Ohren | Alltagsdeutsch – Podcast | DW | 01.01.1970
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Alltagsdeutsch – Podcast

Ohren

Ohne dass wir uns dessen bewusst sein müssen, hören wir ständig. Es sei denn, jemand hat "Tomaten auf den Ohren" oder "sitzt auf seinen Ohren". Da hilft es auch nichts mehr, demjenigen ständig "in den Ohren zu liegen".

Sprecherin:
Ganz Ohr war ich
, als mir Leute bei meiner Umfrage sagten, was ihnen so alles zum Ohr einfällt.

O-Ton:
"Die Ohren spitzen und ganz Ohr sein ist, wenn man besonders aufmerksam ist."

Sprecher:
Zu viel des Guten ist es allerdings, wenn die Ohren jucken. Dann ist man nämlich nicht nur aufmerksam, sondern neugierig.

O-Ton:
"Mein Vater hat früher immer zu mir gesagt: Ich ziehe dir die Ohren lang. Da habe ich irgendwas angestellt, und da wollte er eben so eine kleine Drohung aussprechen, dass er mir eine Ohrfeige verpasst, da hab‘ ich dann Angst gekriegt."

Sprecher:
Jemandem die Ohren lang ziehen
heißt "jemanden bestrafen". Und mit der Ohrfeige ist ganz bestimmt keine Frucht gemeint, sondern ein Schlag auf die Wange. Ähnliche Bedeutung hat: Du kriegst gleich was hinter die Ohren oder jemandem einen...

O-Ton:
"...Satz heiße Ohren verpassen, jemandem einen links und rechts auf die Ohren geben, mit der flachen Hand auf die Ohren hauen."

Sprecher:
Auch wenn jemand sagt: Ich zieh dir gleich das Fell über die Ohren, ist das hoffentlich nur eine Drohung:

O-Ton:
"Ja, dann ist er wahrscheinlich sauer und möchte dann diejenige vielleicht verprügeln. Oder zumindest ist er sauer und versucht, das halt durch diesen Spruch auszudrücken."

Sprecher:
Für den Fall, dass es dann doch nicht nur bei einer Drohung bleibt, helfen nur tröstende Worte:

O-Ton:
"Halt die Ohren steif, bekommt man gesagt von Freunden oder Verwandten, wenn es einem schlecht geht. Man soll halt die Ohren steif halten, man soll nicht den Mut verlieren."

Sprecherin:
Folgende Redewendungen beinhalten zwar die Verben "hauen" und "schlagen", wie meine kleine Umfrage zeigt, ist aber keine Gewalt im Spiel. Ich hau' mich aufs Ohr, sagt man zum Beispiel...

O-Ton:
"...wenn man so ‘n Nickerchen machen möchte, so nachmittags oder so: Ich leg' mich mal kurz aufs Ohr, ‘n kurzer Schlaf zur Erfrischung." / "Die Nacht um die Ohren schlagen ist, wenn man kein Ende findet, also wenn man nicht ins Bett geht, sondern die Nacht zum Tage macht." / "Jemandem etwas um die Ohren hauen." / "Zum Beispiel die Hefte, wenn die Arbeit schlecht gewesen ist, kann man die dem Schüler um die Ohren hauen, aber das darf man heute, glaub‘ ich, nicht." / "Wenn man jemanden übers Ohr haut, dann betrügt man den." / "Wenn man jemanden betuppt!"

Sprecher:
Betuppen
sagte die junge Dame zuletzt. Was nichts anderes bedeutet, als jemanden zu betrügen oder zu übervorteilen. Nicht unwahrscheinlich ist, dass der betrogen wird, der noch keine Erfahrung hat, der naseweise Bursche, der eigentlich noch gar nicht mitreden kann.

Sprecherin:
Über ihn sagt man auch: Er ist noch nicht trocken oder noch feucht hinter den Ohren. Eben wie ein neugeborenes Kind! Eine Variante lautet: Der ist ja noch grün hinter den Ohren!

O-Ton:
"Dann heißt das halt, dass jemand noch nicht so viele Erfahrungen gesammelt hat und erst ‘n Anfänger ist auf seinem Gebiet, halt noch kein Spezialist oder Fachmann." / "Ja, dass er keine Ahnung von der Sache hat." / "Grün hinter den Ohren ist man zum Beispiel, bevor man das erste Mal ‘ne Frau geküsst hat, voll den ersten Vollrausch gehabt hat oder noch nie im Fußballstadion war."

Sprecher:
Mit dem Vollrausch meint der junge Mann den ersten übermäßigen Alkoholkonsum, also sehr stark betrunken zu sein.

Sprecherin:
Wenn etwas sehr stark oder ganz und gar ist, drückt man das auch mit der Formel bis über die Ohren aus. Man kann bis über beide Ohren verschuldet oder verliebt sein oder bis über beide Ohren in Arbeit stecken. Dann hat man...

O-Ton:
"...viel um die Ohren, wenn ich viel zu tun habe und im Stress bin."

Sprecher:
Bei ihrer Recherche entdeckte unsere Reporterin auch einiges in den Ohren; angefangen beim meist harmlosen Schmalz...

O-Ton:
"Ohrenschmalz ist das Dicke, was man in den Ohren hat, wenn man sie sich nicht regelmäßig wäscht."

Sprecherin:
Gefährlicher ist da schon der Ohrwurm, eine schmerzhafte Ohrenentzündung bei Hunden und Katzen. Im Volksmund hat der Ohrwurm jedoch eine andere Bedeutung:

O-Ton:
"Ohrwurm ist ein Lied, was einem nicht mehr aus dem Kopf geht." / "Man hört beispielsweise irgendeine Melodie, und man kommt überhaupt nicht drauf, von wem die ist." / "Und dann muss man die immer vor sich hin summen, weil sie gar nicht mehr raus geht aus ‘m Ohr."

Sprecher:
Insofern kann auch dieser Ohrwurm durchaus etwas Quälendes haben; ganz im Gegensatz zum Ohrenschmaus:

O-Ton:
"'Schmaus' ist was zum Essen normalerweise, das man genießt, was total üppig ist. Und das Gleiche gilt halt sozusagen für Musik. Ohrenschmaus ist ’n Musikstück, was einen sozusagen komplett erfüllt." / "Zum Beispiel, wenn man sich die 'Moldau' anhört oder so. irgendwas, was den Ohren besonders gut tut."

Sprecherin:
Genau genommen tut die Musik nicht den Ohren, sondern der Seele gut. So auch, wenn jemand sagt: Das klingt wie Musik in meinen Ohren! Dann ist ihm etwas Positives zu Ohren gekommen; eine gute Nachricht etwa, ein Kompliment oder eine Schmeichelei wie...

O-Ton:
"...mein süßes, kleines Schweineöhrchen ist sehr beliebt."

Sprecher:
Schweineöhrchen
kann man übrigens auch beim Bäcker kaufen. Ein köstliches Gebäck! Aber nun zurück zu unserer Reporterin. Die hat nämlich noch mehr im Ohr gefunden.

Sprecherin:
Einen Floh! Doch nicht vom stechenden Parasiten ist hier die Rede.

O-Ton:
"Floh ins Ohr setzen heißt, jemandem ‘ne fixe Idee ins Ohr setzen. Also, ihn auf ‘ne Sache bringen, auf die er allein nicht gekommen wär‘." / "Die gewagt ist, und man jemand damit so verrückt macht, dass er eigentlich die Realität nicht mehr so ganz sieht." / "Der möchte also jetzt unbedingt was verwirklichen. Und das muss wirklich unbedingt passieren. Das kann auch was Verrücktes sein."

Sprecherin:
Als verrückt bezeichnet man denjenigen, der einen kleinen Mann im Ohr hat. Oftmals wird diese Formulierung jedoch in einem harmloseren Sinne benutzt:

O-Ton:
"Wenn jemand ‘ne Meinung oder ‘ne Einstellung oder ‘ne Äußerung macht, die man sich halt nicht erklären kann, wo man meint, er hat irgendwie ‘nen kleinen Mann im Ohr sitzen, der ihm das irgendwie einflüstert."

Sprecher:
Folgende Formulierungen dienen der Erinnerung und Aufforderung:

O-Ton:
"In den Ohren liegen heißt, ihn permanent wieder darauf hinweisen, dass er endlich irgendwas macht." / "Wenn ich möchte, dass sich jemand etwas merkt, dann sag‘ ich: 'Schreib’ Dir das hinter die Ohren!' Der soll das nicht vergessen."

Sprecherin:
Manchmal nutzt selbst das nichts. Man predigt dann tauben Ohren. Oder, wie es die Leute bei meiner Umfrage ausdrückten:

O-Ton:
"Wenn ich etwas machen möchte oder erreichen möchte bei einer anderen Person, und die das absolut nicht möchte, und man versucht das durch Argumente, und das aber nicht klappt und man nicht an sein Ziel kommt – das ist für mich auf taube Ohren stoßen." / "Auf beiden Ohren taub, wenn man ignorant ist, wenn man sich einer Sache verschließt."

Sprecher:
Es handelt sich nicht um physische, sondern um geistige Taubheit. In gewissen Situationen kann man es jemandem allerdings gar nicht verdenken, wenn er seine Ohren vor etwas verschließt, einfach nicht zuhören will.

O-Ton:
"Ohren voll jammern." / "Wenn man die ganze Zeit nur wehleidig ist." / "Wenn jemand zum Beispiel Liebeskummer hat und so ein Häufchen Elend ist und nicht mehr essen kann und nicht mehr trinken, sondern nur noch erzählen - das ist jemandem das Ohr voll jammern."

Sprecherin:
Eine junge Dame verriet mir, wie man sich einem derart zudringlichen Erzähler entziehen kann:

O-Ton:
"Das geht mir zum einen Ohr rein, zum anderen Ohr wieder raus. Das heißt, ich stell‘ auf Durchzug, weil ich eigentlich überhaupt keine Lust habe, mich damit zu beschäftigen, darüber nachzudenken."

Sprecher:
Die Dame ist demnach ganz bewusst unaufmerksam. Wenn man hingegen bereit ist, sich die Sorgen oder Anliegen einer Person anzuhören, so hat man ein offenes Ohr dafür; anders ausgedrückt:

O-Ton:
"Jemandem ein Ohr gewähren"...

Sprecherin:
...bedeutet: Jemand nimmt Anteil und hört aufmerksam zu. Halb so aufmerksam ist derjenige, der nur mit einem halben Ohr zuhört. Er ist womöglich gleichzeitig mit etwas anderem beschäftigt. Wenn ihm deshalb etwas Wichtiges entgeht, könnte sein Gesprächspartner von ihm meinen, er sitze auf den Ohren.

Sprecher:
Das ist natürlich nur ein Bild. Wie sollte man das machen, auf seinen Ohren sitzen? Außerdem – es gibt weitaus komfortablere Sitzgelegenheiten:

O-Ton:
"Ein Ohrensessel, das ist ein ganz gemütlicher Sessel, in dem meistens meine Oma sitzt. Und der hat dann hinten ‘n besonders langes Rückenteil, und an der Seite ist der dann so ‘n bisschen abgewinkelt und hat dann an der Seite so Ohren, damit die Oma nicht aus dem Sessel fällt."

Sprecher:
Wenn jemand laut lacht und seine Mundwinkel dabei stark nach oben zieht, sagt man scherzhaft: Die Ohren bekommen Besuch.

Sprecherin:
Manchmal traut man den eigenen Ohren nicht, erklärte mir ein junger Mann:

O-Ton:
"Wenn man einfach nicht glauben kann, was man da hört."

Sprecher:
Solchem Erstaunen gibt man auch Ausdruck, indem man sagt: Ich habe mit den Ohren geschlackert. Schlackern kann man eigentlich nur mit Schlappohren. Wie Löffel beim Hasen, Behang beim Jagdhund und Lauscher, Luser oder Teller bei Wild ist dies eine gängige Bezeichnung für hängende, lange Ohren bei Tieren. Nicht besonders schmeichelhaft ist es hingegen, die Ohren einer Person als Segelohren zu bezeichnen:

O-Ton:
"Segelohren, das sind Ohren, die nicht parallel zum Kopf stehen, sondern in einem bestimmten Winkelverhältnis vom Kopf abstehen." / "Segelohren hat man, wenn der größte Luftwiderstand von den Ohren ausgeht."

Sprecherin:
Zum Schluss noch eine Warnung! Vorsicht ist geboten, so sagte mir eine junge Dame bei meiner Umfrage,...

O-Ton:
"...wenn es jemand faustdick hinter den Ohren hat, dann tut er harmlos, aber er ist es nicht."


Fragen zum Text:

Wenn jemand sagt, man solle die Ohren steif halten, meint er, man…?

1. solle nicht den Mut verlieren
2. dürfe nichts übereilen
3. solle besonders aufmerksam sein

Eine Melodie, die einem nicht aus dem Ohr gehen will, nennt man auch…?
1. Ohrenschmaus
2. Ohrenschmalz
3. Ohrwurm

Wie heißen die Ohren eines Hasen?
1. Teller
2. Löffel
3. Messer


Arbeitsauftrag:
Nicht nur zum Ohr, auch zu anderen Sinnesorganen und Körperteilen gibt es im Deutschen viele Redensarten und Sprichwörter. Schreiben Sie – evtl. mit Hilfe eines Wörterbuchs – mindestens drei auf ein Blatt Papier auf und geben Sie dieses Ihrem Nachbarn, der dann die jeweilige Bedeutung erklären bzw. erraten soll.

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