″No-Deal-Brexit so schlimm wie Finanzkrise″ | Aktuell Europa | DW | 13.09.2018
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Brexit

"No-Deal-Brexit so schlimm wie Finanzkrise"

Die Zeit wird knapp, die Geduld schwindet und es fehlt an Hoffnung: Der Brexit ist ein einziger Mangel. In der Wirtschaft greifen bereits die Notfallpläne. Und auch dem britischen Notenbankchef schwant nichts Gutes.

Großbritannien Mark Carney Gouverneur der Bank of England (picture-alliance/AP Photo/D. Martinez)

Mark Carney, Chef der Bank of England

Nicht zum ersten Mal warnt Zentralbankchef Mark Carney vor einem ungeordneten Brexit. Immer wieder ermahnt er die Politik, den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union möglichst reibungslos zu gestalten. Andernfalls komme auf Großbritanniens Wirtschaft ein Schock zu, warnte Carney zuletzt Anfang des Monats vor dem Parlamentsausschuss. Dies würde auch die Verbraucher treffen, die sich dann auf jahrelange Einkommensverluste einstellen müssten.

Nun legte Carney noch einmal nach: Bei einem Treffen mit Ministern der britischen Regierung habe er vor schwerwiegenden Folgen eines EU-Austritts ohne ein Abkommen gewarnt, berichtet "The Guardian". Die Auswirkungen eines "No-Deal-Brexit" könnten so katastrophal wie die Finanzkrise 2008 sein. Und die "Times" zitiert Carney mit der Aussage, die britischen Häuserpreise könnten in diesem Fall um bis zu 35 Prozent einbrechen. Die britische Notenbank (BOE) lehnt eine Stellungnahme zu beiden Berichten ab.

London Immobilien (picture-alliance/empics)

Häuser im Norden Londons: Bislang ging es mit den Preisen stets bergauf

Der Kanadier Carney steht seit Juli 2013 an der Spitze der Bank of England. Zunächst wollte er nur fünf seiner acht Amtsjahre absolvieren, entschied sich dann jedoch, noch ein Jahr bis Mitte 2019 dranzuhängen, um "einen geordneten und erfolgreichen" EU-Austritt zu unterstützen.

"Substanzielle negative Folgen"

Die Rating-Agentur Moody's  hält das jedoch für immer weniger wahrscheinlich. In einem neuen Bericht der Agentur wird ein eher chaotisches Bild gezeichnet. Ein ungeregelter Brexit hätte "substanzielle negative Folgen" für die britische Wirtschaft und die Wirtschaft in einigen EU-Ländern, heißt es darin. Am schlimmsten betroffen wären Autobauer, Fluggesellschaften und die Chemiebranche.

Zunächst würde es zu einem erneuten heftigen Wertverfall des britischen Pfund kommen, schreiben die Moody's-Experten. Verbraucherpreise würden in die Höhe schießen, Reallöhne sinken und die Arbeitslosigkeit steigen. Die Kauflust der Verbraucher würde abflachen, heißt es: "Es gibt eine echte Gefahr, dass Großbritannien sehr schnell in eine Rezession fällt."

Polen Frau telefoniert am Strand (picture-alliance/dpa/D. Naupold)

Ob die Briten alle Aspekte ihres EU-Austritts bedacht haben?

Keine Fahrerlaubnis, dafür aber Roaminggebühren

Folgerichtig beschleunigt die britische Regierung ihre Vorbereitungen für einen Brexit ohne Abkommen. Darauf einigte sich das Kabinett in einer dreieinhalbstündigen Sondersitzung bei Premierministerin Theresa May. Zugleich veröffentlichte die Regierung Hinweise für den Fall eines No-Deal-Szenarios.

Reisen in Europa könnten für britische Staatsbürger demnach beschwerlicher werden. Reisepässe würden benötigt, die mindestens noch ein halbes Jahr gültig sind. Ohne internationale Führerscheine dürften Briten auf dem Kontinent kein Fahrzeug steuern. Und wer mit dem Handy telefoniert, muss wieder mit erheblichen Roaminggebühren rechnen. Jenseits des Kanals - und an der Grenze zu Irland.

rb/kle (dpa, rtr)

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Rotterdam bereitet sich auf den Brexit vor

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