Nach Super Tuesday: Biden gegen Sanders | Amerika - Die aktuellsten Nachrichten und Informationen | DW | 04.03.2020
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Wahlkampf in den USA

Nach Super Tuesday: Biden gegen Sanders

Nach dem größten Tag im Vorwahlkampf führt Joe Biden das stark geschrumpfte Kandidatenfeld an. Zu erwarten war das nicht. Milliardär Michael Bloomberg steigt nach seinem schlechten Ergebnis aus dem Rennen aus.

Für Joe Biden war es ein guter Tag. "Es heißt nicht ohne Grund Super Tuesday!", rief der Bewerber auf demokratische Präsidentschaftskandidatur am Dienstagabend auf einer Wahlparty in Kalifornien. Zum Zeitpunkt, an dem der ehemalige Vizepräsident vor jubelnden Unterstützern sprach, war der größte Tag im Vorwahlrennen noch nicht vorbei. Aber Biden hatte in den Bundesstaaten Virginia und North Carolina, deren Wahllokale als erstes schlossen, die meisten Stimmen gewonnen - und das, obwohl Experten seine Kampagne noch vor wenigen Wochen für so gut wie tot erklärt hatten.

Als Gesamtsieg kann Biden den Super Tuesday allerdings nicht für sich verbuchen. Denn, auch wenn am Mittwoch noch nicht alle Stimmen in Kalifornien ausgezählt waren, sieht es danach aus, dass der selbsterklärte demokratische Sozialist Bernie Sanders als Gewinner aus der Wahl im bevölkerungsreichsten US-Bundesstaats hervorgeht, der dementsprechend auch die meisten Delegiertenstimmen zur endgültigen Kandidatenwahl zu vergeben hat. Nachdem rund 85 Prozent der Stimmen ausgezählt waren, führte Sanders mit knapp 34 Prozent vor Biden mit rund 25 Prozent.  

Für New Yorks ehemaligen Bürgermeister Michael Bloomberg war der erste offizielle Tag, an dem er auf einem Wahlzettel stand, gleichzeitig der letzte als Bewerber. Der Medienmogul hatte Hunderte Millionen US-Dollar aus seinem Privatvermögen in den Wahlkampf investiert, gewann aber lediglich die Abstimmung in Amerikanisch-Samoa, einem US-Außengebiet in der Südsee.

Am Mittwoch gab er in einer Presseerklärung das Ende seiner Kandidatur  bekannt: "Ich ziehe mich aus dem Rennen zurück, damit Donald Trump geschlagen wird", so Bloomberg, seine Kandidatur würde es erschweren, dieses Ziel zu erreichen. "Ich werde mit daran arbeiten, Joe Biden zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten zu machen." 

Starker Rückhalt für Biden

Nun ist Biden der letzte moderate Kandidat im Rennen. Damit hätte noch vor einer Woche kaum ein Beobachter des Vorwahlkampfes gerechnet. "Ich war sehr überrascht", sagt Brandon Conradis, Journalist bei The Hill, einer Washingtoner Zeitung und Nachrichtenwebsite, über die Super Tuesday Ergebnisse. "Viele in der Medienwelt haben damit gerechnet, dass Sanders den besten Abend haben würde."

Doch dann kam South Carolina. In der Vorwahl dort am vergangenen Samstag holte Biden fast die Hälfte aller Stimmen. Hier kam ihm sein starker Rückhalt bei Afroamerikanern zugute. Dann traten kurz hintereinander die moderaten Kandidaten Pete Buttigieg und Amy Klobuchar zurück und stellten sich offiziell hinter Biden. Von dieser Unterstützung profitierte Biden offenbar am Super Tuesday. So gewann er beispielsweise Klobuchars Heimatstaat Minnesota, obwohl er seit Beginn seiner Kampagne kein einziges Mal dort gewesen war und nur einen einzigen bezahlten Mitarbeiter vor Ort hatte.

Der Super Tuesday ist also auch dieses Mal wieder seinem Ruf als großer Entscheidungstag gerecht geworden. "Der heutige Abend hat es außergewöhnlich klar gemacht, worum es im Rennen jetzt geht", sagte der Washingtoner Journalist Conradis der DW in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. "Es ist ein Zwei-Mann-Wettkampf: Sanders gegen Biden."

USA Super Tuesday | Elizabeth Warren in Michigan (Reuters/B. Snyder)

Michigan hat seine Vorwahl am 10. März. Ob Warren bis dahin noch im Rennen sein wird, ist unklar.

Warrens Kandidatur "am Ende"

Dabei sind noch zwei weitere Kandidatinnen dabei. Die Zeiten, in der Beobachter die Kandidatur von Tulsi Gabbard ernst genommen haben, sind längst vorbei. Die Kongressabgeordnete aus Hawaii konnte bisher gerade einmal eine Delegiertenstimme für sich gewinnen. Die andere, die Senatorin Elizabeth Warren, galt lange als Alternative für progressive Wähler, denen Bernie Sanders nicht geheuer war. Allein im Februar sammelte sie 29 Millionen Dollar Spenden. Doch in den Vorwahlen kam sie nie über den dritten Platz hinaus. Und am Super Tuesday musste sie sich selbst in ihrem Heimatstaat Massachusetts Biden und Sanders geschlagen geben.

"Dass sie Massachusetts verloren hat, war ein bitterer Schlag für sie", sagt Conradis. "Ich kann nicht voraussagen, wie sie jetzt handeln wird, aber ihre Kandidatur ist am Ende." Einen der beiden anderen Kandidaten öffentlich zu unterstützen, dürfte Warren schwer fallen, meint Conradis: "Zwischen Sanders und ihr hat es Spannungen gegeben. Aber wenn sie Biden unterstützt, würde das ihrem Ruf als progressive Politikerin schaden."

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