Pakistan: Mindestens 12 Tote bei Anschlag in Islamabad
Veröffentlicht 11. November 2025Zuletzt aktualisiert 11. November 2025
In der pakistanischen Hauptstadt Islamabad hat sich nach Regierungsangaben ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und mindestens zwölf Menschen getötet. Der Angreifer habe versucht, ein Justizgebäude zu betreten, teilte Innenminister Mohsin Naqvi mit. Er habe jedoch seinen Sprengsatz im Freien in der Nähe eines Polizeifahrzeugs gezündet. Mehrere Verletzte schweben nach Angaben eines Krankenhausvertreters in Lebensgefahr.
Der Sprengsatz detonierte in der Nähe des Eingangs zum Bezirksgericht, das üblicherweise von einer großen Anzahl von Prozessparteien besucht wird. Sicherheitskräfte riegelten den Tatort ab, in dessen Umfeld sich auch mehrere Regierungsgebäude befinden. Auf Videos und Bildern örtlicher Medien waren blutüberströmte Opfer neben einem Polizeiwagen zu sehen.
"Menschen rannten in alle Richtungen davon"
"Wir waren im Gericht, als wir eine ohrenbetäubende Explosion hörten. Alle gerieten in Panik und die Menschen rannten davon", sagte ein Anwalt der Deutschen Presse-Agentur. Videos, die in sozialen Netzwerken verbreitet wurden, zeigen ein brennendes Auto und dichte Rauchwolken.
Inzwischen reklamierte eine Splittergruppe der pakistanischen Taliban die Tat für sich. Richter und Rechtsanwälte, welche den "unislamischen Gesetzen" des Landes folgten, seien ins Visier genommen worden, schreiben die Islamisten in einer Erklärung. Zugleich kündigten sie weitere Terrorakte an, bis in dem muslimisch geprägten Land die Scharia, also eine Rechtsordnung nach dem Islam, durchgesetzt sei.
Ein Sprecher der pakistanischen Taliban war entsprechenden Anschuldigungen zuvor noch entgegengetreten, indem er eine Verwicklung in die Tat bestritt. Premierminister Shehbaz Sharif hatte "terroristische" Gruppen, die vom verfeindeten Indien unterstützt würden, für den Anschlag verantwortlich gemacht, ohne dafür Beweise vorzulegen.
Pakistan erlebt seit einiger Zeit einen Anstieg der Gewalt seitens militanter Gruppen, deren Schauplatz jedoch seit längerer Zeit nicht mehr die im Norden des Landes gelegene Hauptstadt war.
Indien: Ermittlungen nach Anschlag vom Montag
Das Attentat in Islamabad folgt auf eine schwere Explosion vom Montag im Nachbarland Indien. Dessen Verteidigungsminister Rajnath Singh kündigte derweil eine rasche Aufklärung an. Die Ermittlungsbehörden untersuchten den Vorfall in der Hauptstadt Neu-Delhi "schnell und gründlich", sagte Singh auf einer Pressekonferenz. Diejenigen, die für die "Tragödie" verantwortlich seien, würden vor Gericht gestellt, kündigte der Minister an.
Durch die Detonation nahe dem historischen Roten Fort waren nach Angaben aus Rettungskreisen mindestens acht Menschen getötet und 19 verletzt worden. Die Nachrichtenagentur Press Trust of India spricht inzwischen sogar von zwölf Toten. Eine offizielle Bestätigung hierfür gibt es bislang nicht.
Modi spricht von "Verschwörung"
Auch die Ursache der Explosion ist weiterhin unklar. Die Polizei teilte mit, es liefen Ermittlungen auf Grundlage der Anti-Terror-Gesetze. Regierungschef Narendra Modi erklärte bei einem Besuch in Bhutan, die Behörden gingen "der gesamten Verschwörung" auf den Grund. Alle Beteiligten würden vor Gericht gestellt.
Der indische Heimatminister Amit Shah hatte am Montagabend gesagt, dass in alle Richtungen ermittelt werde. Es sei "sehr schwierig", die Ursache der Explosion zu bestimmen, solange die forensischen Proben nicht analysiert worden seien.
Wechselseitige Anschuldigungen
Sollte sich herausstellen, dass es sich bei der Explosion um ein Attentat handelt, wäre dies der erste bedeutende Sicherheitsvorfall seit dem 22. April. Damals waren bei einem Anschlag im indischen Teil der Region Kaschmir 26 mehrheitlich hinduistische Touristen getötet worden. Indien beschuldigt Pakistan, den Angriff unterstützt zu haben, was die Regierung in Islamabad bestreitet.
Infolge der Tat war der seit Jahrzehnten andauernde Konflikt zwischen Indien und Pakistan um die Himalaya-Region Kaschmir wieder aufgeflammt. Indien bombardierte mehrere Ziele in Pakistan, Islamabad antwortete mit Gegenangriffen. Bei den schwersten Kämpfen zwischen den verfeindeten Atommächten seit 1999 wurden 70 Menschen getötet. Seit dem 10. Mai gilt eine Waffenruhe.
jj/pgr (dpa, afp, rtr, ap)
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