Nabagesera: ″Wir bleiben hier, lasst uns in Frieden!″ | Afrika | DW | 29.09.2013
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Afrika

Nabagesera: "Wir bleiben hier, lasst uns in Frieden!"

Kasha Jacqueline Nabagesera (33) erhält den Nürnberger Menschenrechtspreis für ihren Kampf gegen Homophobie in Uganda. Im DW-Interview spricht sie über die Diskriminierung von Homosexuellen in ihrer Heimat.

DW: Frau Nabagesera, es ist nicht üblich, dass jemand im Alter von 21 Jahren anfängt für ein Thema zu kämpfen, gegen das sich weite Teile der Gesellschaft in Uganda und ganz Afrika aussprechen. Warum haben Sie sich entschieden, öffentlich für die Rechte von Homosexuellen zu kämpfen?

Kasha Jacqueline Nabagesera: Das ging schon los, als ich von mehreren Schulen geflogen bin, nur weil ich mich in andere Mädchen verliebt hatte oder Liebesbriefe an sie schrieb. Ich hatte das Glück, dass meine Familie hinter mir stand. All meine anderen Freunde, die von der Schule flogen, wurden von ihren Familien verstoßen. Wir haben sie dann zu Hause aufgenommen. Ich wusste damals noch nicht, dass es illegal ist, schwul oder lesbisch zu sein. Dann habe ich recherchiert und rausgefunden, dass das nicht nur in Uganda ein Problem ist, sondern in ganz Afrika und auf der ganzen Welt. Also habe ich mir gesagt, ich muss etwas tun.

Was können Sie mit ihrem Engagement bewegen?

Mir geht es um die Denkweise der Menschen. Selbst wenn ich das Gesetz ändere, wird es mich nicht schützen, wenn die Leute nicht umdenken. Wir sehen doch das Beispiel Südafrika, wo die Gesetze sehr fortschrittlich sind. Trotzdem werden viele Homosexuelle ermordet und vergewaltigt – weil sich die Denkweise nicht geändert hat. Die größte Bedrohung ist also nicht unsere Regierung, die in Uganda ohnehin schon die Homophobie in den Gesetzen festgeschrieben hat. Die Menschen mit denen ich lebe, unsere Gesellschaft ist meine größte Bedrohung. Das sind diejenigen, die mit dem Finger auf mich zeigen und mich schon mehrmals verprügelt haben.

Und Sie glauben, ausgerechnet deren Denkweise ändern zu können?

Das wird ein langer Kampf. Aber es geht langsam voran. Je mehr wir mit ihnen sprechen, desto schneller werden sie merken, dass wir normale Menschen sind - genau wie sie - und auch unseren Beitrag zur Gesellschaft leisten.

Sie kämpfen jetzt seit mehr als zehn Jahren für die Rechte von Homosexuellen. Haben Sie das Gefühl, das sich die Situation in den letzten Jahren verbessert hat?

Ja. Als ich angefangen habe für unsere Rechte zu kämpfen, hat niemand darüber gesprochen. Die Menschen haben sich versteckt und sich nicht getraut, das Thema anzusprechen. Der Präsident hat damals gesagt, Homosexuelle existieren hier nicht. Als ich aufwuchs, wurde mir gesagt, ich sei von Dämonen besessen. Aber wir sind rausgegangen, haben mit den Menschen gesprochen, uns vorgestellt und gesagt: "Wir leben hier und gehen nirgendwo anders hin. Also lasst uns in Frieden leben." Nach zehn Jahren hat jetzt eine landesweite Debatte begonnen. Wir machen Fortschritte. Ich bin sehr optimistisch, auch wenn ich vielleicht nie die Früchte meines Kampfes genießen kann. Aber die zukünftigen Generationen werden diese Freiheiten genießen können.

Sie erhalten am Sonntag (29.09.2013) den Nürnberger Menschenrechtspreis 2013. Wird das Auswirkungen auf ihre Arbeit haben?

Die Menschen zu Hause sind total aufgeregt. Das zeigt uns, dass die Welt zuschaut und zu uns hält, dass wir nicht allein sind. Auch wenn die Deutschen jetzt ihre Rechte genießen, denken sie daran, dass es Leute wie mich gibt, die ihr Leben noch nicht genießen können. Uns gibt der Preis aber auch eine gewisse Sicherheit. Unsere Regierung hat zwar schon gesagt, dass der Preis wertlos sei. Aber sie wissen, dass er existiert. Dafür sind wir sehr dankbar.

Kasha Jacqueline Nabagesera sieht sich als Feministin, Menschenrechtlerin und LGBT-Aktivistin (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender). Sie setzt sich öffentlich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender ein. In ihrem Heimatland Uganda wird die 33-Jährige deshalb häufig angefeindet.

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