Papst Franziskus prangert in Abu Dhabi Kriege an | Aktuell Welt | DW | 04.02.2019
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Katholische Kirche

Papst Franziskus prangert in Abu Dhabi Kriege an

Der Papst verlangt Frieden für den Jemen - ausgerechnet in den Vereinigten Arabischen Emiraten, die an dem Krieg in dem südwestlich gelegenen Land beteiligt sind. Der Besucher macht es seinen Gastgebern nicht leicht.

Papst Franziskus in Abu Dhabi (picture-alliance/dpa/A. Medichini)

Was der Papst sagte, musste seinem Gastgeber zur Linken nicht unbedingt gefallen: Franziskus und Kronprinz Mohammed

"Krieg schafft nichts als Elend, Waffen schaffen nichts als Tod", sagte der Papst auf einer interreligiösen Konferenz in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Alle Religionen seien "in dieser heiklen geschichtlichen Situation" gefordert, einen aktiven Beitrag zur Entmilitarisierung zu leisten. Und Franziskus wurde - politische Themen nicht aussparend - noch konkreter: Die "katastrophalen Folgen" der Kriege seien allen bekannt. "Ich denke dabei insbesondere an Jemen, Syrien, Irak und Libyen."

Da am Krieg im Jemen auch die Vereinigten Arabischen Emirate beteiligt sind, konnte man die Worte des Papstes durchaus als Kritik an den Gastgebern verstehen. Dass der erste Besuch eines Oberhauptes der katholischen Kirche auf der arabischen Halbinsel einige Gegensätze zutage treten lässt, war schon zu Beginn deutlich geworden. 

Papst Franziskus in Abu Dhabi (Reuters/A. Jadallah)

Der Papst bei der Ankunft am Palast

Jedenfalls bemühte sich der Papst, bei seiner Ankunft in Abu Dhabi nicht allzu protzig daherzukommen. Wie er sich von der Rückbank eines Kleinwagens - zuletzt vom Vatikan gerne aus traditioneller italienischer Fabrikation organisiert - hieven musste, hat man so bei Herrschern und hochgestellten Persönlichkeiten selten gesehen. Doch die Araber waren auf diese Tonalität nicht eingestellt.

Papst Franziskus in Abu Dhabi (Reuters/T. Gentile)

Fliegerstaffel über Abu Dhabi

Denn sie fuhren ihrerseits militärische Ehren, eine Fliegerstaffel und eine Pferdeeskorte auf, um Franziskus bei seiner Visite zu empfangen. Als der Pontifex an dem pompösen Präsidentenpalast - mit 70 (!) Kuppeln, wie die Katholische Nachrichten-Agentur KNA zählte - vorfuhr, stieg gelb-weißer Rauch in den Nationalfarben des Vatikans aus den Flugzeugen auf. Ehre, wem Ehre gebührt: Es ist schließlich der erste Besuch eines Katholiken-Oberhauptes auf der Arabischen Halbinsel, die als Wiege des Islams gilt. 

Der Papst dankte - dem Protokoll entsprechend - für das "herzliche Willkommen und die Gastfreundschaft". Auf Englisch schrieb er ins Gästebuch, er versichere seinen Segen "für Frieden und brüderliche Solidarität".

Später unterzeichnete er mit Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb eine gemeinsame Erklärung zum Thema "Menschliche Brüderlichkeit". Das Dokument ruft zur Solidarität zwischen allen Menschen und zur Wahrung der Menschenrechte auf, verurteilt Hass und Blutvergießen sowie Gewalt, besonders Terrorismus, der Religion instrumentalisiere. Al-Tayyeb, der Rektor der Kairoer Al-Azhar-Universität, ist einer der wichtigsten Gelehrten des sunnitischen Islam.

Papst Franziskus in Abu Dhabi (Reuters/A. Jadallah)

Freundlicher Empfang für den Vertreter eines anderen Glaubens

An diesem Dienstag will der Papst in Abu Dhabi eine große Messe feiern, zu der 130.000 Menschen aus der ganzen Region erwartet werden. Die englischsprachigen und arabischen Medien auf der Arabischen Halbinsel nutzten den Besuch, um die Weltoffenheit der Region zu betonen. So freute sich "Al Khaleej" darüber, dass mit dem Gast aus dem Vatikan ein "Papst und Groß-Imam am Leuchtturm der Toleranz" zu sehen sei.

ml/jj (dpa, KNA, epd) 

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