Piraten kapern Tanker mit deutschem Kapitän | Afrika | DW | 24.10.2010
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Afrika

Piraten kapern Tanker mit deutschem Kapitän

Vor der Küste Kenias haben Piraten wieder zwei Schiffe in ihre Gewalt gebracht. Zunächst kaperten sie ein Tankschiff mit einem deutschen Kapitän. Kurze Zeit später entführten sie einen Frachter aus Bremen.

Das undatierte handout der Rederei zeigt den Gastanker York (Foto: picture-alliance/dpa)

Die York - ist nun in der Gewalt der somalischen Piraten

Somalische Piraten haben vor der Ostküste Afrikas wieder zugeschlagen. Vor der Küste Kenias kaperten sie zunächst den Tanker "York“ mit einem deutschen Kapitän an Bord. Am Sonntag (24.10.2010) meldete eine Bremer Reederei, einer ihrer Schwergutfrachter sei in der Gewalt von Entführern. Im zweiten Fall gab es zunächst keine offizielle Bestätigung dafür, dass sich deutsche Seeleute an Bord befinden sollen. "Wir gehen diesem Fall nach. Uns liegen aber noch keine belastbaren Fakten vor", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Zur Untersuchung beider Angelegenheiten sei ein Krisenstab eingerichtet worden.

Die Entführer der "York" hätten bislang keine Forderungen gestellt, sagte der Sprecher der griechischen Firma Interunity Management Corpororation (IMC), Theagenis Sarris. Der Besatzung gehe es gut. Die IMC organisiert und überwacht als Reederei die Fahrten des Tankers "York", der unter der Flagge Singapurs unterwegs ist.

Die Seeräuber hätten das Schiff bereits am Samstag etwa 90 Seemeilen vor der kenianischen Küste überfallen, teilte die Singapurer Hafenbehörde mit. Nach Angaben der griechischen Küstenwache hatte es 150 Tonnen Flüssiggas im Hafen von Mombasa geladen. Es war auf dem Weg nach Mahe auf den Seychellen. Der Kapitän habe erst fast 24 Stunden später Kontakt mit der IMC aufnehmen können.

Langwierige Verhandlungen zu erwarten

Der 68-jährige Kapitän kommt aus Deutschland, aus der Nähe von Hamburg. 14 seiner Seeleute stammen von den Philippinen, zwei aus der Ukraine. Der Kapitän hat Sarris zufolge nicht frei sprechen können. Diesen Eindruck habe er während des Telefonats gewonnen.

In dem zweiten Pirateriefall meldet die Beluga Shipping GmbH mit Sitz in Bremen, man habe einen Notruf von Bord des Schwergutfrachters "Beluga Fortune“ erhalten. Man gehe davon aus, dass es sich um eine Entführung durch somalische Piraten handele. Das Schiff sei von den Vereinigten Arabischen Emiraten in Richtung Südafrika unterwegs gewesen.

Verhandlungen mit den Piraten können erfahrungsgemäß sehr lange dauern. Offiziere der griechischen Küstenwache in Athen sagte, erst vor einigen Monaten habe eine griechische Reederei die stattliche Summe von sechs Millionen Euro zahlen müssen, um ihren Tanker samt Besatzung von den somalischen Piraten freizukaufen.

Derzeit sollen insgesamt 19 Schiffe in der Gewalt somalischer Seeräuber sein. Etwa 400 Menschen leben als Geiseln unter ihrer Kontrolle.

Autorin: Nicole Scherschun (dpa, afp, rtr)
Redaktion: Eleonore Uhlich

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