Nordkorea treibt sein Atomprogramm weiter voran | Aktuell Welt | DW | 09.02.2021
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Atomwaffen

Nordkorea treibt sein Atomprogramm weiter voran

Laut einem Bericht von UN-Experten lässt sich die Führung in Pjöngjang mitnichten durch Sanktionen stoppen. Und auch vor seltsam anmutenden Kooperationen schreckt Nordkorea nicht zurück.

Raketenpräsentation bei der Militärparade Mitte Januar in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang

Raketenpräsentation bei der Militärparade Mitte Januar in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang

Nordkorea treibt sein Atomprogramm trotz internationaler Sanktionen einem internen UN-Bericht zufolge weiter voran. Die Autokratie habe "ihre Nuklear- und ballistischen Raketenprogramme mit Verstoß gegen die Resolutionen des UN-Sicherheitsrates" weiter unterhalten und entwickelt, heißt es in einem Bericht eines Expertengremiums der Vereinten Nationen. Auch wenn 2020 weder Atom- noch ballistische Raketentests gemeldet worden seien, produziere Nordkorea weiter "spaltbares Material, unterhielt Kernanlagen und verbesserte seine Infrastruktur für ballistische Raketen".

Raketen-Kumpanei mit dem Gottesstaat

Derweil suche es im Ausland nach notwendigen Materialien und Know-how, hieß es weiter. So hätten Nordkorea und der Iran im vergangenen Jahr ihre geheime Kooperation bei der Entwicklung von Langstreckenraketen wieder aufgenommen. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit seien "wesentliche Bauteile" von Raketentechnologie geliefert worden. In dem Report der Experten wird auch eine Stellungnahme der iranischen Regierung zitiert, wonach Teheran eine Kooperation mit Pjöngjang beim Raketenprogramm abstreitet.

Hacker-Aktionen als Geldquelle

Finanziert werde das Atomprogramm offenbar unter anderem mit Hacker-Aktivitäten, die direkt vom nordkoreanischen Geheimdienst ausgeführt würden. Diese hätten zuletzt "virtuelle Vermögenswege und Verwalter von Vermögenswerten" sowie Verteidigungsunternehmen ins Visier genommen. Dadurch konnte Nordkorea laut dem UN-Bericht rund 300 Millionen Dollar einnehmen. Zudem habe das Land von Diktator Kim Jong Un die UN-Sanktionen systematisch umgangen, um verarbeitetes Erdöl und andere Produkte zu bekommen - etwa durch Umladen von Schiffen auf dem Meer.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un

Die UN-Experten betonen in dem Bericht außerdem, dass die Führung in Pjöngjang bei Militärparaden "neue ballistische Raketensysteme mit kurzer Reichweite, mittlerer Reichweite, U-Boot-Startmöglichkeiten und Interkontinentalraketen" zeige. Auch habe die Regierung die Erprobung und Produktion neuer Sprengköpfe für ballistische Raketen sowie die Entwicklung taktischer Atomwaffen angekündigt.

In dem UN-Bericht geht es um die Vielzahl von Sanktionen, welche die Weltorganisation in den vergangenen Jahren gegen Nordkorea wegen des Atom- und Raketenprogramms des Landes verhängt hat. Der Bericht wird jährlich erstellt.

Die USA bleiben der "Hauptfeind"

Das wegen seines Atomwaffenprogramms isolierte kommunistische Land entwickelt und testet seit vielen Jahren verschiedene Raketentypen jeglicher Reichweite, die vom Land oder vom Wasser aus gestartet werden können. U-Boot-Raketen sind dabei schwerer vom Gegner zu erfassen. Die jüngste Militärparade Nordkoreas und zuvor der achttägige Kongress der Kommunistischen Partei wurden kurz vor der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden abgehalten - zu einem Zeitpunkt, da die Verhandlungen der USA mit Nordkorea über sein Atomprogramm nicht mehr vorankamen.

Aufnahmen eines nordkoreanischen Raketentests im April 2020 im südkoreanischen Fernsehen

Aufnahmen eines nordkoreanischen Raketentests im April 2020 im südkoreanischen Fernsehen

Während des Kongresses hatte Kim die USA als "Hauptfeind" bezeichnet. Auch kündigte er an, sein Land werde die nukleare Abschreckung mit neuen Waffen einschließlich neuer Interkontinentalraketen stärken. Bidens Vorgänger Donald Trump hatte es trotz mehrerer Treffen mit Kim nicht geschafft, Einfluss auf dessen Atomprogramm zu nehmen.

sti/ehl (afp, dpa, rtr)

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