Null Toleranz - Bangladesch | DokFilm | DW | 17.04.2018
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DokFilm

Null Toleranz - Bangladesch

Das Thema Gewalt beherrscht die Schlagzeilen über Bangladesch. Extremisten morden Religionskritiker, Regierungsgegner verschwinden, Angehörige der Hindu-Minderheit werden angegriffen. Warum gelingt es immer weniger, Demokratie und Islam zu vereinen?

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Schon die Unabhängigkeit Bangladeschs war untrennbar mit einem Blutbad verbunden. Etwa drei Millionen Menschen sollen beim Kampf um die Abspaltung von Pakistan 1971 getötet worden sein. Pakistan ist bis heute eine Islamische Republik, Bangladesch hat den Säkularismus als Staatsprinzip in seiner Verfassung verankert. Die Auseinandersetzung zwischen islamistischen und säkularen Kräften spaltet das Land bis heute - und prägt das Bild im Ausland. Dabei lesen sich die Entwicklungsdaten für Bangladesch gut. Das jährliche Wirtschaftswachstum liegt seit einem Jahrzehnt bei über sechs Prozent. Das Land ist zum zweitgrößten Textilproduzenten der Welt nach China aufgestiegen. Die Regierung in Dhaka tut viel, um ausländisches Geld anzulocken. Die Fixierung auf internationale Investitionen erklärt zum Teil aber auch die Weigerung der politischen Elite, den Aufstieg des gewalttätigen Islamismus zur Kenntnis zu nehmen. Im Sommer 2016 erlebte Bangladesch seinen bisher schwersten Terroranschlag. Mitten im Diplomatenviertel der Hauptstadt Dhaka ermordete ein jugendliches Terror-Kommando in einem Szene-Café 20 Geiseln, darunter 18 Ausländer. Der selbsternannte Islamische Staat reklamierte die Tat für sich. Doch die Regierung leugnet die Präsenz von "IS" und Al Kaida-Zellen in Bangladesch. Die Politik des Landes ist geprägt von den persönlichen Animositäten der beiden mächtigsten Frauen: Sheikh Hasina von der Awami League und Khaleda Zia von der Bangladesh Nationalist Party (BNP). Erst im Februar verurteilte ein Sondergericht Khaleda Zia wegen Korruption zu fünf Jahren Haft. Vermutlich wird die wichtigste Oppositionspolitikerin nicht an der geplanten Wahl im Dezember teilnehmen können. Sheikh Hasina, die Tochter des Staatsgründers Sheikh Mujibur Rahman, regiert Bangladesch seit 2009. Sie sieht sich selber als Vermittlerin zwischen den säkularen und islamistischen Kräften. Doch die brutalen Gewaltakte wie die Morde an religionskritischen Bloggern und die Einschränkung der demokratischen Freiheit zeigen, dass ihr der Balanceakt immer weniger gelingt.