Neue Perspektiven für Baumwollbauern in Sambia | Globale Zusammenarbeit | DW | 18.01.2014
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Globale Zusammenarbeit

Neue Perspektiven für Baumwollbauern in Sambia

Baumwollbauern im westlichen und südlichen Afrika waren bislang vom Ruin bedroht. Ein internationales Projekt unterstützt jetzt allein in Sambia mehr als 240.000 Baumwollbauern - mit Erfolg.

In Musena, einem Dorf im Westen Sambias, isst die Familie des Baumwollbauern Forbes Gwirize zu Abend. Es gibt Truthahn, Gemüse und Obst. Den Gwirizes geht es offensichtlich gut. Und der Bauer selbst zeigt dem Besucher stolz sein neues Gerät: Es schneidet, anders als ein Pflug, nur Furchen in den Boden und gilt als Symbol der konservierenden Landwirtschaft - einer Ackerbautechnik, die die sensiblen Böden Sambias schont.

"Vor einigen Jahren, als ich anfing, mit der amerikanischen Baumwollfirma Dunavant zusammenzuarbeiten, habe ich noch 500 Kilo Baumwolle pro Hektar geerntet", erzählt Forbes Gwirize. "Heute sind es mehr als zwei Tonnen." Der Bauer erinnert sich gerne daran, wie ihn die Firma vor einigen Jahren zu einem dreitägigen Kurs in die Stadt Kabwe einlud. "Der Lehrer dort, Mike Burgess, zeigte uns, wie wir mit dem 'magoye ripper' umgehen müssen. Er brachte uns bei, Herbizide zu spritzen, ohne uns selbst zu vergiften", erzählt Gwirize. "Auch wie ich am schnellsten Baumwolle pflanze und ernte, habe ich in Kabwe gelernt."

Baumwolle zu fairen Preisen

Baumwollballen in Sambia (Foto: T. Kruchem)

Die Ballen liegen bereit für den Abtransport zur Entkernungsanlage

Baumwolle zählt, wie Kakao und Kaffee, zu den wichtigsten Exportgütern Afrikas. Sie wird im Westen und Süden des Kontinents angebaut - nicht auf großen Plantagen, sondern von Kleinbauern. Diese meist armen Bauern leiden besonders unter den starken Preisschwankungen auf dem internationalen Baumwollmarkt. Am Anfang des 21. Jahrhunderts standen viele von ihnen kurz davor, den Baumwollanbau aufzugeben.

Große Baumwollkonzerne wie die US-Firmen Dunavant und Cargill begannen deshalb, mit Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit zu kooperieren. Mit Partnern wie der Bill and Melinda Gates-Stiftung und der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) gründeten sie die Initiative für wettbewerbsfähige afrikanische Baumwolle, kurz COMPACI.

Inzwischen fördern COMPACI-Experten allein in Sambia mehr als 240.000 Kleinbauern und schulen sie im Bereich der konservierenden Landwirtschaft, Lagerhaltung und Unternehmensführung. Außerdem stellen sie ihnen gutes Saatgut, Kalk, Herbizide und Werkzeug zur Verfügung, verkaufen ihnen moderne Geräte auf Kredit und kaufen die Baumwolle der Bauern zu fairen Preisen.

Leistungsbereite Bauern fördern

Ein Baumwollfeld in Sambia (Foto: T. Kruchem)

Mehr als zwei Tonnen Baumwolle wachsen auf den Feldern von Bauer Gwirize

Eine besonders wichtige Rolle spielen bei COMPACI die Bauersfrauen, berichtet Nigel Seabrook, der Chef von Dunavant in Sambia. "Frauen verrichten hier einen Großteil der landwirtschaftlichen Arbeit. Deshalb bilden wir auch sie aus. Und wir unterstützen mehr als einhundert Gruppen von Frauen, die gemeinsam Baumwolle anbauen.“

Mit der Professionalisierung des Baumwollanbaus in Sambia zeichneten sich auch die Unterschiede ab zwischen erfolgreichen Bauern und jenen, die es trotz aller Hilfe nicht schaffen, so Seabrook. Darauf müsse die Firma reagieren - indem sie zum Beispiel nur jenen Bauern Dünger verkaufe, die damit so gute Erträge erzielten, dass sich der Düngereinsatz auch lohne. "Denn viele Bauern bringen, obwohl sie geschult sind, den Dünger nicht gut dosiert an", sagt Seabrook. "Manche streuen sogar sinnloserweise Baumwolldünger auf ihr Maisfeld, so dass oft die Kosten für den Dünger den Nutzen übersteigen."

Auch im Dorf Musena nutzt nur ein Teil der Baumwollbauern die Zusammenarbeit mit COMPACI. Etliche Bauern wirtschaften weiterhin wie in früheren Jahrhunderten.

Schwankungen des Baumwollpreises bewältigen

Die Kinder des sambischen Baumwollbauers Gwirize (Foto: T. Kruchem)

Für seine Familie pflanzt Gwirize auch Gemüse und Obst an

Dies kann insbesondere dann problematisch sein, wenn der Preis für Baumwolle auf dem Weltmarkt sinkt. Als der Preis von 2011 auf 2012 einmal mehr stark fiel, gerieten weniger produktive Bauern in Schwierigkeiten. Dennoch wollten sich die meisten Bauern nicht an einem sogenannten Stabilisierungsfonds beteiligen, sagt Nigel Seabrook. Dieser würde ihnen Jahr für Jahr den gleichen Preis für ihre Baumwolle sichern. Im westafrikanischen Kamerun funktioniere das gut, berichtet er.

Bauer Forbes Gwirize verdiente dank seiner hohen Produktivität auch im besonders schwierigen Jahr 2012 noch an seiner Baumwolle. Außerdem bebaut er einen Teil seines Landes auch mit Mais oder Soja, die er gleichfalls an Dunavant verkauft. Seine Kinder besuchen seit einiger Zeit gute Schulen, erzählt Gwirize stolz. Eigentlich könnte er jetzt ein ruhiges Leben führen. "Aber ich will mich weiterentwickeln und noch mehr Land bearbeiten - mit künstlicher Bewässerung." Vor kurzem habe er ein Bohrloch angelegt und eine Bewässerungsanlage gekauft.

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