Online-Duden: Gendern ist keine „Sprachmanipulation“ | Deutschlehrer-Info | DW | 11.02.2021
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Online-Duden: Gendern ist keine „Sprachmanipulation“

Im Online-Duden werden weibliche Personen- und Berufsbezeichnungen in Zukunft einen eigenen Eintrag bekommen. Die Kritik, dass dadurch die Sprache manipuliert wird, weist die Chefredakteurin des Duden zurück.

Die Leiterin der Dudenredaktion Kathrin Kunkel-Razum mit einem Buch in der Hand vor einem Bücherregal.

Die Leiterin der Duden-Redaktion Kathrin Kunkel-Razum weist Kritik an der Überarbeitung des Online-Duden zurück. (Archivbild)

„Der Duden hat keine Sprachmacht oder Sprachgewalt, um die Nutzung bestimmter Begriffe zu verhindern“, sagt die Duden-Chefredakteurin Kathrin Kunkel-Razum. Vielmehr orientiere sich die Redaktion an der sprachlichen Realität, die sich gewandelt habe und sich immer mehr um eine geschlechtergerechtere Sprache bemühe.

Kunkel-Razum reagierte damit auf Kritik an der Überarbeitung der Online-Ausgabe des Duden, durch die insgesamt 12.000 Personen- und Berufsbezeichnungen wie „Lehrerin“, „Pfarrerin“ und „Anwältin“ erstmals einen eigenen Eintrag erhalten und nicht mehr nur einen Verweis auf die männliche Form. „Lehrer“, „Pfarrer“ und „Anwalt“ werden künftig als „männliche Person“ aufgeführt.

Im Januar 2021 hatten Sprachkonservative zum Protest gegen die Überarbeitung der Internet-Version des Duden aufgerufen. Sie warnten unter anderem vor dem Wegfall des generischen Maskulinums, also der geschlechterübergreifenden Verwendung der männlichen Form. Durch die Änderungen im Online-Duden betreibe die Redaktion eine „problematische Zwangs-Sexualisierung“.

Duden-Chefredakteurin Kathrin Kunkel-Razum begründete die Überarbeitung des Online-Duden damit, dass die Duden-Redaktion seit einigen Jahren viele Zuschriften erreicht hätten, in denen eben eine Gleichstellung der weiblichen Formen gefordert wurde. Zugleich habe sich die Amtssprache klar gewandelt: „Es hat ja wohl eine Aussagekraft, wenn ganze Länder und Städte Verwaltungsvorschriften erlassen für eine geschlechtergerechte Sprache.“

Wichtigste Grundlage für die Entscheidung zum Gendern des Online-Dudens sei aber die digitale Textsammlung der Redaktion gewesen, das sogenannte Dudenkorpus. „Hier haben wir eine deutliche Entwicklung festgestellt, geschlechterübergreifende Formen zu ersetzen, etwa durch Doppelnennungen wie ‘Bürgerinnen und Bürger‘“, erklärte die Germanistin.

Daher verwahre sie sich auch gegen den Vorwurf, der Duden wolle die Sprache manipulieren und eine neue Norm schaffen. Fixe Normen gebe es allenfalls für die Rechtschreibung und für diese sei der Rat für deutsche Rechtschreibung zuständig, sagte Kunkel-Razum. „Beim Duden bilden wir die Regeln ab, die die Sprachgemeinschaft macht“, betonte sie. „Wir beobachten, welche Formen sich herausbilden, und das beschreiben wir. „Eine Wortbedeutung sei nie eine Norm.“

Das generische Maskulinum sei mitnichten gestrichen, sondern lebe in den Beispielen zu den Worteinträgen weiter. „Wenn ich etwa sage ‘Ich gehe zum Arzt‘, dann kann das im allgemeinen Sprachgebrauch durchaus geschlechtsabstrahierende Bedeutung haben, weil die Praxis als Einrichtung gemeint ist“, erklärte sie. „Aber wenn von einer konkreten Ärztin oder einem konkreten Arzt die Rede ist, macht es natürlich einen Unterschied, wen wir vor uns sehen.“

Ähnlich sieht es der Rat für deutsche Rechtschreibung. Das Gremium plädiert für einen offenen Umgang mit alternativen Schreibweisen wie Genderstern oder Doppelnennungen wie „Bürgerinnen und Bürger“. „Auch die Verwendung des generischen Maskulinums kann – zum Beispiel in nachrichtlichen Texten mit dem Ziel von Kürze und Einheitlichkeit – weiterhin gut begründet sein“, heißt es dort.

Duden-Sprecherin Nicole Weiffen führte zudem im Hinblick auf die Printausgabe des Duden aus: „Dass wir auch die weiblichen Formen wie ‘Schüler‘ und ‘Schülerin‘ dort konsequent verzeichnen, ist seit über 20 Jahren geübte Praxis.“


sts (mit epd/KNA)/rh

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