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Philae überrascht die Forscher

31. Juli 2015

Über ein halbes Jahr ist es nun her, dass Philae auf dem Kometen Tschuri angekommen ist. Nun gibt es endlich die ersten Ergebnisse der unsanften Landung - die sich nun auch erklären lässt.

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Landeroboter Philae (Foto: picture alliance).
Bild: picture-alliance/dpa/ESA/AOES Medialab

Es war wohl der Höhepunkt der Rosetta-Mission, als am 12. November der Philae-Lander direkt auf dem Kometen "67P/Tschurjumow-Gerassimenko, kurz: Tschuri, aufsetzte. Zehn Jahre hatte die Reise zu dem Schweifstern gedauert. Nach einer etwas holprigen Ankunft konnte das Minilabor doch nur wenige Tage arbeiten, bis ihm die Batterien ausgingen. Dennoch übermittelte Philae genug Daten, um die Forscher zum Staunen zu bringen - die ersten Ergebnisse liegen nun nämlich vor. Diese präsentieren die Wissenschaftler vom Deutschen Institut für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in einer Sonderausgabe der Fachzeitschrift "Science".

Demnach seien deutliche Unterschiede in der Beschaffenheit von dem Komenten Tschuri erkennbar. Während Philaes erster Landeplatz, "Agilkia" genannt, sehr weich war - weswegen der Lander wahrscheinlich auch sofort wieder abprallte - und aus Schutt, Kies und Felsen bestand, war das zweite Aufsetzen deutlich härter. "Abydos" nannten die Forscher diese Stelle. Dort sei der Untergrund so massiv, dass der Hammer eines der Philae-Instrumente die Oberfläche nicht durchbrechen konnte. "Wir sind auf eine deutlich härtere Oberfläche gestoßen, als wir uns vorgestellt haben", sagte der DLR-Planetenforscher Tilman Spohn.

Die großen Überraschungen

Bei der weiteren Analyse stieß das Minilabor auf poröses, aber dennoch festes, Eis. "Ähnlich wie Firn auf der Erde - also wie alter, fester Schnee, der verdampft und wieder gefroren wurde", erklärt Spohn die Ergebnisse. Den harten Boden von Abydos könnte man vielleicht sogar als die größte Überraschung bezeichnen. "Wir hätten es wohl nie gewagt, eine Landung in einem so rauen Gelände […] zu versuchen", sagt Stephan Ulmec, Philae-Projektleiter.

Was so auch nicht erwartet wurde, ist die Vielzahl organischer Moleküle, die im Oberflächenstaub von Tschuri entdeckt wurden. 16 Verbindungen konnten die Forscher nachweisen. Darunter vier, die bisher noch nicht in Kometen gefunden wurden: Methylisocyanat, Aceton, Propanal und Acetamid.

"Ein wahrer Baukasten organischer Verbindungen"

Den Großteil der Moleküle mache Stickstoff aus. Es sei ein "wahrer Baukasten organischer Verbindungen, von denen viele als Ausgangspunkt für wichtige biochemische Reaktionen dienen können", so der MPS-Forscher Fred Goesmann in einer Mitteilung seines Instituts.

In weiteren chemischen Reaktionen könnten sie sich etwa zu Bausteinen des Lebens - wie Zuckern oder Aminosäuren - entwickeln, die nach Meinung vieler Forscher zur Entstehung des Lebens auf der Erde beigetragen haben.

Für die Zukunft

Weniger überraschend sind dagegen die Temperaturen auf Tschuri. Sie lagen wie erwartet zwischen minus 180 und minus 140 Grad Celsius. Außerdem besitzt der Komet kein eigenes messbares Magnetfeld - das ist für die Forscher eine wichtige Erkenntnis für die Entstehungsmodelle.

Philae Aufnahme vom Komet Tschuri (Foto: picture alliance).
Planet Tschuri: Überraschend hart, viele organische MoleküleBild: picture alliance/ESA/Rosetta/Philae/ROLIS/DLR

Die Rosetta-Mission, Philaes Landung, und die Messungen der Instrumente sollen auch bei der Planung weiterer Missionen helfen. Die NASA hat zum Beispiel schon Interesse bekundet, die Erkenntnisse der ersten Kometenlandung zu nutzen, so das DLR. "Wir haben auf jeden Fall eines mit dieser ersten Kometenlandung gelernt", sagt Ulamec. "Das Abprallen ist ein größeres Problem als das mögliche Versinken im Boden."

hf/fs (dpa/afpd)