Parlament in Athen prüft Korruptionsvorwürfe zu Novartis-Skandal | Aktuell Europa | DW | 22.02.2018
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Griechenland

Parlament in Athen prüft Korruptionsvorwürfe zu Novartis-Skandal

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis soll mehrere griechische Politiker bestochen haben. Das Parlament stimmte nun für einen Untersuchungsausschuss, um die Vorwürfe gegen zehn hohe Beamte zu prüfen.

Nach Vorwürfen einer mutmaßlichen Begünstigung des Schweizer Pharmakonzerns Novartis soll das Parlament in Athen Korruptionsvorwürfe gegen zehn griechische Politiker untersuchen. Dafür votierten die 300 Abgeordneten mehrheitlich nach einer 19-stündigen Debatte, wie das Staatsfernsehen (ERT) berichtete.

Dem Pharmakonzern wird vorgeworfen, zahlreiche Menschen bestochen zu haben, um die Preise für seine Medikamente in die Höhe zu treiben und durch die zügige Genehmigung eigener Produkte den Markt zu beherrschen. 

Unter den angeblich Bestochenen sind auch die ehemaligen Regierungschefs Antonis Samaras und Panagiotis Pikramenos, Zentralbankchef Ioannis Stournaras, EU-Kommissar Dimitris Avramopoulos und sechs andere ehemalige Minister und Vizeminister sowie Tausende Ärzte.  

Griechenland Parlament Alexis Tsipras Novartis (Reuters/A. Konstantinidis)

Tsipras wolle "Schlamm auf seine politischen Gegner werfen", heißt es von Seiten der unter Verdacht stehenden Politiker

"Das hat Griechenland drei Milliarden Euro gekostet", sagte Regierungschef Alexis Tsipras im Parlament. Er werde alles tun, damit die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Damit meine er die Regierungen der Konservativen und der Sozialisten, die Griechenland bis 2015 regierten hatten.

"Es ist eine Intrige"

Auch Novartis verspricht Aufklärung durch eine interne Untersuchung. "Wir sind entschlossen, ein umfassendes Verständnis der Situation zu erlangen und gegebenenfalls die Verantwortung für alle Aktivitäten zu übernehmen, die unsere hohen Standards für ethisches Geschäftsverhalten nicht erfüllt haben", teilte das Unternehmen mit.

Die unter Verdacht stehenden Politiker bestreiten die Vorwürfe und sprachen stattdessen von politisch motivierter Verleumdung. Sie werfen der Tsipras-Regierung vor, von der schweren Finanzkrise ablenken zu wollen. "Es ist eine Intrige, der größte Komplott seit Gründung des modernen griechischen Staates", sagte der ehemalige konservative Regierungschef Samaras. Das juristische Tauziehen könnte Rechtsanwälten zufolge mehrere Monate, wenn nicht Jahre dauern.

jv/kle (dpa, afp, ap, rtr)

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