Niki geht offenbar an IAG | Wirtschaft | DW | 28.12.2017
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Bieterstreit

Niki geht offenbar an IAG

Nach übereinstimmenden Medienberichten ist die Luftfahrt-Holding IAG der letzte Bieter im Rennen um die insolvente Air Berlin-Tochter Niki. Ein Kaufvertrag soll bereits in den nächsten Tagen ausgehandelt werden.

Die insolvente Air-Berlin-Tochter Niki soll einem Insider zufolge an die britisch-spanische Luftfahrt-Holding IAG verkauft werden. Der Konzern, zu dem neben British Airways und Iberia auch der spanische Billigflieger Vueling gehört, sei der letzte verbliebene Bieter, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

Mit einem zweistelligen Millionenbetrag habe IAG die höchste Offerte abgegeben. IAG lehnte eine Stellungnahme ab. Der Gläubigerausschuss hatte zuvor entschieden, die Verkaufsverhandlungen vorerst exklusiv mit einem Bieter fortzusetzen, wie ein Sprecher des Niki-Insolvenzverwalters Lukas Flöther am Donnerstag erklärte. Den Namen nannte er nicht. Der vorläufige Gläubigerausschuss habe Flöther beauftragt, den Kaufvertrag in den nächsten Tagen "endzuverhandeln".

Niki-Gründer Niki Lauda gab sich geschlagen. "Ich bin nicht mehr im Rennen", sagte der Ex-Rennfahrer der österreichischen Tageszeitung "Die Presse". Neben IAG und Lauda hatten nach Aussage von Insidern und Medienberichten auch der Reisekonzern Thomas Cook mit seiner Tochter Condor sowie der Reisekonzern TUI ihren Hut in den Ring geworfen. Thomas Cook habe den Zuschlag nicht erhalten, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Die Thomas-Cook-Tochter Condor lehnte eine Stellungnahme ab.

Video ansehen 01:17
Jetzt live
01:17 Min.

Air Berlin-Tochter Niki insolvent

1000 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

Die Zeit drängt: Der neue Eigentümer muss schon ab Januar die Gehälter der rund 1000 Niki-Mitarbeiter zahlen und den Flugbetrieb finanzieren. Die Lufthansa, die Niki ursprünglich für rund 200 Millionen Euro kaufen wollte, hatte Insidern zufolge dem Ferienflieger zur Überbrückung bis zu 70 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Lufthansa zog das Angebot aber wegen des Widerstands der EU-Wettbewerbshüter Mitte Dezember zurück. Daraufhin musste Niki Insolvenz anmelden.

Lufthansa will das bei der Niki gesparte Geld für organisches Wachstum einsetzen. "Das geht dann halt etwas langsamer, als wenn wir eine komplette Gesellschaft übernehmen könnten", wird ein Lufthansa-Insider von der Nachrichtenagentur dpa zitiert. Passende Flugzeuge kann sich der größte Luftverkehrskonzern Europas jederzeit auf dem freien Markt zusammenleasen. Der Flaschenhals ist eher die Rekrutierung zusätzlicher Crews: Eurowings sucht derzeit rund 2000 Piloten und Flugbegleiter.

Air Berlin war aber 2017 nicht das einzige Unternehmen in starken Turbulenzen. Die britische Monarch musste von einem Tag auf den anderen aufgeben, weil ihr im Gegensatz zur Air Berlin nicht der Staat beiseite gesprungen ist. Die Slots von Monarch gingen an die IAG und den aufstrebenden Billigflieger Wizz aus Ungarn. Der einst so stolzen italienischen Staatslinie Alitalia droht 2018 trotz massiver Staatshilfe eine ähnliche Zerschlagung wie der Air Berlin. Auch in Rom hat die Scheich-Airline Etihad die finanzielle Unterstützung eingestellt, es sprang aber wie schon so oft der Staat ein.

tko/fab (rtr, dpa)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema