Neue Klänge beim Montreux Jazz Festival | Musik | DW | 14.07.2015
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Musik

Neue Klänge beim Montreux Jazz Festival

2013 hat Mathieu Jaton die Festivalleitung des Montreux Jazz Festivals übernommen. Im DW-Interview erklärt er, wie er in die Fußstapfen des legendären Claude Nobs, der die Veranstaltung über 40 Jahre lang prägte, tritt.

Festival-Dauergast Quincy Jones 2013 in Montreux beim Jazz festival (Foto: EPA/JEAN-CHRISTOPHE BOTT)

Festival-Dauergast Quincy Jones 2013 in Montreux

DW: Herr Jaton, jedes Jahr kommen 200.000 Menschen ins kleine Montreux in der Schweiz. Und viele Gäste sprechen von dieser speziellen Magie, die das Jazz Festival umgibt. Was denken Sie, woher kommt diese Begeisterung?

Mathieu Jaton: Das verdanken wir zum großen Teil dem Gründer des Festivals, Claude Nobs. Er wollte den Musikern immer den größtmöglichen Raum für Kreativität geben. Und so ist es bis heute. Wenn Stars hier auf die Bühne gehen, wissen sie, dass sie mehr oder weniger tun und lassen können, was sie wollen. Hier hat es deswegen schon sehr viele ganz spezielle Konzerte und Jam Sessions gegeben, weil die Musiker sich einfach wohl gefühlt haben. Quincy Jones zum Beispiel kommt jedes Jahr her. In diesem Jahr verbringt er gleich 14 Tage in Montreux. Er ist fast ein bisschen der Botschafter des Festivals. Jedes Mal, wenn er kommt, sagt er: 'Ich bin zurück zuhause'. Das für uns das größte Kompliment.

Das Festival gibt es bereits seit 1967 – was hat sich in all den Jahren geändert?

Mathieu Jaton (Foto: EPA/ANTHONY ANEX)

Mathieu Jaton leitet seit 2013 das Montreux Jazz Festival

Sehr viel. Wenn man ein Festival wie dieses leitet, dann muss man sich immer wieder neu erfinden. Ein Festival darf nicht statisch sein, die Musik ist es schließlich auch nicht. Also überlegen wir jedes Jahr, was wir als nächstes machen können. In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Musikindustrie komplett verändert, auch durch die Digitalisierung der Musik und die sozialen Netzwerke. Musiker aller möglicher Stilrichtungen präsentieren sich heute im Internet, wo wir sie aufspüren. Dadurch können wir ein immer neues, immer sehr spezielles Programm schaffen – das ist Teil unseres Konzepts, wir lieben das!

Der Name "Jazz Festival" führt ja ein wenig in die Irre, denn die Veranstaltung konzentriert sich schon lange nicht mehr nur auf Jazz. Wie gestalten Sie das Programm?

Die Auswahl erfolgt immer sehr leidenschaftlich und wir versuchen, für eine gute Mischung an Musikern und Bands zu sorgen, die zusammen auftreten. Gestern hatten wir zum Beispiel Damien Rice auf der Bühne und haben ihm den deutschen Nils Frahm vorangestellt – er mischt klassischen Jazz mit elektronischer Musik. Wir dachten, das passt gut zusammen, aber die beiden kannten sich erst überhaupt nicht. Als sie festgestellt haben, dass sie am gleichen Abend spielen, haben sie angefangen, sich auszutauschen und wollten vielleicht auch zusammen etwas machen. Es ist diese Plattform, die wir den Künstlern geben wollen. Sie sollen sich austauschen, Ideen teilen.

Der Pianist Nils Frahm (Bild: DW)

Der Pianist Nils Frahm hat auf dem Montreux Jazz Festival Bekanntschaft mit Damien Rice gemaacht

Sie räumen Newcomern ziemlich viel Platz im Programm ein. Welche Rolle spielen aufstrebende Talente auf dem Festival?

Das ist das Schöne an Montreux – Newcomer treffen auf gestandene Weltstars. Zum Beispiel Benjamin Booker, ein junger Garage-Rocker aus New Orleans. Wir hörten ihn und dachten: 'Wow, was für ein starker und gewaltiger Sound!' Wir haben dann Lenny Kravitz gefragt, ob er sich nicht gerne mit ihm den Abend teilen würde und die Antwort war: 'Na klar!' Es ist toll, den Headlinern junge, aufstrebende Künstler voranzustellen. Wir denken immer auch an die neue Generation von Musikern.

Und auch an eine neue Generation von Publikum?

Ja, auch an die. Ein Jazz Festival mit nur 60-Jährigen würde nicht funktionieren. Auch hier muss durch neue Musikrichtungen eine Varianz her. Aber immer wieder erleben wir auch Überraschungen. Zum Beispiel beim Konzert von Deep Purple. Wir dachten: 'Da kommen bestimmt hauptsächlich Gäste zwischen 55 bis 75.' Aber das stimmte nicht. Ich habe drei Generationen von Menschen gesehen, als ich in den Saal kam. Den 18-jährigen Enkel, der die Musik von seinem Großvater kennt, über 30- bis 40-Jährige, bis zu denen über 70. Es ist toll zu sehen, wie diese Generationen eine Leidenschaft für die gleiche Musik teilen.

Deep Purple bei ihrem Auftritt beim Montreux Jazz Festival 2011 (Foto: EPA/MARTIAL TREZZINI)

Deep Purple bei ihrem Auftritt beim Montreux Jazz Festival 2011

2013 verstarb überraschend der Festivalgründer Claude Nobs und Sie übernahmen die Leitung. Er war mit vielen Weltstars eng befreundet und prägte das Festival über Jahrzehnte. Wie übernimmt man so eine verantwortungsvolle Aufgabe?

Ich habe 20 Jahre mit Claude zusammen gearbeitet. Wir sind durch die ganze Welt gereist und haben die interessantesten Menschen und Künstler getroffen. Ich teile seine Leidenschaft für die Musik und die Künstler und diese Leidenschaft habe ich auch nach seinem Tod behalten. Für mich war klar, dass ich ihn nie würde ersetzen können, das habe ich gar nicht erst versucht. Claude Nobs, das sind schließlich 50 Jahre Musikgeschichte, er war ein König im Musikgeschäft. Ich versuche, den Geist von Claude Nobs fortleben zu lassen. Aber ich bringe natürlich auch etwas von mir ein. Ich teile meine Leidenschaft nun auch mit einer neuen Generation von Künstlern.

Wie sieht die Zukunft des Montreux Jazz Festivals aus?

Im nächsten Jahr feiern wir unser 50-jähriges Bestehen. Das ist ziemlich selten für ein Festival, dass es so lange besteht. Es wird eine riesige Feier, bei der wir aber weniger zurück schauen, als vielmehr nach vorne und uns überlegen, wie das Festival in den kommenden 50 Jahren aussehen könnte.

Das Interview führte Antje Binder.

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