Nach der Hitzewelle ist vor der Hitzewelle
Die Hitzewelle in Deutschland ist abgeklungen, doch ihre Spuren bleiben sichtbar: überfüllte Notaufnahmen, eine erhöhte Waldbrandgefahr und Schäden an Infrastruktur und Landwirtschaft legen Europas Verwundbarkeit offen.

Europas Hitzeproblem
Tagelang überstiegen die Temperaturen zwischen Portugal und Deutschland 40 Grad Celsius. Die Folgen: Gesundheitswarnungen, eine erhöhte Waldbrandgefahr und massive Belastungen für Mensch, Natur und Infrastruktur. Inzwischen ist es vielerorts kühler, doch die Bilanz der Hitzewelle bleibt alarmierend. Nun liegt die Hitzeglocke über Osteuropa.
Volle Notaufnahmen
Krankenhäuser und Rettungsdienste behandelten während der Hitzewelle deutlich mehr Menschen mit Dehydrierung, Kreislaufproblemen oder Hitzschlägen. Besonders gefährdet waren ältere Menschen, chronisch Kranke, Kinder und Beschäftigte im Freien. Zahlreiche Kliniken berichteten von einer spürbaren Zunahme hitzebedingter Notfälle und einer hohen Auslastung ihrer Notaufnahmen.
Leidende Infrastruktur
Die extremen Temperaturen machten auch Straßen, Schienen und Stromnetzen zu schaffen. Betonfahrbahnen platzten auf, Teer quoll aus Dehnungsfugen hervor. Sogar Trafostationen überhitzten, sodass es zu mehreren lokalen Stromausfällen kam.
So reagierten Europas Länder
Viele Staaten aktivierten Hitzeschutzpläne. Frankreich öffnete klimatisierte öffentliche Gebäude und betreute besonders gefährdete Menschen. Italien richtete Trinkwasserstationen und Kühlräume ein, in Spanien mussten viele Unternehmen Arbeiten im Freien in die Morgen- und Abendstunden legen. In Deutschland beschränkten sich die Maßnahmen in vielen Kommunen auf Informationsangebote.
Wasser marsch!
Um Menschen vor der extremen Hitze zu schützen, setzte die Berliner Polizei vereinzelt Wasserwerfer zur Abkühlung ein. Mit feinen Wasserfontänen konnten sich Passanten an stark frequentierten Orten erfrischen - wie hier vor dem Olympiastadion. Die ungewöhnliche Maßnahme sorgte für Aufmerksamkeit und verdeutlichte, wie kreativ Städte auf immer häufigere und intensivere Hitzewellen reagieren.
Öffentliche Vernebler
Eine wachsende Zahl von Städten stellt während der heißen Tage Vernebler auf, die Passanten eine willkommene Erfrischung verschaffen. Hier in der polnischen Hafenstadt Gdynia ist die Maßnahme Teil des kommunalen Hitzeschutzes und soll die Belastung durch die hohen Temperaturen in der Öffentlichkeit verringern.
Öffentliche Veranstaltungen: Hitzeschutz oder Absage
Eine ganze Reihe von Veranstaltungen wurde wegen der Hitzewelle abgesagt; das Risiko hitzebedingter Notfälle für Besucher und Einsatzkräfte galt als zu hoch. Auch das Rainbow Festival am Fühlinger See bei Köln stand auf der Kippe. Letztlich fand es statt - mit kostenlosem Trinkwasser, zusätzlichen Schattenbereichen und einem "Human Carwash", in dem die Besucher sich abkühlen konnten.
Deutschland ringt mit Hitzeschutzplan
Für Hitzeschutzkonzepte sind in Deutschland bisher Länder und Kommunen zuständig - etwa für den Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen, Flächenentsiegelung und Begrünung der Städte. Der Bund beschränkt sich auf unverbindliche Strategien und Förderprojekte für Kitas, Krankenhäuser etc. Um dauerhafte Maßnahmen umzusetzen, müsste die Bundesregierung die Verfassung ändern. Dies will sie nun prüfen.