Neuer Schlag gegen Bitcoin | Wirtschaft | DW | 21.06.2021
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Kryptowährungen

Neuer Schlag gegen Bitcoin

Der Kurs des Bitcoin ist erneut gefallen und hat auch andere Kryptowährungen belastet. Als Hauptgrund gilt das härtere Vorgehen Chinas gegen Bitcoin-Miner, die der Kryptowährung Rechenleistung zur Verfügung stellen.

China | Bitcoin Farm

Serverfarm für Bitcoin-Mining in der chinesischen Provinz Sichuan, Aufnahme von 2017

Der Bitcoin fiel am Montag um gut neun Prozent auf ein Zwei-Wochen-Tief von 32.270 US-Dollar. Vor einer Woche hatte der Bitcoin noch mehr als 40.000 Dollar gekostet.

Die Kurse anderer Kryptowährungen wie Ethereum oder Ripple gaben ebenfalls nach und verloren bis zu elf Prozent.

Am Wochenende hatten die Behörden der chinesischen Provinz Sichuan die Schließung von 26 Serverfarmen von Bitcoin-Schürfern angeordnet. In den vergangenen Monaten waren auch in anderen Provinzen Serverfarmen geschlossen worden.

"Die chinesische Regierung zieht dem heimischen Mining-Geschäft offensichtlich nun den Stecker", sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. "Viele Unternehmen könnten ins Ausland abwandern."

Beim "Schürfen" oder "Mining" von Bitcoin stellen Nutzer dem Netzwerk der Kryptowährung Rechnerkapazitäten zur Verfügung, die für die Verschlüsselung und Validierung von weltweiten Transaktionen benötigt werden. Als Belohnung erhalten sie dafür neue (frisch "geschürfte") Bitcoin.

Infografik Bitcoin-Hashrate weltweit - DE

Der Energiebedarf der Mining-Serverfarmen ist immens und zieht zunehmend auch Kritik von Umweltschützern auf sich. Voraussetzung für ein lohnendes Mining-Geschäft sind niedrige Strompreise. Zuletzt wurden rund zwei Drittel aller neuen Bitcoins in China geschürft.

Der Führung in Peking, die an einer digitalen Variante der Landeswährung Yuan arbeitet, sind Kryptowährungen wie Bitcoin & Co schon seit längerem ein Dorn im Auge.

China hatte bereits 2017 Zahlungen im Land mit digitalen Währungen für illegal erklärt und diesen Schritt mit Sorgen um das Finanzsystem und die soziale Stabilität begründet. Erst im Mai warnten chinesische Bankenverbände vor Spekulationen mit Kryptowährungen und schickten den Kurs des Bitcoin damit auf Talfahrt.

Sichuan, wo viel Strom mit Hilfe von Wasserkraft erzeugt wird, gilt als einer der wichtigsten Standorte für das Mining von Kryptowährungen in China. In der in sozialen Medien zitierten Anordnung der Behörden werden die Energieversorger aufgefordert, die Serverfarmen nicht mehr mit Strom zu beliefern. Die Frist lief am Sonntag ab.

Ein ehemaliger Bitcoin-Schürfer sagte der Nachrichtenagentur AFP, es habe Kontrollen vor Ort gegeben. "Sie haben sich vergewissert, dass wir alles dichtgemacht und die Computer weggebracht haben."

Stromfresser Bitcoin

Sichuan ist nach der Provinz Xinjiang im Nordwesten Chinas der wichtigste Standwort für das Mining von Kryptowährungen in China. Das geht aus dem Bitcoin-Stromverbrauchsindex der Universität Cambridge hervor.

In den Provinzen Innere Mongolei und Qinghai waren Kryptowährungs-"Minen" in den vergangenen Monaten schon geschlossen worden; die Bürger wurden aufgerufen, illegale "Minen" zu melden.

Neben den Verboten in China trug auch eine charttechnische Entwicklung zum jüngsten Kursverlust von Bitcoin bei, sagten Händler. Weil der Durchschnittskurs der Währung in den vergangenen 50 Tagen niedriger lag als im 200-Tages-Schnitt, sei das für viele Investoren ein Verkaufssignal. Diese Entwicklung heißt im Börsenjargon "Todeskreuz" und gilt als Startschuss für weitere Verkäufe. Sie war zuletzt im März 2020 zu beobachten.

Der Bitcoin pendelt seit Mitte Mai unter teils starken Ausschlägen zwischen 30.000 und 40.000 Dollar, nachdem er im April bis auf fast 65.000 Dollar gestiegen war. Trotz der jüngsten Korrektur liegt er noch deutlich über dem Niveau von Mitte 2020, als der Kurs bei rund 10.000 Dollar lag.

Im Juni hatte das lateinamerikanische Land El Salvador bekanntgegeben, dass es Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel anerkennen wird.

bea/hb (reuters, afp, dpa)

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