Neue Ausschreitungen am Tempelberg | Aktuell Nahost | DW | 28.09.2015
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Aktuell Nahost

Neue Ausschreitungen am Tempelberg

Zum Beginn des jüdischen Laubhüttenfestes ist die Lage auf dem Tempelberg in Jerusalem noch einmal eskaliert. Die Al-Aksa-Moschee wurde geschlossen.

Nach der Schließung der Al-Aksa-Moschee für palästinensische Muslime ist es am Tempelberg in Jerusalem zu Auseinandersetzungen von Palästinensern mit der israelischen Polizei gekommen. Dabei seien einige Menschen verletzt und die Moschee beschädigt worden, erklärte der Direktor der islamischen Waqf-Stiftung, Azzam Khatib.

Zum Beginn des jüdischen Laubhüttenfestes Sukkot hatte die israelische Polizei die Moschee für Palästinenser gesperrt. Damit wolle man Juden, die das Laubhüttenfest begehen wollten, ungehinderten Zugang zum Tempelberg verschaffen. Die Polizei errichtete Barrikaden auf den Zugangstoren zu dem ummauerten Heiligtum und hinderte alle Palästinenser unter 50 am Eintritt.

Spannungen durch zeitgleiche Feiertage

Laut Khatib zwangen Polizisten unter Einsatz von Blendgranaten junge Demonstranten, das Gelände zu verlassen, und verschlossen die Tore mit Eisenketten. Dabei habe es Verletzte gegeben. Nach Augenzeugenberichten spazierten Gruppen von Juden in Polizeibegleitung über den Tempelberg. Einige seien auf dem Dach der Moschee gesichtet worden. Jüdische Extremisten hatten ihre Anhänger aufgefordert, den Tempelberg während des achttägigen Laubhüttenfestes zu besuchen.

Das zeitliche Zusammentreffen mehrerer jüdischer und muslimischer Feiertage sorgt derzeit für erhöhte Spannungen. Auf dem Tempelberg, auf dem die Al-Aksa-Moschee und der Felsendom liegen und an dessen Westseite sich die Klagemauer befindet, gibt es seit Wochen immer wieder Zusammenstöße zwischen Polizei und Palästinensern. Den Muslimen ist der Ort als "Al-Haram Al-Sharif" heilig. Juden halten den Tempelberg für den Standort des ersten jüdischen Tempels und fordern dessen Neuerrichtung.

Neuausrichtung der Al-Aksa-Moschee?

Die Palästinenser befürchten, dass die Regierung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu den Status des Tempelbergs verändern will. Palästinensische Muslime haben ihre Anhänger dazu aufgerufen, die Moschee mit ihrer Präsenz zu schützen. "Die israelische Regierung hat entschieden, die Moschee (zwischen Muslimen und Juden) aufzuteilen", sagte Khatib. "Das ist eine sehr gefährliche Angelegenheit, die sich auf die ganze Region auswirken könnte. Die Moschee ist nur für Muslime bestimmt, und niemand sonst hat irgendein Recht auf sie." Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu weist diese Behauptungen zurück.

Israel, das Ostjerusalem seit dem Sechstagekrieg des Jahres 1967 besetzt hält, ist für die Sicherheit auf dem Hochplateau zuständig, während die zivile und religiöse Verwaltung des Geländes mit der Moschee und dem islamischen Felsendom einer jordanischen Stiftung obliegt.

Die Anlage ist nach Mekka und Medina die drittheiligste Stätte der Muslime. Das Judentum verehrt den Ort des im Jahr 70 von der römischen Besatzungsarmee zerstörten Zweiten Tempels als seine wichtigste heilige Stätte.

pab/jj (dpa, afp,kna)