Palästinenser durchbrechen Seeblockade von Gaza | Aktuell Nahost | DW | 10.07.2018
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Nahostkonflikt

Palästinenser durchbrechen Seeblockade von Gaza

Palästinenser haben als Protestaktion mit einem Boot die israelische Seeblockade vor dem Gazastreifen durchbrochen. An Bord sollen sich allerdings auch einige verletzte und kranke Menschen befunden haben.

Die Organisatoren der Aktion fordern ein Ende der israelischen Blockade des Küstengebiets. Das Boot habe die Sechs-Meilen-Zone (rund elf Kilometer) verlassen und sei nun auf dem Weg nach Zypern, heißt es. Begleitet wurden die Protestler von palästinensischen Fischerbooten.

Die israelische Armee teilte mit, sie prüfe die Lage. Man habe sich auf eine "Vielzahl von Szenarien" vorbereitet. Israel hatte erst am vergangenen Montag mitgeteilt, die Fischereizone wieder von neun auf sechs Seemeilen zu begrenzen. Israel hat vor mehr als zehn Jahren eine Blockade über das Küstengebiet verhängt, die mittlerweile von Ägypten mitgetragen wird.

Gaza Palästinenser Israel Blockade (picture-alliance/dpa/A. Amra)

Palästinensische Aktivisten vor der Küste des Gazastreifens

Israel begründet diese Blockade mit Sicherheitsinteressen gegenüber der als Terrororganisation eingestuften Hamas. Erst Ende Mai hatte ein Boot mit 17 Palästinensern aus Gaza versucht, die Seeblockade zu durchbrechen. Es wurde von der israelischen Marine abgefangen. Die Menschen auf dem Schiff kehrten wieder in den Gazastreifen zurück.

Brandattacken aus Gaza

Israel hat zudem wegen der andauernden Attacken mit brennenden Drachen aus dem Gazastreifen den einzigen Grenzübergang für den Warenhandel in das Küstengebiet geschlossen. Der Grenzübergang Kerem Schalom bleibe lediglich für humanitäre Lieferungen wie Essen und Medizin geöffnet, teilte die Armee mit. Ferner soll demnach in Absprache mit dem israelischen Verteidigungsministerium die für Fischfang freigegebene Zone von 17 auf 11 Kilometer reduziert werden. "Wir werden sofort hart gegen das Hamas-Regime im Gazastreifen durchgreifen", sagte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor Abgeordneten seiner Partei.

Feuerdrachen aus Gaza - Südisrael (DW/T. Kraemer)

Branddrachen aus dem Gazastreifen vernichten immer wieder Agrarflächen in Israel

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums zerstörten durch Branddrachen ausgelöste Feuer rund 28 Quadratkilometer Land im Süden Israels. Die mit Hochtechnologiewaffen ausgerüstete israelische Armee tut sich schwer, die Flugkörper abzufangen. Die Aktionen sind Teil der seit März anhaltenden anti-israelischen Proteste. Dabei erschoss die israelische Armee palästinensischen Angaben zufolge 136 Palästinenser.

Kritik der UN

Die Vereinten Nationen kritisierten die weitreichende Schließung des Grenzübergangs. "Humanitäre Unterstützung ist kein Ersatz für Handel und Gewerbe", sagte der UN-Nahostgesandte Nikolaj Mladenow. Er dringe darauf, die Entscheidung rückgängig zu machen. Gleichzeitig sollten die Hamas und andere Organisationen die Attacken mit Branddrachen stoppen.

Hamas-Sprecher Fawzi Barhoum nannte die Grenzschließung laut Berichten "ein neues Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Zudem verstoße sie gegen internationales Recht und Menschenrechte. Kritik äußerte die Hamas auch am Schweigen der Weltöffentlichkeit gegen das "Verbrechen der zwölfjährigen Blockade Gazas". Dieses Schweigen ermutige Israel, seine rassistische und extremistische Politik gegen die Palästinenser fortzusetzen.

cgn/sti (dpa, kna, rtr)

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