"Operation Wüstensturm" | Nahost | DW | 01.01.1970
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Nahost

"Operation Wüstensturm"

Am 17. Januar 1991 begann der zweite Golfkrieg. Im Gegensatz zum Irak-Krieg im Jahr 2003 genoss die "Operation Wüstensturm" breite Unterstützung in der internationalen Gemeinschaft. Ein Rückblick.

Das Wrack eines verlassenen irakischen Panzers vom Typ T-62 sowjetischer Bauart steht am 02.04.1991 am Rande einer Wüstenstraße in Kuwait während im Hintergrund ein brennendes Bohrloch des Al-Ahmadi Ölfeldes zu sehen ist. (Foto: dpa - Bildfunk)

In der Nacht zum 17. Januar 1991 der Golfkrieg zur Befreiung Kuwaits.

Saddam Hussein marschierte mit seinen Truppen am 2. August 1990 in Kuwait ein und erklärte das Emirat wenige Wochen später zur irakischen Provinz. Hintergrund seiner Begehrlichkeiten waren Auslandsschulden in Höhe von umgerechnet etwa 40 Milliarden Euro, die der Irak nach dem ersten Golfkrieg gegen den Iran angehäuft hatte. Zudem ließen sich die jungen irakischen Soldaten aus dem Krieg gegen den Iran nicht auf dem Arbeitsmarkt unterbringen. Die irakische Wirtschaft war zu schwach, Saddam hatte die Einnahmen aus den Öl-Exporten vor allem in die Rüstung gesteckt.

Invasion als Lösung der Wirtschaftsprobleme?

Hauptgläubiger des Iraks waren Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate. Der Diktator hatte von ihnen gefordert, die Ölfördermenge zu drosseln, um seinem Land bei gleichem Preis einen größeren Absatz auf dem Weltmarkt zu ermöglichen. Außerdem verlangte er von den Golfstaaten einen Schuldenerlass. Kuwait und die Arabischen Emirate gingen nicht auf die Forderungen ein.

Sie bescherten seinem Land im Gegenteil durch Überproduktion noch größere Verluste - behauptete zumindest der irakische Diktator und bezichtigte Kuwait zudem des Öldiebstahls. Mit einer Invasion glaubte Saddam, die wirtschaftlichen Probleme seines Landes zu lösen und zugleich seinem Ziel näher zu kommen, als Nachfolger des Ägypters Gamal Abd el-Nasser zum panarabischen Führer aufzusteigen. Doch Saddam Hussein hatte die Reaktion der Völkergemeinschaft unterschätzt.

Die Völkergemeinschaft rückt zusammen

Die Weltgemeinschaft akzeptierte vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen und geostrategischen Bedeutung der Region keine Verschiebung der Kräfteverhältnisse auf der arabischen Halbinsel. Der UN-Sicherheitsrat der Vereinten Nationen forderte noch am gleichen Tag, am 2. August 1990, einen sofortigen und bedingungslosen Rückzug der irakischen Soldaten und verhängte vier Tage später ein Finanz- und Militärembargo gegen den Irak. Und George Bush senior setzte bereits sechs Tage nach der irakischen Invasion 400.000 amerikanische Soldaten zum Schutz Saudi-Arabiens in Marsch.

Videoband-Aufnahme vom 04. Februar 1991 mit der Zielkamera eines amerikanischen Jagdbombers, die die Praezision amerikanischen Bombardements dokumentiert. (Foto: AP/Pentagon-HO-02/04/1991-)

Per Laserführung ins Ziel: Aufnahme eines US-Bombers

Es formierte sich eine Anti-Irak-Koalition aus 28 Nationen, der sich bis auf Jordanien auch die arabischen Nachbarstaaten einschließlich Syrien und Ägypten anschlossen. Für sie stellte der mit westlicher Hilfe hochgerüstete Saddam schon länger eine Bedrohung dar. Da sich Saddam zunehmend isoliert sah, spielte er sich als Interessenvertreter der Palästinenser auf. Er forderte eine Nahost-Konferenz und machte seinen Rückzug aus Kuwait von dem Rückzug Israels aus den besetzten Gebieten abhängig. Die USA lehnten ab. Saddam drohte mit der Zerstörung aller Ölfelder am Golf.

Die letzte Chance für eine friedliche Lösung verstrich mit dem
gescheiterten Treffen zwischen dem damaligen amerikanischen Außenminister James Baker und seinem irakischen Kollegen Tariq Asis am 9. Januar 1991 in Genf. Ein auf den 15. Januar terminiertes Ultimatum ließ der irakische Diktator verstreichen. Am 17. Januar gab Bush senior dann seinem Stabschef General Norman Schwarzkopf den Befehl zur "Operation Wüstensturm".

"Operation Wüstensturm"

Über 1300 Einsätze flogen die Kampfflugzeuge der Anti-Irak-Koalition innerhalb der ersten 14 Stunden und legten Militär- und Industrieanlagen des Irak in Schutt und Asche. Saddam Hussein zeigte sich zunächst scheinbar unbeeindruckt, ließ Bagdad in der Nacht des ersten Angriffs sogar hell erleuchten und proklamierte die "Mutter aller Schlachten". Nur wenige Stunden später meldeten die Nachrichtensendungen weltweit, dass in Israel Alarmsirenen heulen, weil der Irak Scud-Raketen in Richtung Israel abgefeuert hatte.

Amerikanische F-15 und F-16 Bomber fliegen über Kuwait (Foto: AP )

Nach "Deser Storm": In Kuwait brennen die Ölfelder

Dutzende Raketenangriffe gingen auf Israel nieder, 13 Israelis starben. Dennoch verzichtete der damalige Premier Jitzchak Schamir auf einen Gegenschlag - und vereitelte damit die Strategie Saddams, Israel aktiv in den Krieg hineinzuziehen, um die arabischen Länder doch noch auf seine Seite zu bekommen. Nach einer Bodenoffensive der Alliierten gab Saddam am 28. Februar 1991 auf und unterschrieb einen einseitigen Waffenstillstand, in dem er alle zwölf UN-Resolutionen akzeptierte. Nicht ohne allerdings beim Rückzug aus Kuwait 700 Ölquellen in Brand zu setzen.

Die Opfer

Das Ausmaß der menschlichen Tragödie des Krieges ist bis heute nicht geklärt. In den wenigen Wochen des Golfkriegs wurden mehr Bomben auf den Irak abgeworfen als auf Deutschland während des gesamten Zweiten Weltkrieges. Die Zahl der getöteten irakischen Soldaten blieb ungeklärt; Schätzungen schwankten zwischen 85.000 und 250.000, die der getöten Zivilisten soll zwischen 40.000 und 180.000 gelegen haben. Bei den Kämpfen sollen 4.000 bis 7.000 Kuwaitis gestorben sein. Die Alliierten hatten angeblich 343 Tote zu beklagen. Saddam aber blieb weiter an der Macht, und sein Volk litt weiter - unter Saddams Herrschaft, aber auch unter den UN-Sanktionen.

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