Papst Franziskus warnt Katholiken vor Überheblichkeit | Aktuell Welt | DW | 09.04.2018
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Vatikan

Papst Franziskus warnt Katholiken vor Überheblichkeit

In einem neuen Lehrschreiben geht Papst Franziskus hart mit überheblichen und elitär denkenden Kirchenmitgliedern ins Gericht. Außerdem fordert er die Katholiken dazu auf, sich für Arme und gegen Abtreibung einzusetzen.

Papst Franzikus hat in seinem neuen Lehrschreiben angemahnt, den Armen zu helfen. Es müsse für Christen so wichtig sein wie gegen die Abtreibung zu kämpfen. Das Schreiben mit dem lateinischen Titel "Gaudete et Exsultate" ("Freut Euch und jubelt") dreht sich um das Thema Heiligkeit in der heutigen Welt. "Die Verteidigung des ungeborenen unschuldigen Lebens zum Beispiel muss klar, fest und leidenschaftlich sein, weil hier die Würde des menschlichen Lebens, das immer heilig ist, auf dem Spiel steht", heißt es in dem 177 Paragrafen starken Dokument.

Der Argentinier geht in seinem Schreiben auch auf Migranten ein, die ihm stets ein wichtiges Anliegen sind. "Oft hört man, dass angesichts des Relativismus der Grenzen der heutigen Welt beispielsweise die Lage der Migranten eine weniger wichtige Angelegenheit wäre." Es sei verständlich, dass ein Politiker so etwas sage. Ein Christ müsse sich aber in diejenigen hineinversetzen, "die ihr Leben riskieren, um ihren Kindern eine Zukunft zu bieten".

Kritik an konservativen Kirchenkreisen

Außerdem prangert er diejenigen an, die sich innerhalb der katholischen Kirche zu Richtern über andere Gläubige erheben. "Heilige von nebenan" seien Eltern, Menschen, die für den täglichen Unterhalt arbeiteten, und Kranke, betont Franziskus in dem Dokument. Mit Blick auf konservative Kirchenkreise warnt er davor, die eigenen Theorien zu verabsolutieren und andere zu verpflichten, sich deren Argumentationen zu unterwerfen.

Er plädiert für einen gesunden und demütigen Gebrauch der Vernunft beim Umgang mit christlichen Lehren. Die Rolle gnadenloser Richter einzunehmen, andere für unwürdig zu halten und ständig Belehrungen geben zu wollen, sei eine "subtile Form der Gewalt", mahnt der Papst. "Wenn jemand Antworten auf alle Fragen hat, zeigt er damit, dass er sich nicht auf einem gesunden Weg befindet." In der Kirche gebe es zu Recht unterschiedliche Interpretation vieler Aspekte der Lehre und des christlichen Lebens.

Mit dem Schreiben vergleichbare Dokumente sind Franziskus' Schriften "Evangelii gaudium" von 2013 und das 2016 veröffentlichte "Amoris Laetitia". Letzteres löste Kritik aus, die seitens einiger Bischöfe und Kardinäle anhält. Einer der Streitpunkte ist die Öffnung des bisher versperrten Zugangs zur Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene.

bri/djo (epd, dpa)

 

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