Nachforschungen nach Bootsunglück in Missouri | Aktuell Amerika | DW | 21.07.2018
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USA

Nachforschungen nach Bootsunglück in Missouri

Das Bootsunglück während eines Sturms auf einem See im US-Bundesstaat Missouri mit 17 Toten wirft noch immer Fragen auf. Offenbar spielte ein tückisches Wetterphänomen eine Rolle.

Blumen auf der Motorhaube eines Autos, drei Menschen umarmen sich 8Foto Picture Alliance)

Trauer und Gedenken an die Verstorbenen - hier an einem Auto, das mutmaßlich einem Opfer des Bootsunglücks gehört

Sie habe alle ihre Kinder und ihren Ehemann sowie ihre Schwiegereltern verloren, sagte Tia Coleman im Krankenhaus. Außer ihr habe von der Familie nur ihr 13-jähriger Neffe überlebt. Gouverneur Mike Parson bestätigte dem Sender Fox News, neun der Toten gehörten zu einer Familie. 

Coleman warf dem Kapitän vor, er habe den Bootsinsassen gesagt, es sei nicht nötig Schwimmwesten anzulegen. Wie die Nachrichtenagentur AP mitteilte, hat der Veranstalter eine Anfrage zu dem Vorwurf bisher nicht beantwortet.

Nach Behördenangaben befanden sich 29 Passagiere und zwei Mitarbeiter auf dem Ausflugsboot. Die 17 Opfer seien zwischen einem und 70 Jahre alt gewesen. Auch eines der beiden Crewmitglieder starb. Am Freitagabend (Ortszeit) fanden sich in der Stadt Branson nahe des Unglücksortes mehrere hundert Menschen zu zwei Gedenkveranstaltungen zusammen.

USA Missouri Unglück mit Amphibienfahrzeug | Trauer & Gedenken (picture-alliance/Zuma Press/Kansas City Star/R. Sugg)

Rund 300 Menschen sangen am Freitagabend gemeinsam "Amazing Grace" vor dem Büro des Tour-Veranstalters

Der künstlich angelegte Table-Rock-See im Süden des Bundesstaates Missouri an der Grenze zu Arkansas ist ein beliebtes Urlaubsziel mit zahlreichen Touristenattraktionen. Dazu gehören auch Fahrten mit Amphibienfahrzeugen, die sowohl an Land als auch auf dem Wasser fahren können. Diese sogenannten "Duck Boats" sind den Fahrzeugen nachempfunden, die die Alliierten im Zweiten Weltkrieg am D-Day zur Landung in der Normandie verwendeten.

USA Missouri Unglück mit Amphibienfahrzeug | Flotte von Fahrzeugen (Getty Images/M. Thomas)

Eine Flotte der "Duck Boats" in Branson, die für Ausflugsfahrten genutzt werden

Noch ist unklar, warum das nun gesunkene Fahrzeug am Donnerstag überhaupt auf den See hinausgefahren war. Dass Unwetter aufziehen könnten, sei Stunden zuvor klar gewesen. Der Nationale Wetterdienst in Springfield, ungefähr 64 Kilometer nördlich von Branson, hatte vor möglichen Gewittern und vor Windgeschwindigkeiten bis zu ungefähr 110 Kilometern pro Stunde gewarnt. Gegen 18.30 Uhr Ortszeit verschärfte der Dienst diese Warnung auch für die Gegend um Branson. Das Amphibienfahrzeug sei um kurz nach 19 Uhr gesunken.

Offenbar wurden die extremen Winde von einem sogenannten Microburst ausgelöst, einer plötzlich auftretenden Fallböe, die von einer Gewitterzelle herunterrauscht. Ein Microburst trifft nur einen Bereich von weniger als vier Kilometern Durchmesser und dauert unter fünf Minuten an. Es können jedoch extreme Windgeschwindigkeiten erreicht werden, die Bäume entwurzeln können.

Deutschland Sachsen Wetterfront mit Starkregen (Imago/T. Müller)

Bei einem Microburst fallen schlagartig Winde, gegebenenfalls mit Regen, auf eine kleine Fläche herab (Archivbild)

Augenzeuge Brayden Malaske berichtete, kurz bevor der Sturm begann, habe er auf demselben See einen Schaufelraddampfer betreten. Zu diesem Zeitpunkt schien das Wasser demnach ruhig und niemand hatte sich wegen des Wetters Sorgen gemacht. "Aber plötzlich wurde es sehr dunkel", erinnert sich der Mann aus Oklahoma. Auch die Überlebende Coleman berichtete, das Wasser habe zunächst nicht bedrohlich ausgesehen. Rick Kettels, Eigentümer einer Ferienwohnanlage am Ufer des Sees, sagte: "Ich habe die meiste Zeit meines Lebens hier verbracht und noch nie einen so schlimmen Sturm erlebt."

Drei kleinere Boote auf dem Wasser (Foto: Picture Alliance)

Nach dem Unglück durchsuchte die Polizei das Wasser des Sees

Eine in sozialen Netzwerken verbreitete Handyaufnahme soll die Minuten vor dem Untergang des Amphibienfahrzeugs zeigen. Auf dem Video ist zu sehen, wie ein Boot gegen hohe Wellen ankämpft. Zur selben Zeit befand sich ein zweites Amphibienfahrzeug auf dem Wasser, dass das Ufer aber rechtzeitig erreichen konnte. Behörden untersuchen den Unfall.

ust/fab (afp, ap, dpa, rtr)

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