit dem Kopf, hob reklamierend die Arme, zusehends trabte er mehr, als dass er rannte. 0:2 lag die Truppe des Weltmeisters von 2014 schon kurz vor dem Halbzeitpfiff hinten. Am Ende verlor Vissel Kobe zu Hause gegen den japanischen Rekordmeister Kashima Antlers mit 0:5, landete die fünfte Niederlage in Serie. Immerhin, nach dem Abpfiff übernahm Podolski als Mannschaftskapitän Verantwortung, führte seine Mitspieler durch die Kurven, verbeugte sich in Demut vor dem Publikum. "Wenn man so eine Klatsche kriegt, hat man ja nicht mehr viele Argumente", stutzte er danach.

Miese Torausbeute

Das Modell Vissel Kobe, für das Podolski ein wichtiger Faktor ist, scheint gerade zum Flop zu werden. Eigentlich wollte sich der Klub dieses Jahr für die asiatische Champions League qualifizieren. Aber vom dafür nötigen dritten Platz liegt Kobe als Tabellenzehnter mit neun Punkten Rückstand deutlich entfernt. Das liegt auch an der Offensive, deren Star Podolski sein soll. Pro Spiel schießt Kobe derzeit im Schitt 1,2 Tore, nur fünf Mannschaften schaffen weniger. Und Lukas Podolski, dessen Ankunft in Kobe vor einem Jahr von nationalen Medien mit einem Auftritt der Beatles in den 1960er Jahren verglichen wurde, fiel in seinen meisten Spielen bisher zwar auf, ragte aber nicht heraus.

Auch Iniesta zündet nicht

Vor zwei Monaten bekam der Kölner Verstärkung durch einen zweiten Weltmeister: Andres Iniesta. Aber auch der 34-jährige Ideengeber, der beim FC Barcelona und der spanischen Nationalmannschaft eine Ära prägte, macht bis jetzt keinen Unterschied. Das erste Spiel mit Iniesta verlor Vissel torlos, seit Iniestas Ankunft ist die Truppe um vier Tabellenplätze nach unten gerutscht. Zu seinem Einstand hatte Iniesta, der am Samstag verletzt pausierte, noch angekündigt: "Ich bin hier, um meinen Fußball zu zeigen und hoffe, dass ich damit auch die Entwicklung des japanischen Spiels vorantreiben kann." So der Plan.

Fussball Japan Liga l Iniesta (Getty Images/B. Weerasinghe)

Auch mit Andres Iniesta geht es nicht aufwärts, ganz im Gegenteil

Online-Konzern sorgt für Kauf beliebter Spieler

Doch die Strategie, mit prominenten Einkäufen schnell erfolgreich zu sein, geht bisher zumindest sportlich nicht auf. Dahinter steht der Konzern Rakuten, der mit seiner Website den Online-Handel in Japan beherrscht und auf dem Weltmarkt zu Amazon aufschließen will. Um das Angebot des Unternehmens in vielen Ländern populärer zu machen, wurden zuletzt aus mehreren Regionen mit wichtigen Absatzmärkten beliebte Gesichter eingekauft. Vor zwei Jahren kam der südkoreanische Nationaltorwart Seung-gyu Kim, ebenso stieß Theeraton Bunmathan zur Mannschaft, ein Nationalspieler aus Thailand und dortiger Superstar. Als Vertreter des Nahen Osten ist seit diesem Jahr der katarische Nationalspieler Ahmed Yasser, Sohn ägyptischer Eltern, im Kader.

Sponsor des FC Barcelona

In Südkorea leben gut 50 Millionen potenzielle Konsumenten, in Thailand sind es 70 Millionen, in Ägypten und Katar zusammen fast 100 Millionen. Weltmeister wie Iniesta und Podolski hingegen haben Strahlkraft in ganz Europa, wo Rakuten bisher viel geringere Marktanteile hat als in Asien. Neben Vissel Kobe besitzt Rakuten noch die Tohoku Eagles aus Sendai, ein Spitzenteam in der in Japan beliebten Sportart Baseball. Seit einem guten Jahr trägt zudem der FC Barcelona den Schriftzug von Rakuten auf der Brust.

Bekanntheitsgrad steigt

Aber das Kronjuwel im Sponsoring des Konzerns soll in Kobe funkeln, das zeigen die Summe, die in die Truppe gesteckt werden: Pro Jahr sollen allein Podolski und Iniesta zusammen rund 30 Millionen Euro kosten. In der ganzen Stadt, auf Videowänden an U-Bahnstationen oder Plakaten irgendwo auf der Straße, lächeln die Gesichter der Stars von Vissel, werden mit Liebeserklärungen an Kobe zitiert. Nie zu übersehen ist der Geldgeber der ganzen Kampagne. Und auf eine gewisse Weise reicht die Strahlkraft sogar ohne sportliche Erfolge über Kobes Stadtgrenzen hinaus. Denn über die zugegeben seltenen gemeinsamen Spielzüge von Podolski und Iniesta wird weltweit berichtet. Der Bekanntheitsgrad des Klubs ist schon deshalb deutlich gestiegen.

Japan Lukas Podolski Ankunft in Kobe (Imago/Kyodo News)

Wie einst die Beatles gefeiert - Lukas Podolski 2017 bei seiner Ankunft in Kobe

Spanischer Trainer ohne Visum

Für einen Konzern, der auf dem Weltmarkt mitspielen will, ist das allerdings nicht genug. So wurde vor zwei Wochen auch Trainer Takayuki Yoshida gefeuert. Derart eilig war es für die Vereinsführung, dass sie den Nachfolger präsentierte, obwohl der noch gar kein Arbeitsvisum hat. Der von Startrainer Pep Guardiola viel gelobte Spanier Juan Manuel Lillo, der vorher den kolumbianischen Klub Atletico Nacional verantwortete, sitzt deshalb zwar schon auf der Trainerbank, ist theoretisch aber noch nicht der Chef der Truppe.

"Nicht richtig gut"

Vorgabe für Lillo ist, den Tiki-Taka-Stil, mit dem Spanien viele Jahre die Welt dominierte, in Kobe zu etablieren. Nur dürften Iniesta und Podolski dafür nicht ausreichen. Immer wieder fiel am Samstag auf, wie Pässe einen halben Meter zu ungenau kamen und Ballannahmen die Vorwärtsbewegung abbremsten. Nach der Niederlage sagte Lukas Podolski achselzuckend: "Na ja, das muss der Trainer entscheiden." Und der Stellvertreter von Trainer Lillo, Kentaro Hayashi, der bisher die Pressekonferenzen geben muss, wusste auch nicht viel mehr zu sagen: "So richtig gut sind wir ja nicht gewesen."

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