Papst als Mahner in Rumänien | Europa | DW | 31.05.2019
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Kirche

Papst als Mahner in Rumänien

Zum Auftakt seines dreitägigen Besuchs erinnert der Papst die rumänischen Politiker eindringlich an ihre Verantwortung. Der Papst besucht ein Land, das sich sichtlich müht, seine Zugehörigkeit zu Europa zu demonstrieren.

Bukarest Papstempfang Staatspräsident Klaus Iohannis (DW/C. Ștefănescu)

Papst Franziskus zwischen dem rumänischen Präsidenten Klaus Iohannis und dessen Frau Carmen

Für die verkrachte rumänische Politik sind das deutliche Worte. Ein Staat müsse "sich um das Gemeinwohl seines Volkes kümmern", sagt Papst Franziskus in Bukarest. Es dürfe nicht um eigene Vorstellungen oder spezifische Interessen gehen. Seine Rede im Präsidentenpalast Cotroceni wirkt wie ein Schnellkurs in Demokratie. Die Politik in Rumänien müsse daran arbeiten, den "berechtigten Erwartungen der Bürger" zu entsprechen und Voraussetzungen für deren Entwicklung zu schaffen.

Rumänien Papst Franziskus im Dacia (imago images/A. Nicodim)

Papst Franziskus fordert von den rumänischen Politikern Wirtschaftsreformen "mit Seele und Herz"

Dabei ist das Land seit vielen Monaten gefangen in einem Machtkampf zwischen Präsident Klaus Iohannis und der PSD-Regierungspartei, der Nachfolgepartei der Kommunisten. Es geht um Wahlfälschung, Korruption und weitere Delikte, wegen der PSD-Politiker reihenweise juristisch belangt wurden. Iohannis kommen die mahnenden Papstworte also gelegen. 

"Gemeinsames Haus Europa"

Der Papst erwähnt zu Beginn seiner Rede ausdrücklich, dass Rumänien, seit 2007 EU-Mitglied, derzeit erstmals die EU-Ratspräsidentschaft innehat. "Wir müssen uns um unser gemeinsames Haus Europa kümmern", erklärt Klaus Iohannis pflichtbewußt. Der Präsident und evangelische Christ begleitete Franziskus von der Begrüßung am Flughafen bis zum Abend. Iohannis geht auch auf die Europawahl vom vorigen Sonntag ein, bei der das rumänische Volk seine "europäische Bestimmung" stark bekräftigt habe. Anders als beispielsweise in Polen oder Ungarn legten im zweitgrößten osteuropäischen Land junge proeuropäische Parteien zu.

Papst Franziskus in Rumänien (Reuters/R. Casilli)

Tausende Menschen wollten einen Blick auf Papst Franziskus bei seinem dreitägigen Besuch in Rumänien erhaschen

Dazu passt die Stimmung jener, die in Bukarest am Straßenrand auf den Papst warten. "Ganz wichtig" sei dieser Besuch, weil er die Menschen zum Zusammenhalt bewege und daran erinnere, dass Europa "unser Weg" sei, sagt Helen. Der 24-jährige Ingenieur Vladimir Dragos erklärt, der Besuch sei angesichts der innenpolitischen Probleme ungemein wichtig. Er zeige außerdem, dass der "Zusammenhalt mit Europa" für das Land enorme Bedeutung habe. "Wir sind auf einem guten Weg," meint der 44-jährige Christian Atics und lobt den Papst, der an die Bedeutung gemeinsamen Handelns erinnere.

Papst moniert die Schattenseiten der Globalisierung

Das passt zum Bild in den Straßen. Tausende rumänische und vatikanische Fahnen wehen in der Innenstadt von Bukarest, durch die der Konvoi rollt. Der Papst winkt bei heruntergelassenem Fenster aus seinem Dacia-Mittelklassewagen. An öffentlichen Gebäuden hängen außerdem Fahnen oder großflächige Transparente mit den europäischen Farben. Die Botschaft: Rumänien will dazugehören. Für Franziskus ist das Land eine weitere europäische Etappe seiner nun insgesamt 30 Auslandsreisen. So war der Papst bereits in Albanien und Bosnien-Herzegowina, kürzlich in Bulgarien und Nord-Mazedonien. 

Rumänien Bukarest Josefskathedrale (DW/C. Ștefănescu
)

In der katholischen Josefskathedrale in Bukarest fand am späten Nachmittag die Papstmesse statt

Neben religiöser Vielfalt - 87 Prozent der Rumänen sind orthodox, knapp sechs Prozent sind katholisch - ist all diesen Staaten gemein, was der Papst mehrmals an diesem Tag nennt: die Erfahrung wirtschaftlicher und sozialer Härten. "Viele haben von der technologischen Entwicklung und dem wirtschaftlichen Wohlstand profitiert, aber die meisten blieben davon gnadenlos ausgeschlossen," kritisiert der Papst in Bukarest die Schattenseiten einer "gleichmacherischen Globalisierung". Deutliche Worte auch hier vom Papst, der dabei an die Millionen Rumänen erinnert, die als Arbeitsmigranten in Westeuropa unterwegs sind.

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