„Na gut, dann eben Deutsch“ | Deutschlehrer-Info | DW | 26.09.2013
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Deutschlehrer-Info

„Na gut, dann eben Deutsch“

Nichole aus Australien landete eher zufällig als Austauschschülerin in Deutschland. Auch Eric aus Kamerun hat sich eher spontan fürs Deutschlernen entschieden. Heute sprechen sie fast perfekt – und sind froh darüber.

Wenn Eric Nodjimgoto in eine deutsche U-Bahn steigt, dann wundert er sich vor allem über eines: Warum sagt sich hier eigentlich keiner „Hallo“? Der 23-Jährige kommt aus Kamerun. In seinem Land sind die Menschen kontaktfreudiger, erklärt er: „Wir begrüßen uns auch dann, wenn wir nur fünf Minuten gemeinsam in einem Bus verbringen.“ Aber Eric nimmt die deutschen Eigenarten mit Humor: „Vielleicht haben sie einfach zu viel zu tun“, sagt er lachend.

Eric lebt in Kameruns Hauptstadt Yaoundé. Dort studiert er Germanistik und träumt von einem Leben als Dolmetscher und Übersetzer. „Als ich auf das Gymnasium kam, konnte ich eine Fremdsprache wählen“, erzählt Eric. Die Auswahl war groß: Arabisch, Deutsch, Englisch, Spanisch, selbst Chinesisch wird in Kamerun als Unterrichtsfach angeboten. Der 23-Jährige hat sich für Deutsch entschieden. „Spontan“, wie er sagt, weil auch seine Mutter schon Deutsch gelernt hatte.

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Warum lernst du Deutsch, Eric?


Deutsch als Leidenschaft

Zehn Jahre später träumt Eric von einem Leben als Übersetzer in Deutschland. Gerade hat er die Zusage für ein Stipendium an einer deutschen Universität bekommen. In Mannheim wird er seine Masterarbeit schreiben. „Ich schätze die gute Ausbildung in Deutschland“, sagt er und schwärmt von den Bibliotheken an deutschen Unis.

Auf die vielen Bücher freut er sich besonders, denn der Germanistikstudent hat eine große Leidenschaft für die deutsche Sprache: „Sie ist sehr flexibel und hat viele Vokabeln“, erklärt er. Eric möchte Deutsch nicht nur im Alltag sprechen: Er möchte auch mit der Sprache spielen, Geschichten und literarische Texte schreiben.

Frankreich oder Deutschland?

Auch Nichole Soo findet, dass Deutsch eine „schöne, aber schwere Sprache“ ist. Sie denkt dabei vor allem an die Grammatik. Die 23-Jährige war schon oft in Deutschland. Dafür muss sie jedes Mal weit reisen, denn Nichole lebt in Australien. In Sydney studiert sie Jura und Betriebswirtschaftslehre und jobbt nebenbei ein bisschen. Für Nichole war es purer Zufall, dass sie überhaupt zur „Deutschlernerin“ wurde.
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Warum lernst du Deutsch, Nichole?


Als Schülerin hatte sie eigentlich immer von einem Austauschjahr in Frankreich geträumt, bekam dann aber einen Platz in Deutschland. Statt Baguette und Croissants gab es für Nichole also deutsches Brot. Ihr Urteil: „lecker“. Wenn sie irgendwann mal in Deutschland leben würde, so sagt sie lachend, würde sie mit Sicherheit „sehr viel Brot essen“.

Durch das Leben in einer deutschen Familie hat Nichole mehr gelernt als nur die Sprache: „Weil ich ihre Kultur kenne, kann ich eine tiefere Beziehung zu den Menschen aufbauen“, erklärt die 23-Jährige. Sie lacht: „Ich habe schließlich ein bisschen mehr von Deutschland gesehen als nur das Oktoberfest.“

Eine Abenteuerreise durch Deutschland

Letztes Jahr waren Eric und Nichole gemeinsam in Deutschland. Auch wenn sie das Land bereits kannten: Diese Reise war anders. Sie sind die Protagonisten von „Ticket nach Berlin“, einer Abenteuerreise für Deutschlerner/innen. Aus hunderten Bewerber/innen wurden die Australierin, der Kameruner und vier weitere Teilnehmer für das gemeinsame Videoprojekt vom Goethe-Institut und der Deutschen Welle ausgewählt.

Auch wenn das Ziel der Reise Berlin heißt: Bis dahin lernen die Teilnehmer/innen auch weniger bekannte Ecken Deutschlands kennen. „Das war eine ganz bewusste Entscheidung“, erinnert sich Kristina Diewald, die Projektleiterin von der Deutschen Welle. „Deutschland, das ist nicht nur hippes Stadtleben“, erklärt sie. Auch die Klischee-Reiseroute mit einem Besuch im Schloss Neuschwanstein und einer Schifffahrt auf dem Rhein sollten die Teilnehmer nicht erfahren. „Wir haben sie an Orte gebracht, die sie sonst eher nicht besucht hätten“, betont Kristina Diewald.

Schwarzer Strand oder Wattenmeer?

Team Nord von Ticket nach Berlin im Wattenmeer.

Eine ganz neue Erfahrung für die Deutschlerner/innen: Wandern durchs Wattenmeer

Nein, die Nordseeinsel Pellworm hätte die Australierin Nichole ohne „Ticket nach Berlin“ vermutlich nicht gesehen. Und dann hätte sie auch nicht gelernt, dass deutsche Strände ganz anders aussehen als die in ihrer Heimat: „Schwarzer Sand? In Australien sind die Strände weiß!“, wunderte sich die 23-Jährige. Die Erklärung: An der Nordsee gibt es Ebbe und Flut. Das Wasser kommt und geht – und wenn es mal weg ist, kann man durch das schlammig-schwarze Wattenmeer laufen. Für die 23-Jährige und ihr Team ein ganz besonderes Erlebnis.

Noch zwanzig bis dreißig Mal nach Deutschland kommen

Heute hier, morgen dort und in ständiger Begleitung eines Kamerateams: „Das war manchmal ganz schön anstrengend“, erinnern sich Nichole und Eric heute an die Dreharbeiten. Aber sie haben viel gesehen und gelernt. Welcher Ort ihnen von ihrer Reise durch Deutschland am besten gefallen hat? Da müssen die beiden kurz überlegen. Eric entscheidet sich für Köln, Nichole für Hamburg.

Die drei Teilnehmer kommen auf der Nordseeinsel Pellworm an

Die Kamera war immer dabei

Ihre Erfahrungen liegen jetzt bereits ein Jahr zurück. Nichole ist sich sicher: „Ich könnte auch noch zwanzig oder dreißig Mal nach Deutschland kommen, ich kann immer noch neue Dinge entdecken.“ Und Eric fühlt sich – zurück in seiner Heimat Kamerun – sowieso schon so richtig „eingedeutscht“. Vor allem dann, wenn er mal wieder pünktlich zu einem Treffen erscheint und seine Freunde ihn lachend daran erinnern: „Eric, warum bist du so pünktlich? Wir sind doch nicht in Deutschland.“

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