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OECD warnt Jugendliche vor Berufen ohne Zukunft

22. Januar 2020

Trotz des rasanten Wandels der Arbeitswelt sehen viele Jugendliche ihre Zukunft nach wie vor in einem traditionellen Beruf. So streben sie laut einer OECD-Studie oft Jobs als Mediziner, Lehrer, Polizist oder Manager an.

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Symbolbild Berufsschüler
Bild: Fotolia/Robert Kneschke

Die Untersuchung beruht auf Daten der Schulstudie Pisa, bei der 15-Jährige auch nach ihren Berufsvorstellungen befragt wurden. Dabei nannten 47 Prozent der Jungen und 53 Prozent der Mädchen einen von zehn besonders häufig genannten Berufen. Damit habe sich die Fokussierung auf wenige Berufe seit der ersten Pisa-Erhebung im Jahr 2000 sogar noch etwas erhöht. Dies beobachteten die Forscher auch in Deutschland. Allerdings seien die beruflichen Ambitionen dort genauso wie in Österreich und der Schweiz insgesamt deutlich diverser als im OECD-Durchschnitt. In den anderen Ländern strebten nur etwa vier von zehn Schülern einen der zehn am häufigsten genannten Berufe an.

Ambitionierte Berufsziele von Akademiker-Kindern 

Die Berufsvorstellungen hängen aber auch von der sozialen Herkunft ab. Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nannten "leistungsstarke Schüler aus privilegierten Verhältnissen" im Schnitt viermal häufiger ambitionierte Berufsziele als "Schüler mit vergleichbaren Leistungen aus benachteiligten Verhältnissen". Auch zwischen den Geschlechtern unterscheiden sich die Vorstellungen nach wie vor deutlich. Jungen, die bei den Pisa-Tests in Mathematik und Naturwissenschaft besonders gut abschnitten, interessierten sich weitaus häufiger für einen Beruf im Bereich Naturwissenschaften oder Ingenieurwesen als Mädchen. Diese sahen dagegen häufiger ihre berufliche Zukunft im Gesundheitswesen.

Jugendliche verkennen Wandel des Arbeitsmarktes

Die OECD verwies darauf, dass viele der genannten Berufe "nicht nur traditionell, sondern möglicherweise schon bald nicht mehr zeitgemäß sind". Die Organisation geht nach eigenen Angaben davon aus, dass für 39 Prozent der genannten Berufe das Risiko besteht, in zehn bis 15 Jahren durch Automatisierung wegzufallen.

Andreas Schleicher
Andreas Schleicher, Bildungsdirektor der OECD Bild: picture-alliance/dpa

Vor diesem Hintergrund forderte der Bildungsdirektor der OECD, Andreas Schleicher, deutlich mehr Engagement in den Schulen bei der Berufsvorbereitung. "Man kann nicht werden, was man nicht kennt", sagte Schleicher bei einem Fachgespräch am Rande der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos. "Es besteht ein großes Risiko, dass wir die nächste Generation für unsere Vergangenheit ausbilden und nicht für deren Zukunft."

bri/sti (dpa, afp)