Hallo, spreche ich mit Boris Johnson? | Aktuell Europa | DW | 29.09.2018
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Datenpanne bei den Tories

Hallo, spreche ich mit Boris Johnson?

Kurz vor ihrem Parteitag ziehen die britischen Konservativen mit einem peinlichen Datenleck Häme auf sich. Nutzer einer App hatten zwischenzeitlich Zugang zu persönlichen Daten hochrangiger Parteimitglieder.

Großbritannien Boris Johnson in London (Reuters/H. McKay)

Digital entblößt: Eine Journalistin konnte offenbar sensible Daten von Ex-Außenminister Boris Johnson einsehen

Der Shitstorm war vorprogrammiert: Die temporäre Sicherheitslücke in der offiziellen App des bevorstehenden Tory-Parteitags sorgte bei Twitternutzern für Schadenfreude, Häme - und Wut. "Die Konservativen können nicht einmal ihre eigenen Daten davor schützen, bei ihrem Parteitag gehackt zu werden. Wie sollen sie die Kompetenz haben, Großbritanniens Interessen bei ihrem Kein-Deal-Brexit zu verteidigen", schreibt etwa einer. "Die Tories können keinen Parteitag leiten - und sie können auch kein Land führen", fasst ein anderer seine Gefühle zusammen. Ein weiterer Nutzer macht sich den Spaß, die angebliche Handynummer von Brexit-Hardliner Jacob Rees-Mogg in römischen Ziffern zu twittern.

Tatsächlich waren die persönlichen Daten - inklusive Telefonnummern - zahlreicher Tories, auch hochrangiger Kabinettsmitglieder, kurzzeitig für alle Nutzer der App einsehbar. Delegierte und Reporter mussten sich dafür lediglich als Konferenzteilnehmer einloggen. Die "Guardian"-Kolumnistin Dawn Foster schrieb auf Twitter, sie habe sich als Boris Johnson einloggen können. Daraufhin habe ihr die App alle für die Registrierung notwendigen Details des ehemaligen Außenministers angezeigt.

Dies sei möglich, obwohl es keine lebende Person gebe, die technisch so ungebildet sei wie sie, witzelte Dawn später. Es könne also durchaus weitere Sicherheitslücken geben. Der BBC-Journalist Rob Powell berichtete, er habe sich als eine Kollegin einloggen und ihre Telefonnummer einsehen können.

Scherzanrufe bei Ministern

Während der Vorfall bei vielen Entrüstung auslöste, hatten einige auch Spaß an dem - wenn auch kurzen - Debakel: Britischen Medienberichten zufolge tauschte etwa jemand das Bild von Umweltminister Michael Gove gegen eine Aufnahme des hochbetagten US-amerikanischen Medien-Moguls Rupert Murdoch aus. Zudem hätten zahlreiche Minister Scherzanrufe aus der Bevölkerung bekommen.

Die Tory-Partei sprach mit Blick auf die Panne von einem "technischen Fehler", der "gelöst" worden sei. Die App funktioniere wieder sicher, man untersuche das Problem, twitterte der Parteivorsitzende Brandon Lewis. Die oppositionelle Labour-Partei nutzte die Panne indes wie viele Twitter-User, um den Tories politische Kompetenz abzusprechen. "Wie können wir dieser Tory-Regierung die Sicherheit unseres Landes anvertrauen, wenn sie nicht einmal eine Konferenz-App programmieren kann, bei der die Daten ihrer Mitglieder, Abgeordneten und anderen Teilnehmern sicher sind?", schimpfte der Labour-Politiker Jon Trickett.

Die App war von einer australischen Firma entwickelt worden. Der Parteitag der Konservativen beginnt an diesem Sonntag.

hk/rb (dpa, Guardian)

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