Nigeria: Korruption vergrault Konzerne | Afrika | DW | 11.09.2015
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Afrika

Nigeria: Korruption vergrault Konzerne

Das niederländische Unternehmen Brunel will keine Geschäfte mehr in Nigeria machen. Das Land sei zu korrupt. Und dabei hat sich Präsident Buhari vorgenommen, endlich Schluss zu machen mit Schmiergeldern und Betrug.

In diesen Worten steckt viel Wut. "Wenn es unmöglich ist, Geschäfte zu machen ohne die Regeln zu brechen und unsere Mitarbeiter in Gefahr zu bringen, dann reicht es mir", sagte Brunel-Chef Jan Arie van Barneveld dem niederländischen Finanzblatt Financieele Dagblad (FD) Ende August. Der Personaldienstleister Brunel hat seinen Hauptsitz in Amsterdam und ist in mehr als 40 Ländern weltweit vertreten. Im westafrikanischen Nigeria hat der Konzern vor allem im Öl- und Gasgeschäft in den vergangenen Jahren Umsätze von mehr als 100 Millionen Euro gemacht. "Wir hatten das Gefühl, dass permanent betrogen und bestochen wird", sagte van Barneveld weiter in dem Zeitungsinterview.

Screenshot Brunel (Foto: Brunel GmbH)

Brunel ist hauptsächlich in Nigerias Energiesektor tätig

Jetzt zieht der Konzern die Konsequenzen und beendet seine Geschäfte in Afrikas bevölkerungsreichstem Land. Für Nigerias Wirtschaft könnte das einen weiteren Dämpfer bedeuten. Dem Staat gehen wegen des fallenden Ölpreises ohnehin schon Einnahmen in Milliardenhöhe verloren. Der Rückzug von Brunel könnte weiter am Image Nigerias als Wachstumsriese und Investitionsstandort kratzen.

Kola Banwo fürchtet, dass auch andere ausländische Firmen bald den Rückzug antreten. Er arbeitet bei Cislac, einer Anti-Korruptions-Organisation in Nigerias Hauptstadt Abuja. "Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass Korruption unserer Wirtschaft schadet und dass das auch Auswirkungen auf die Arbeit multinationaler Firmen hat", sagt Banwo. Gerade jetzt habe das Land Investitionen dringend nötig, "aber niemand möchte Schmiergelder zahlen, damit Verträge entstehen".

Neuer Kampf gegen Korruption

Muhammadu Buhari, Präsident Nigeria (Foto: dpa)

Will mehr Investoren ins Land locken: Nigerias Präsident Buhari

Vor knapp einer Woche feierte Präsident Muhammadu Buhari die ersten 100 Tage seiner Amtszeit. In denen widmete er sich hauptsächlich dem Kampf gegen die Korruption. Im Juli entließ er alle Militär-und Sicherheitschefs, einen Monat später musste die Führung der nationalen Öl-Firma Nigerian National Petroleum Corporation (NNPC) abtreten. Erst vergangene Woche legte der Präsident sein komplettes Privatvermögen offen.

"Korruption gibt es überall in der Weltwirtschaft, egal wo man hinschaut. Aber in Entwicklungsländern und besonders in Nigeria ist sie besonders ausgeprägt", sagt der nigerianische Wirtschaftsexperte Yusha'u Aliyu. Im Korruptionsindex, den Transparency International jedes Jahr erstellt, liegt Nigeria auf Rang 136 von insgesamt 175 Ländern. Das solll sich ändern, betont Buhari immer wieder - und will damit das Vetrauen der ausländischen Investoren zurückgewinnen.

Vorwürfe an ausländische Konzerne

Warum also geht Brunel gerade jetzt? Wirtschaftsanalyst Yusha'u Aliyu hat eine klare Antwort: "Dass internationale Firmen afrikanischen Boden verlassen und insbesondere Nigeria, hat mit den korrupten Machenschaften der Firmen selbst zu tun", so Aliyu.

Armee Nigeria (Foto: AFP)

Buhari will Schluss machen mit Korruption - auch beim Militär

Sie hätten bislang von der Bestechlichkeit von vielen Polikern und Beamten in Nigeria profitiert. "Es ist bekannt, dass Nigerias Präsident alle Schlupflöcher bis auf das letzte durchsucht". Wer also Geschäfte machen wolle ohne Bestechung, der müsse eigentlich bleiben, so Aliyu.

Der politische Analyst Bashir Baba sieht das ähnlich. Die Begründung der niederländischen Firma sei nur ein "Ablenkungsmanöver", sagt er. "Korruption ist ein Krebsgeschwür in diesem Land. Das weiß jeder. Jetzt geht eine Regierung ernsthaft gegen das Problem vor und plötzlich gehen sie."

Noch ist nicht klar, ob nach Brunel weitere Unternehmen Nigeria den Rücken kehren. Für viele Konzerne ist und bleibt die Korruption in dem ölreichen Land eines der größten Investitionshemnisse.

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