Performance-Künstler Ulay ist gestorben | Kultur | DW | 02.03.2020
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Performance

Performance-Künstler Ulay ist gestorben

Die Arbeiten mit seiner langjährigen Partnerin Marina Abramović sorgten weltweit für Aufsehen und Skandale, nun ist der Performance-Künstler Ulay im Alter von 76 Jahren an den Folgen seiner Krebserkrankung gestorben.

Der deutsche Konzept-Künstler Ulay starb am 2. März 2020 im Alter von 76 Jahren in Slowenien an Lymphdrüsenkrebs. Berühmt wurde er durch die Zusammenarbeit mit seiner langjährigen Partnerin, der Extrem-Performance-Künstlerin Marina Abramović.

Geboren als Frank Uwe Laysiepen am 30. November 1943 in Solingen, zog Ulay Anfang der 1970er Jahre nach Amsterdam, wo er durch eine Serie von Polaroid-Collagen erstmals Anerkennung als Künstler fand. Seine 1974 entstandene autobiografische Arbeit mit dem Titel "Renais sense" war ein Kommentar zu Geschlechterfragen. Seine Darstellungen von Selbstverstümmelung und sich selbst als Transvestit sorgten damals für Kontroversen.

Ulay und Marina Abramović - Relation in Space 1976 (Ulay/Marina Abramović/Moderna Museet)

Nacktheit als Kontroverse: Das Künstlerpaar setzte in den gemeinsamen Performances auf Körperlichkeit.

Ein extremes Paar

Seine Begegnung mit Abramović  im Jahr 1976 läutete eine neue Ära in Ulays Werk ein. Sie verliebten sich auf den ersten Blick und arbeiteten fortan als kreatives Paar. Es begann mit einem bemerkenswerten Auftritt auf der Biennale von Venedig 1976, bei dem beide Künstler mit ihren nackten Körpern gegeneinander prallten - 58 Minuten lang.

Zu ihrer Zusammenarbeit gehörte auch das Werk "Imponderabilia" von 1977, das sie in der Galleria Comunale d'Arte Moderna im italienischen Bologna aufführten: Abramović und Ulay standen nackt am Eingang und zwangen die Besucher, sich vorbeizudrängen, um das Museum betreten zu können.

In "Hell/Dunkel", einem Werk aus demselben Jahr, schlugen sie sich gegenseitig mit zunehmender Intensität. In einem anderen gewagten Stück, "The Other: Rest Energy" (1980), spannte Ulay vier Minuten lang einen Pfeil, der auf Abramovićs Herz zielte, während sie von der anderen Seite den Bogen hielt. Mikrofone übertrugen den ansteigenden Herzschlag des Künstlerpaares - eine Performance über absolutes Vertrauen. 

Marina Abramović und Ulay mit Pfeil und Bogen bei einer Performance. (Ulay/Marina Abramović/Courtesy of the Marina Abramović Archives/VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

Ein Zeichen absoluten Vertrauens: Marina Abramović und Ulay bei der gewagten Performance "The Other: Rest Energy"

Zwölf Jahre zusammen

Das Künstlerpaar lebte und arbeitete zwölf Jahre lang zusammen. Örtlich ungebunden, verbrachten sie vier Jahre in einem kleinen Citroën-Bus und reisten zu verschiedenen Orten, an denen sie zu Auftritten eingeladen wurden.

Selbst ihre Trennung im Jahr 1988 inszenierten Ulay und Abramović mit einer Performance. In dem Stück mit dem Titel "Die Liebenden" gingen sie entlang der Chinesischen Mauer aufeinander zu, begannen an entgegengesetzten Enden und trafen sich in der Mitte, nachdem sie etwa 4.000 Kilometer zurückgelegt hatten, um sich zu verabschieden. Das Werk war ursprünglich als romantisches Manifest geplant, aber am Ende machten sie den dreimonatigen Marsch, um ihre Beziehung zu beenden. Dann trennten sie sich, sowohl als Paar als auch als Team.

Sie hatten seit Jahren nicht mehr miteinander gesprochen, als Ulay 2010 ohne Vorwarnung bei Abramovićs Performance "The Artist is Present" im MoMA auftauchte, bei der sich die Besucher der Künstlerin gegenüber setzten. Als Abramović die Augen öffnete und ihren Ex-Partner sah, weinte sie, schließlich reichten sich beide unter dem Applaus des Publikums über den Tisch hinweg die Hände. 2015 verklagte Ulay seine frühere Partnerin jedoch wegen Vertragsbruchs. Ein Gericht in Amsterdam sprach Ulay 250.000 Euro aus dem Verkauf gemeinsamer Arbeiten zu.

Abramović reagierte auf die Nachricht vom Tod ihres langjährigen Partners auf Instagram: "Mit großer Traurigkeit habe ich heute vom Tod meines Freundes und Ex-Partners Ulay erfahren. Er war ein außergewöhnlicher Künstler und Mensch, der sehr vermisst werden wird. An diesem Tag ist es tröstlich zu wissen, dass seine Kunst und sein Erbe für immer weiterleben werden."

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