Nein, ein Teil Frankreichs wird nicht deutsch | Politik | DW | 19.01.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutsch-französische Freundschaft

Nein, ein Teil Frankreichs wird nicht deutsch

Deutschland und Frankreich haben ihre Freundschaft erneuert. Kurz zuvor versuchte ein französischer Europaabgeordneter, durch Gerüchte eine alte Erbfeindschaft heraufzubeschwören. Mit Erfolg.

Belgien - EU-Gipfel in Brüssel - Macron und Merkel (picture alliance/dpa/BELGA/T. Roge)

Emmanuel Macron und Angela Merkel unterzeichnen am 22. Januar den Aachener Vertrag

Bald könnten in einer französischen Region an der Grenze zu Deutschland die Deutschen das Sagen haben: Das Gebiet soll unter deutsche Verwaltung kommen, mit Deutsch als Amtssprache. Mit diesem Gerücht hat Bernard Monot, ein EU-Abgeordneter der euroskeptischen, nationalkonservativen Partei "Debout la France", in den vergangenen Tagen für großen Wirbel in Frankreich gesorgt.

Sein Video wurde zum Beispiel in Facebook-Gruppen der "Gelbwesten"-Bewegung häufig geteilt und war zeitweise auch auf dem offiziellen YouTube-Kanal des Parteichefs von "Debout la France", Nicolas Dupont-Aignan, zu sehen.  

Wir werden nicht zu "Deutschland 3 Elsass"

Als einige rechtsextreme Blogs wie der "Riposte laïque" Monots Worte weiter verbreiten, sehen sich viele französische Medien genötigt, die Behauptungen richtigzustellen - darunter die großen französischen Zeitungen "Le Monde" und "Ouest-France". Der Regionalsender "France 3 Alsace" versichert seinen Nutzern: Nein, keine Sorge, wir werden nicht bald zu "Deutschland 3 Elsass". Und auch Frankreichs Europa-Staatssekretärin Nathalie Loiseau meldete sich zu Wort: Monots Behauptungen könne man fast als lustig bezeichnen, wenn sie nicht so erbärmlich wären, schreibt sie auf Twitter. "Es ist wohl der Hass, der einen dazu verleitet, solche Infos zu erfinden."

In der am 11. Januar auf YouTube veröffentlichten Ansprache bezeichnet Bernard Monot den französischen Präsidenten als "Judas". Er wirft Emmanuel Macron vor, im Geheimen "einen Putsch gegen Frankreich" vorzubereiten. Auf Monots Account ist das Video inzwischen gelöscht, auf YouTube aber trotzdem noch zu finden.

Konkret wendet sich der EU-Abgeordnete Monot gegen ein neues deutsch-französisches Freundschaftsabkommen, das der französische Staatschef und Bundeskanzlerin Angela Merkel am 22. Januar in Aachen unterzeichnen werden. 

Mit dem Aachener Vertrag wollen Frankreich und Deutschland ihre Zusammenarbeit vertiefen. Grundlage für diese Frischekur der deutsch-französischen Freundschaft ist der Elysée-Vertrag, mit dem die beiden Nachbarländer sich 1963 aussöhnten.

Bernard Monot (picture-alliance/dpa/T.Padilla)

Bernard Monot behauptet, Macron plane mit dem Aachener Vertag einen "Putsch gegen Frankreich"

Elysée-Vertrag war ein Meilenstein 

Dass es damals - nur wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg - zu einer solchen Aussöhnung kam, war bemerkenswert. Mit dem Vertrag beendeten die beiden Länder ihre über Jahrhunderte andauernde Erbfeindschaft. Und gerade die Region, von der Bernard Monot behauptet, dort werde nun bald wieder Deutsch gesprochen, war immer wieder ein Spielball in den vielen Kriegen der beiden Nationen. Das Elsass und auch Teile von Lothringen gehörten im Verlauf der Geschichte mal zu Deutschland, mal zu Frankreich. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist das Grenzgebiet wieder französisch.

Das Hin und Her hat Wunden hinterlassen. Es hat die Bevölkerung geprägt - und prägt sie immer noch. Zwar fürchtet keiner in Frankreich ernsthaft, dass das Elsass und Lothringen wieder deutsch werden könnten. Trotzdem: Wenn Monot behauptet, Macron wolle mit dem Aachener Vertrag das Elsass und Lothringen an Deutschland zurückgeben, bedient er sich einer alten Erbfeindschaft - und unterstellt dem französischen Präsidenten gleichzeitig, "Frankreich und die französische Identität auslöschen" zu wollen.

Merkel und Macron wollen Grenzregion stärken

Im Aachener Vertrag soll laut Auswärtigem Amt gerade die Region zwischen Frankreich und Deutschland im Fokus stehen. Das Ziel ist, den Alltag der Menschen, die dort leben, zu vereinfachen, zum Beispiel durch mehr öffentlichen Nahverkehr zwischen den beiden Ländern oder auch durch eine grenzübergreifende Jobvermittlung. Gefördert werden soll auch die Zweisprachigkeit von Deutschen und Franzosen in der Grenzregion.

Dass das Elsass und Teile von Lothringen in irgendeiner Weise wieder deutsch werden sollten, steht natürlich nicht in dem Vertrag - und entspringt einzig der Fantasie des Herrn Monot.

Die Redaktion empfiehlt