Neuer Berlinale-Direktor gefunden? | Kultur | DW | 19.06.2018
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Filmfestival

Neuer Berlinale-Direktor gefunden?

Seit Monaten wurden Gespräche über die Nachfolge von Dieter Kosslick bei der Berlinale geführt. Nun steht der Name wohl fest.

Der künstlerische Leiter des Filmfests von Locarno, Carlo Chatrian, soll neuer künstlerischer Direktor der Berlinale werden. Das berichten die Zeitungen "B.Z." und "Bild" unter Hinweis auf Kreise des zuständigen Aufsichtsrats.  Der Sprecher von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) wollte den Bericht am Dienstagabend nicht kommentieren. Die Berufung werde am Freitag vom Aufsichtsrat bekanntgeben, sagte er auf Anfrage.

Wer ist Carlo Chatrian?

Wenn die Berufsbezeichnung "Cineast" auf einen Mann passt, dann auf Carlo Chatrian. Der gebürtige Italiener ist seit 2012 künstlerischer Leiter des Filmfestivals in Locarno. Ob als Journalist oder Programmverantwortlicher für Retrospektiven: Chatrians Karriere hat viele Facetten. Er wurde im norditalienischen Turin geboren und studierte dort Literatur und Philosophie. Seit den 90er Jahren arbeitete er als Filmkritiker. Er hat Bücher und Essays über Kinogrößen wie Errol Morris und Wong Kar-Wai geschrieben und war Lehrbeauftragter.

Symbolbild Berlinale 2018

Die Berlinale ist eines der wichtigsten Filmfestspiele weltweit

Noch im Juli 2017 zitierte ihn die "Zeit" in einem Porträt mit den Worten: "Die Berlinale ist ein großartiges Festival mit viel Potenzial, aber ich glaube nicht, dass ich dafür geeignet bin, zumal ich ja kein Deutsch spreche." Den Alltag eines Festivalchefs kennt Chatrian gut, wie aus dem Artikel hervorgeht: Bis zu zwölf Festivals besucht er für Locarno im Jahr, er sichtet Hunderte Filme. Der dreifache Familienvater spricht demnach ein Englisch mit kräftigem italienischen Akzent. Und er soll noch immer in seiner Heimat, einem Bergdorf im Aostatal, wohnen.

Die Zukunft der Berlinale

Wie sein Kurs an der Berlinale-Spitze werden könnte, zeigt auch ein Interview, das er als Locarno-Verantwortlicher der "Neuen Zürcher Zeitung" gab: "Für mich stehen immer noch die Filme im Mittelpunkt, aber ich denke, heutzutage können Festivals nicht einfach nur Filme projizieren. Man muss etwas drum herum bieten."

Dieter Kosslick auf einer Pressekonferenz zur 68. Berlinale

Dieter Kosslick ist seit 2001 Chef der Internationalen Filmfestspiele in Berlin

Um die Nachfolge für Kosslick hatte es eine heftige Debatte gegeben. Prominente Regisseure hatten in einem offenen Brief einen inhaltlichen Neustart für die Berlinale gefordert. Sie müsse weiter mit den großen Konkurrenten Cannes und Venedig mithalten können.

Verantwortlich für die Neubesetzung ist die KBB, die Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH. Sie kommt am Freitag zu ihrer Aufsichtsratssitzung zusammen. Dort wird die Findungskommission unter Leitung von Grütters ihren Vorschlag für die künftige Führung offiziell unterbreiten.

rbr/pg (dpa, Bild, B.Z.)