Neue Gewalt im Westjordanland | Aktuell Nahost | DW | 13.12.2018
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Israel

Neue Gewalt im Westjordanland

Bei einem neuerlichen Anschlag eines Palästinensers im Westjordanland sind zwei Israelis gestorben. Kurz zuvor hatten israelische Sicherheitskräfte zwei mutmaßliche Attentäter und einen Messer-Angreifer erschossen.

Westjordanland Israelische Sicherheitskräfte töten mutmaßliche Attentäter (picture-alliance/AA/N. Eshtayah)

Wand des Hauses, in dem die israelischen Sicherheitskräfte einen der mutmaßlichen Attentäter stellten

Ein Palästinenser hat in der Nähe einer israelischen Siedlung im besetzten Westjordanland zwei Israels getötet. Mindestens zwei weitere Menschen seien bei dem Angriff mit einer Schusswaffe an einer Bushaltestelle nördlich von Jerusalem verletzt worden, teilte die israelische Armee im Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Ein Armeesprecher wollte Informationen nicht bestätigen, wonach die beiden Getöteten Soldaten waren.

Israel riegelt Ramallah ab

Nach dem Angriff riegelten israelische Soldaten die Stadt Ramallah im Westjordanland ab, wo die Palästinensische Autonomiebehörde ihren Sitz hat. Nach Angaben des Armeesprechers sei der Angreifer mit einem Auto Richtung Ramallah geflohen, deshalb seien alle Ein- und Ausfahrten der Stadt gesperrt worden. Die israelische Armee schickte den Angaben zufolge zudem mehrere zusätzliche Infanteriebataillone in das Palästinensergebiet.

Es war mindestens der dritte Angriff mit Schusswaffen im Westjordanland innerhalb von drei Monaten. Am Donnerstag stach zudem ein Angreifer in der Altstadt von Jerusalem auf zwei israelische Sicherheitskräfte ein und wurde anschließend erschossen. Zudem gab die israelische Armee die Tötung von zwei Palästinensern bekannt, die im Westjordanland tödliche Angriffe mit Schusswaffen verübt haben sollen.

Sicherheitskräfte töten mutmaßliche Attentäter

Israel hatte intensiv nach den beiden Männern gefahndet. Sie hätten unabhängig voneinander Attentate verübt, bei denen drei Menschen getötet und mehrere verletzt worden seien, sagte Israels Minister für öffentliche Sicherheit und strategische Angelegenheiten, Gilad Erdan. Nach Angaben des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet habe einer der Palästinenser bei seiner Festnahme versucht, zu fliehen. Der andere habe sich versteckt und sei bewaffnet gewesen. Er habe bereits einen weiteren Anschlag geplant, hieß es in einer Stellungnahme. Zudem sollen mehrere Verdächtige festgenommen worden sein.

Einer der getöteten Männer soll an einem Anschlag am Sonntag auf eine Bushaltestelle nahe der Siedlung Ofra im nördlichen Westjordanland beteiligt gewesen sein. Dabei wurden sieben Menschen verletzt, darunter eine hochschwangere 21-jähre Frau. Ihr Baby, das Ärzte per Notkaiserschnitt in der 30. Woche zu retten versuchten, starb am Mittwoch. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu versprach daraufhin, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. "Wir werden die Mörder finden und wir werden über sie richten", erklärte er.

Spannungen im Westjordanland nehmen zu

Der zweite getötete Palästinenser soll im Oktober in einer Fabrik nahe der israelischen Siedlung Barkan im nördlichen Westjordanland zwei Israelis getötet haben - einen Mann und eine Frau. Nach damaligen Angaben der Armee handelte es sich bei dem Attentäter um einen 23 Jahre alten Palästinenser, der in der Fabrik angestellt gewesen war. Zu den beiden Angriffen hatte sich der bewaffnete Arm der radikalislamischen Hamas bekannt. Für Israel werde es im Westjordanland "weder Sicherheit noch Stabilität" geben, erklärten die Essedin-al-Kassam-Brigaden, die auch den Tod der beiden "Kämpfer" bestätigten.

Israel hält Ost-Jerusalem und das Westjordanland seit dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 besetzt. In dem Gebiet, das die Palästinenser für einen eigenen Staat Palästina mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt beanspruchen, leben inzwischen rund 400.000 Israelis in unterschiedlich großen Siedlungen. In den vergangenen Monaten haben die Spannungen zwischen Palästinensern und Israelis in dem besetzten Gebiet zugenommen.

ww/stu (dpa, afp, ap)