Papst Franziskus in Mosambik: Friedensstifter oder unfreiwilliger Wahlhelfer? | Afrika | DW | 05.09.2019
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Afrika

Papst Franziskus in Mosambik: Friedensstifter oder unfreiwilliger Wahlhelfer?

Papst Franziskus besucht ein Land in Aufruhr: In Mosambik herrscht Wahlkampf, das kürzlich unterschriebene Friedensabkommen zwischen Regierung und Opposition steht auf der Kippe. Die Erwartungen an den Papst sind groß.

Mosambik: Papst Franziskus mit Präsident Filipe Nyusi und dessen Frau in Maputo (Reuters/Y. Nardi)

Präsident Nyusi und seine Ehefrau mit Papst Franziskus

"Der Papst kommt zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt", sagt Sande Carmona im DW-Gespräch. Das Land sei im Aufruhr - und außerdem sei ja noch Wahlkampf: "Wir stehen vor den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am 15. Oktober. Es ist definitiv nicht der ideale Zeitpunkt für einen Papstbesuch", so Carmona, Sprecher der zweitgrößten Oppositionspartei MDM im DW-Interview.

Wahlpropaganda für die Regierungspartei?

20 Millionen Meticais (umgerechnet fast 300.000 Euro) lässt sich der hochverschuldete Staat den Papstbesuch kosten. Die besonders aufwendigen Sicherheitsmaßnahmen sind in diesem Betrag noch nicht einmal eingerechnet, gibt Carmona zu bedenken. "Ein Teil dieser Gelder wird wahrscheinlich umgeleitet und für Wahlpropaganda der Staatspartei FRELIMO verwendet. Unter dem Deckmäntelchen des Papstbesuchs plündern sie die Staatskassen aus und leiten das Geld direkt in die Parteikasse, um es dann im Wahlkampf zu verprassen."

José Manteigas, Sprecher der größten Oppositionspartei RENAMO hat ähnliche Bedenken: "Ich bin selbst Katholik und wünsche mir, dass der Besuch des heiligen Vaters nicht für die Propaganda der FRELIMO missbraucht wird", sagt er der DW. Die Regierungspartei versuche immer wieder, im Wahlkampf gute Publicity einzuheimsen. Daher werde sie auch nicht davor zurückschrecken, dafür auch den Papst einzuspannen: "Ich hoffe, der Papst gibt sich nicht dafür her, einen religiösen Anlass in ein politisches Spektakel zu verwandeln", so Manteigas.

 Papst Franziskus trifft Präsident Filipe Nyusi in Maputo, Mosambik
(DW/M. Sampaio)

Staatspräsident Nyusi begrüßte den Papst bei seiner Ankunft in Maputo

Die Kritik der Opposition scheint am Präsidenten dagegen abzuprallen: Filipe Nyusi  begrüßte Papst Franziskus am Mittwochabend bei seiner Ankunft in der Hauptstadt Maputo. Ein glänzender Empfang mit militärischem Pomp, Gesangsdarbietungen und mosambikanischer Herzlichkeit. Nyusi hofft, bei den Wahlen im Oktober im Amt bestätigt zu werden.

Offiziell wurde der Wahlkampf für die Dauer des Papstbesuchs unterbrochen. Nyusi lässt sich derweil ausgiebig mit dem Papst ablichten. Zum Beispiel bei der ersten offiziellen Veranstaltung an diesem Donnerstag, einem Treffen des Papstes mit Regierungsvertretern und Jugendlichen. Am Freitag wird der Papst Straßenkinder, Aidskranke und Opfer des Zyklons "Idai" treffen, der Teile des Landes im März verwüstet hatte. Zum Abschluss ist am gleichen Tag eine Messe im Stadion nahe der Hauptstadt Maputo geplant.

"Präsident Nyusi ist in diesen Tagen allgegenwärtig, er präsentiert sich als großer Staatsmann", kritisiert RENAMO-Sprecher José Manteigas. Immerhin werde erwartet, dass Franziskus auch die grassierende Korruption und die prekäre Menschenrechtslage anspricht.

Papst-Anhänger schwenken Fahnen mit dem Bild des Papstes (DW/Ricardo Franco)

Anhänger des Papstes hoffen, dass der Besuch den Frieden im Land stärken wird

Caifadine Manasse, Sprecher der Regierungspartei FRELIMO widerspricht den Oppositionspolitikern: "Der Papst hat seine eigene Terminplanung, unabhängig von dem Wahltermin in Mosambik." Es sei nicht die Zeit für Polemik, so Manasse im DW-Gespräch weiter: "Wir sollten die Botschaft des Heiligen Vaters empfangen und sie einfließen in unseren Friedensprozess einfließen lassen, in dem wir uns gerade befinden."

Kirche weist Kritik zurück

Der Bischof von Maputo und Sprecher der mosambikanischen Bischofskonferenz, Dom António Juliasse schlägt in die gleiche Kerbe: "Der Papst trifft natürlich unsere führenden Politiker, auch Oppositions-Vertreter werden bei einigen Treffen zugegen sein, aber der Papstbesuch ist natürlich für die ganze Gesellschaft bestimmt." Der Papst werde den Mosambikanern Kraft geben, damit sie auch weiter auf dem Pfad des Friedens blieben.

Zur ersten Rede von Franziskus, die er an diesem Donnerstagvormittag im Präsidentenpalast vor Politikern und Diplomaten im Präsidentenpalast hielt, wurde auch Oppositionsführer Ossufo Momade von der RENAMO eingeladen.

Präsident Nyusi und RENAMO-Chef Momade nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens (DW/A. Sebastião)

Erst vor wenigen Wochen haben FRELIMO und RENAMO einen Friedensvertrag unterschrieben

Befürworter des Besuchs hoffen, dass die Reise des Papstes die Spannungen im Land mildern kann. Seit Jahren kommt es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der Regierunspartei FRELIMO und der RENAMO-Opposition. Vor fünf Wochen unterzeichneten Präsident Filipe Nyusi und RENAMO-Chef Ossufo Momade einen Friedensvertrag. Rund 5.200 Milizionäre sollten die Waffen abgeben. Doch der bewaffnete Arm der RENAMO weigert sich, die Waffen niederzulegen.

Mariano Nhongo, der selbsternannte Anführer einer so genannten "Militärjunta der RENAMO" meldete sich kurz nach der Unterzeichnung des Friedensvertrags zu Wort und behauptete, er sei der rechtmäßige Anführer der RENAMO. Ossufo Momade sei nicht berechtigt, im Namen von RENAMO irgendwelche Abkommen zu unterschreiben, so Nhongo. Im Interview mit der DW drohte er zudem, die Wahl am 15. Oktober mit Gewalt zu verhindern.

Es sei ein Segen, dass der Papst gerade in dieser Situation nach Mosambik komme, sagt Maiba Wache, Pastor der evangelikalen Religionsgemeinschaft "Mission apostolischer Glaube". Schon der letzte Besuch eines Papstes in Mosambik, der Besuch von Johannes Paul II im Jahre 1988 sei eine glückliche Fügung gewesen, so Wache. "Nur mit der Hilfe des Papstes konnte der blutige Bürgerkrieg zwischen der RENAMO und der FRELIMO, der 20 Jahre lang gedauert und über eine Million Tote gefordert hatte, zu Ende gehen." Tatsächlich hatten die beiden Kriegsparteien 1992 in Rom, unter der Vermittlung der katholischen Kirche ein erstes Friedensabkommen unterschrieben und den Weg zur Einführung eines Mehrparteiensystems in Mosambik geebnet.

Wahlplakate in der Hauptstadt Maputo (DW/M. Sampaio)

Mosambik steckt mittem im Wahlkampf

"Der Papst ist natürlich auch den Muslimen sehr willkommen. Er wird seine Botschaft des Friedens an alle Mosambikaner richten, nicht nur an die Katholiken", sagt Abdul Rashid, Vorsitzender einer der größten islamischen Vereine in Mosambik.

Fast alle führenden islamischen Vertreter des Landes hätten kurz vor der Ankunft von Papst Franziskus am Mittwochabend zu Einigkeit und Frieden aufgerufen, so Rashid zur DW. Ihr Appell folgt, nachdem im Internet ein Schreiben aufgetaucht war, in dem Islamisten das Kirchenoberhaupt offenbar als "Feind" bezeichnet hatten. Zudem sollen sie die Muslime im Land aufgefordert haben, der Papstmesse am Freitag fernzubleiben, wie die Online-Zeitung "Carta de Mocambique" berichtet. Bei den mutmaßlichen Absendern soll es sich nach Angaben der Zeitung um eine Gruppe handeln, die seit zwei Jahren im Norden Mosambiks regelmäßig Anschläge verübt. Die Echtheit des Schreibens ist aber umstritten.

Sensibles kirchliches Terrain

Bis zu 20 Prozent der Mosambikaner sind Muslime, vor allem im Norden und an den Küstenregionen. Die Katholiken stellen nach Vatikan-Angaben mit 28,1 Prozent die größte Bevölkerungsgruppe, ingesamt gibt es aber mehr protestantische Christen. Auch in kirchlicher Hinsicht trifft Franziskus auf eine sensible Situation.

Mosambik ist das erste Ziel des Papstes auf seiner einwöchigen Reise in drei Länder im Südosten Afrikas auf. Weitere Stationen sind Madagaskar und Mauritius.

Mitarbeit: Amós Zacarias

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