″Päpstliches Geheimnis″ bei Missbrauch fällt | Aktuell Welt | DW | 17.12.2019
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Vatikan

"Päpstliches Geheimnis" bei Missbrauch fällt

Die katholische Kirche führt eigene Prozesse - nach eigenen Regeln. Kritiker monieren, die Vorschriften begünstigten die Vertuschung. Nun verschärft der Pontifex die Bestimmungen bei Sexualstraftaten.

Papst Franziskus Messe für Jungfrau von Guadalupe (Getty Images/AFP/A. Pizzoli)

Das Oberhaupt der katholischen Kirche im Petersdom (Archivbild)

Papst Franziskus verschärft die Gangart im Kampf gegen Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche. Mit sofortiger Wirkung schafft er das "päpstliche Geheimnis" im Fall von Missbrauch durch Priester ab, wie der Vatikan mitteilte. Zudem änderte der Pontifex die Vorschriften zu Besitz und Verbreitung von kinderpornographischem Material. Zu den schwersten Straftatbeständen zählt nun, wenn die abgebildeten Personen noch keine 18 Jahre alt sind. Bisher betrug das Höchstalter für diese Vorschrift 14 Jahre.

Die Maßnahmen haben zur Folge, dass Aussagen in Kirchenprozessen auch an zivile Behörden gehen. Zwar unterlägen entsprechende Vorgänge weiter einer besonderen Vertraulichkeit zum Schutz der Beteiligten und Betroffenen, so die vatikanische Medienplattform Vaticannews. Gleichwohl dürften dadurch Ermittlungen und gegebenenfalls eine staatliche Anzeigepflicht nicht behindert werden. Weder die Person, die einen Verdacht meldet, noch das mutmaßliche Opfer und etwaige Zeugen dürften durch eine Schweigepflicht gebunden werden.

Kritiker: Geheimnis dient der Vertuschung

Bereits beim Kinderschutzgipfel Ende Februar im Vatikan hatte unter anderen der Münchner Kardinal Reinhard Marx die Anwendung des "Päpstlichen Geheimnisses" bei kirchlichen Prozessen gegen Missbrauchstäter infrage gestellt. Nach Einschätzung von Kritikern hatten die Regeln dazu beigetragen, dass Verdachtsfälle vertuscht werden konnten.

In Europa und den USA wurden seit der Jahrtausendwende massenhaft Fälle des Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch katholische Geistliche bekannt. Franziskus hat den Kampf gegen den sexuellen Missbrauch innerhalb der Kirche zu einer Priorität seines Pontifikats erklärt.

Als "Päpstliches Geheimnis" werden strenge Geheimhaltungsnormen für bestimmte Rechts- und Verwaltungsvorgänge in der katholischen Kirche bezeichnet. Ihre Verletzung steht unter Strafe. Der Geltungsbereich wurde zuletzt 1974 neu geregelt.

jj/kle (dpa, kna, ap)

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