Ob der Penis funktioniert, zeigt der Briefmarkentest | Wissen & Umwelt | DW | 21.09.2018
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Ig-Nobelpreis

Ob der Penis funktioniert, zeigt der Briefmarkentest

Impotenz beim Mann kann körperliche oder psychische Ursachen haben. Drei US-Mediziner entwickelten dafür einen einfachen Test, den Mann einfach zuhause nachmachen kann. Was Sie dafür brauchen? Briefmarken.

"Liebe Eltern, verdeckt jetzt die Augen eurer Kinder. Liebe Jungfrauen: Passt gut auf!" John Barry, chic gekleidet in weißem Hemd und schwarzem Anzug, genießt es förmlich, seine Erfindung einem breiten Publikum vorstellen zu können: Ein Penis-Funktionstest, den jeder ohne großen Aufwand und Kosten zu Hause durchführen kann.

Bereits Ende der 1970er Jahre hat Barry sich den Test mit seinen zwei US-Kollegen Bruce Blank und Michel Boileau ausgedacht. Mitte September (13.09.2018) bekamen die drei dafür den Ig-Nobelpreis für Reproduktionsmedizin, einen Spaß-Preis, der Forschungserkenntnisse auszeichnet, die dich "erst lachen und dann nachdenken lassen".

Barry stellte den Penis-Funktionstest bei der Ig-Nobelpreis-Vorlesung am Massachusetts Institute of Technology (MIT) im US-amerikanischen Cambridge vor. Zur großen Erheiterung des Publikums zeigt er Zeichnungen von einem Penis, der mit einem Ring aus Briefmarken umwickelt ist.

Ig-Nobelpreisträger John Barry während seines Ig-Nobelpreis-Vortrags am MIT

38 Jahre nach Veröffentlichung der Erfindung bekommt John Barry den Ig-Nobelpreis

"Unser Test zeigt, ob ein Mann, während er schläft, Erektionen hat oder nicht", erklärt Barry im DW-Interview. Jeder Mann habe zwischen einer und fünf Erektionen pro Nacht. Es geschehe automatisch, wenn er träumt – "ganz egal, wovon er träumt".

Bleiben die Erektionen aus, hat der Mann ein körperliches Problem, fährt Barry fort. "Möglicherweise Diabetes oder Arterienverkalkung."

Funktioniert das männliche Organ nachts zufriedenstellend und nur dann nicht, wenn es gefordert wird, liegt das Problem im Kopf des Mannes. Um zu wissen, welche Therapie die beste ist, muss man also zunächst herausfinden, ob der Patient nachts Erektionen hat oder nicht – und da kommen die Briefmarken ins Spiel.

Und so funktioniert's

Man nehme mehrere Briefmarken, die über eine Perforation miteinander verbunden sind, wickelt sie einmal um das männliche Glied und klebt die beiden Enden zusammen. Bei altmodischen Briefmarken reicht einfaches Befeuchten, bei Briefmarken, die nicht selber kleben, muss man notfalls ein kleines Stück Klebeband zur Hilfe nehmen, rät Barry.

Im DW-Interview demonstrieren die drei Preisträger die Funktionsweise an zwei Fingern der Reporterin. Bruce Blank erklärt dazu: "Bei einer Erektion wird der Penis nicht nur länger, sondern auch dicker." Veranschaulicht durch Auseinanderziehen der beiden Finger. Die Konsequenz: Der Ring aus Briefmarken bricht auf, höchstwahrscheinlich an einer der perforierten Nähte. Am nächsten Morgen folgt die einfache Auswertung: Ist der Ring gebrochen oder nicht?

"Der durchschnittliche kaukasische Penis kommt mit vier Briefmarken aus", erläutert Barry nach seinem Vortrag auf Nachfrage aus dem Publikum. Und nein, die Motive auf den Briefmarken seien irrelevant, genauso wie die Frage, welche Person die Briefmarken am Penis befestigt hat.

Briefmarken sind besser als Angelschnüre

Ende der 1970er Jahre gab es nur einen Weg, den Penis eines Mannes auf sein Funktionieren zu testen: mit einem Quecksilber-Dehnungsmessstreifen. Der wurde nachts am Glied befestigt und maß, ob er sich ausdehnte oder nicht. Die Untersuchung kostete damals für drei Stunden Messung 500 US-Dollar. "Unser Test hingegen kostet für vier aufeinanderfolgende Nächte nur 12 Cent", sagt Barry - ein Cent pro Briefmarke. Bei höher bedruckten Postwertzeichen wird es natürlich etwas teurer.

Die Akzeptanz bei den Patienten? Die sei hervorragend, sagt Bruce Blank. "Sie wollen wissen, ob das Problem in ihrem Kopf oder in ihrem Penis liegt und welche Therapie ihnen helfen kann. Daher waren sie nicht zu sehr geschockt als wir diesen Test erstmals vorschlugen."

Bevor sie auf die Briefmarken kamen, experimentierten die US-Mediziner auch mit Klebeband und Angelschnüren - aber gerade Letzteres sei doch "sehr unangenehm gewesen".

Bleibt die Frage, warum sie den Ig-Nobelpreis erst jetzt bekommen, 38 Jahre nach Veröffentlichung der Erfindung. Barry erklärt es sich so: "Es hat sich inzwischen bewährt." Der Test sei in der Praxis angekommen, der Playboy habe darüber geschrieben und selbst in der Serie "Sex & the City" wurde der Test erwähnt. Wenn das nicht der Beweis für seine Tauglichkeit ist!

 

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