Neue Hiobsbotschaft für Huawei | Wirtschaft | DW | 22.05.2019
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Mobilfunk

Neue Hiobsbotschaft für Huawei

Wegen US-Sanktionen soll der chinesische Handy-Hersteller Huawei nicht mehr mit der Chip-Architektur der Firma ARM beliefert werden. Das Problem: Fast alle modernen Smartphones laufen mit dieser Technologie.

Das in Großbritannien ansässige Unternehmen ARM hat seine Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass die Chip-Designs des Unternehmens auch aus den USA stammende Technologie enthalten und deshalb alle Geschäfte mit Huawei eingestellt werden müssen. Das berichten der britische Sender BBC und die Nachrichtenagentur Reuters.

Die Chip-Architekturen von ARM bilden die Basis der Prozessoren in nahezu allen heutigen Smartphones und Tablets - auch bei Chips aus der eigenen Entwicklung von Huawei. ARM gehört dem japanischen Technologiekonzern Softbank. Ohne eine Zusammenarbeit mit der Firma dürfte für Huawei das Smartphone-Geschäft außerhalb des chinesischen Heimatmarktes zu einem ernsthaften Problem werden.

Huawei teilte inzwischen mit, man sei zuversichtlich, eine Lösung für die Situation zu finden. Das Unternehmen erkenne an, dass einige seiner Partner "aufgrund politisch motivierter Entscheidungen unter Druck stehen".

Sanktionen für drei Monate gelockert

Die USA hatten Huawei vergangene Woche auf eine schwarze Liste von Unternehmen gesetzt, deren Geschäftsbeziehungen zu US-Partnern strengen Kontrollen unterliegen. Wer US-Technik an Huawei verkaufen oder transferieren will, muss eine Lizenz erwerben. Diese kann verweigert werden, wenn Sicherheitsinteressen berührt sind.

Zunächst untersagte US-Präsident Donald Trump am Freitag alle Geschäfte, lockerte aber die Maßnahmen für 90 Tage. Damit soll vor allem weiter die Versorgung bereits ausgelieferter Smartphones sowie der Betrieb von Mobilfunk-Netzwerken mit Huawei-Technik in ländlichen Regionen in den USA sichergestellt werden.

Für Nutzer bedeutet dies, dass Google die Telefone heutiger Huawei-Kunden in den kommenden drei Monaten weiter in vollem Umfang mit Updates und Apps versorgen kann. Für die Verwendung von US-Technologie in neuen Produkten gilt die Lockerung aber nicht.

Schwieriger Zugang zu Android

Die US-Maßnahmen erschweren dem Konzern auch den Zugang zum Google-System Android. Huawei dürfte in Zukunft später als andere Smartphone-Anbieter an neue Android-Versionen kommen und könnte dann keine Google-Dienste vorinstallieren.

Unter dem massiven Druck der Sanktionen will Huawei spätestens im nächsten Frühjahr, vielleicht aber auch schon im Herbst dieses Jahres, sein eigenes Betriebssystem einsatzbereit haben. Es solle auf Smartphones, Computern, Tablets, Fernsehern, in Autos und tragbaren Geräten laufen und mit Android-Apps kompatibel sein. Die bereits seit 2012 verfolgte Entwicklung eines eigenen Betriebssystems bekam durch die amerikanische Politik eine neue Dringlichkeit.

Huawei wird von US-Behörden verdächtigt, seine unternehmerische Tätigkeit zur Spionage für China zu nutzen. Beweise dafür wurden bislang nicht öffentlich gemacht.

Die USA drängen auch andere westliche Länder wie Deutschland, Huawei von den Netzen für den künftigen superschnellen Mobilfunk-Standard 5G fernzuhalten. Huawei wies die US-Vorwürfe stets zurück.

gri/rb (dpa, rtre)

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