Neustart für Uganda und Sudan? | Afrika | DW | 16.09.2015
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Afrika

Neustart für Uganda und Sudan?

Jahrelang waren die Beziehungen zwischen Sudan und Uganda frostig. Jetzt haben sich die Präsidenten beider Länder erstmals wieder getroffen. Der Bürgerkrieg im gemeinsamen Nachbarland Südsudan bringt sie näher zusammen.

Wann die Staatsoberhäupter von Sudan und Uganda das letzte Mal zusammen saßen? Da muss Ali Alsadig, Sprecher des sudanesischen Außenministeriums, erst einmal überlegen: "Wenn ich mich richtig erinnere, war das 2003, als Ugandas Präsident Museveni zum Afrika-Gipfel nach Khartum kam. Das letzte Treffen ist jetzt fast 12 Jahre her - nicht normal für Nachbarn."

Am Dienstag und Mittwoch hat Sudans Präsident Omar Al-Bashir (Artikelbild, rechts) seinen Amtskollegen Yoweri Museveni (Artikelbild, links) in der Hauptstadt Khartum empfangen.

Direkte Nachbarstaaten waren Uganda und Sudan bis 2011. Seit der Unabhängigkeit des Südsudan liegt ein Staat zwischen den beiden Ländern. Dessen Geschichte und Entstehung hat mit zu den Spannungen zwischen den einstigen Nachbarn beigetragen. Uganda unterstützte die sudanesische Rebellenbewegung SPLA, die für die Unabhängigkeit Südsudans vom Norden des Landes kämpfte und nun die Regierung im Südsudan stellt. Die Regierung im Sudan hatte sich lange gegen die Unabhängigkeit des südlichen Landesteiles gewehrt.

Gegenseitige Vorwürfe

Kämpfer der Lord's Resistance Army im Sudan (Foto: AFP)

Kämpfer der Lord's Resistance Army

Ugandas Präsident Yoweri Museveni sei ein persönlicher Freund von John Garang gewesen, der die SPLA bis zu seinem Tod 2005 anführte, sagt Magnus Taylor. Der Analyst beschäftigt sich bei der International Crisis Group mit dem Sudan und Uganda. In der engen Verbindung Ugandas zum Südsudan sieht er weitere Gründe für die schwierigen Beziehungen zwischen Uganda und dem Sudan: "Uganda und der Südsudan oder zumindest die SPLA standen sich kulturell nahe, da sie eine lange gemeinsame Grenze teilen." Zudem fühle sich die ugandische Regierungspartei der SPLA nahe, da beide als Befreiungsbewegungen ihren Weg an die Macht erkämpften. Auch nach der Unabhängigkeit Südsudans wirft Sudan dem früheren Nachbarn weiter vor, Rebellen gegen Sudans Regierung zu unterstützen. 2013 reichte das Land deswegen eine Beschwerde bei der Afrikanischen Union ein.Auf der anderen Seite stehen ähnliche Vorwürfe: Die Regierung im Sudan helfe Joseph Kony, dem gesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher und Anführer der Lord's Resistance Army. Kony stammt aus Uganda und ist seit Jahren auf der Flucht.

Gemeinsame Interessen

Die Vorwürfe und Konflikte zwischen den beiden Staaten stehen zwar auf beiden Seiten noch immer im Raum, doch sie seien nicht mehr so stark wie noch vor ein paar Jahren, sagt Analyst Magnus Taylor von der International Crisis Group. Deswegen sei er von dem Treffen der beiden Staatsoberhäupter nicht überrascht: "Beide sind Pragmatiker und beide haben strategische Interessen in Südsudan. Daher ist es logisch, dass sie versuchen, ihre Beziehung zueinander zu verbessern."

Öl Raffinerie in Juba, Sudan (Foto: AFP)

Öl-Raffinerie im südsudanesischen Juba

Denn der Südsudan steckt tief in einem Bürgerkrieg. Magnus Taylor sagt, dass der Sudan durchaus ein Interesse daran habe, den Südsudan schwach zu halten. Einen totalen Kollaps des Südsudan wolle er aber nicht. Denn sowohl der Sudan als auch Uganda würden von einem Ende des Bürgerkrieges und einem stabilen Südsudan profitieren, so Magnus Taylor: "Der Sudan könnte an den Transitzahlungen für Öltransporten aus dem Südsudan gut verdienen. Und auch Uganda verfolgt starke wirtschaftliche Interessen im Südsudan." Der Südsudan bezieht fast alle Import-Produkte aus Uganda. In den aktuellen Konflikt zwischen Regierungs- und Rebellentruppen im Südsudan hat Uganda militärisch eingegriffen: Mit Bodentruppen unterstützen sie die Truppen der südsudanesischen Regierung.

Werden aus Feinden nun Freunde?

Der Krieg im Südsudan stand daher auch ganz oben auf der Tagesordnung beim Treffen der beiden Staatschefs. Allerdings sei dieses Thema hinter verschlossenen Türen besprochen worden, sagt Ali Alsadig, Sprecher des sudanesischen Außenministeriums. Doch für ihn ist klar: "Sie haben sicher sehr offen und direkt darüber gesprochen, wie die Lage im Südsudan ist, was beide Länder dort tun können, und was sie zusammen tun können." Die Stimmung während des zweitägigen Treffens beschreibt er als optimistisch und gelöst: "Es entstand der Eindruck, hier sprechen Freunde miteinander." Ob die ugandische Seite das ebenso empfunden hat, ist offen. Die Anfrage der DW blieb unbeantwortet.

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