Nächster schwarzer Tag für Deutsche Bank | Wirtschaft | DW | 01.06.2018
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Schlechteres Rating

Nächster schwarzer Tag für Deutsche Bank

Es will einfach nicht besser werden für Deutschlands größtes Geldhaus: Wie erwartet senkte die Ratingagentur S&P die Bonitätsnote für die Bank. Zudem droht Ärger in Australien. Bank-Chef Sewing gibt sich optimistisch.

Die Serie schlechter Nachrichten für die Deutsche Bank reißt nicht ab: Die mächtige Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat die Bonitätsnote des Geldhauses gekappt. Die Bewertung der Kreditwürdigkeit wurde um eine Stufe auf "BBB+"von "A-" gesenkt, wie S&P am Freitag mitteilte. Damit liegt die Einstufung zwar weiterhin im Investmentbereich, doch die Bonitätsbewertung ist nun zwei bis drei Stufen niedriger als die vieler Konkurrenten. Dem Institut drohen damit nun höhere Finanzierungskosten. Den Ausblick für das Rating erhöhten die Bonitätswächter auf "stabil" von "negativ".

In Aufsichtskreisen hieß es am Morgen, die Bank verfüge inzwischen über eine "gute Kapital- und Liquiditätsausstattung", wie eine Person mit Kenntnis der Beurteilung der Europäischen Zentralbank (EZB) Reuters sagte. Für den neuen Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing steht die Finanzstärke seines Hauses "auf Konzernebene außer Frage", wie er in einem Brief an die rund 97.000 Mitarbeiter klarstellte. "Es gibt keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen. (...) Wir werden beweisen, dass wir eine andere Bewertung an den Finanzmärkten verdient haben."

Deutsche Bank - Hauptversammlung (picture alliance / Andreas Arnol)

Seit Anfang April Chef der Deutschen Bank: Christian Sewing

Die Aktie erholte sich in Frankfurt etwas von ihren massiven Verlusten am Vortag und legte im frühen Handel um rund zwei Prozent zu. Sie notiert aktuell so niedrig wie zuletzt im Herbst 2016, als wegen einer drohenden Milliardenstrafe in den USA Zweifel an der Überlebensfähigkeit des Geldhauses laut wurden. Die Aktie hatte am Donnerstag mit 9,16 Euro so niedrig geschlossen wie nie zuvor.

Abstufung mit Ansage

S&P hatte die Überprüfung des Ratings der Deutschen Bank bereits Mitte April - kurz nach der Auswechslung des Vorstandschefs - angekündigt. S&P-Analyst Giles Edwards hatte Reuters dann gesagt, die Wahrscheinlichkeit einer Herabstufung liege "bei mindestens 50 Prozent". Auch Moody's prüft eine Herabstufung. Die dritte große Ratingagentur Fitch hat die Bonitätsnote und den Ausblick für die Bank nach dem Wechsel an der Spitze von John Cryan zu Christian Sewing dagegen nicht angerührt. Nach einer Herabstufung im September ist die Bewertung mit "BBB+" aber bereits eine Note schlechter als bei S&P und Moody's.

Der neue Chef hat der seit Jahren unter Druck stehenden Bank eine Schrumpfkur verordnet und sich zugleich von den globalen Ambitionen seiner Vorgänger verabschiedet. Sewing (48) will sich vor allem auf das Geschäft in Deutschland und Europa konzentrieren. Im zuletzt schwächelnden Investmentbanking hat er harte Einschnitte angekündigt - vor allem in den USA. Insgesamt soll die Zahl der Stellen der gesamten Bank von derzeit 97.100 auf "deutlich unter 90.000" sinken, wie er vor wenigen Tagen auf der Hauptversammlung in Frankfurt erklärte. Der Großteil der Stellenstreichungen - vor allem in den USA und Großbritannien - soll bis Ende Juni abgeschlossen sein.

Finanzierung wird teurer

Mit der nun veröffentlichten Herabstufung durch S&P drohen dem Geldhaus weiter steigende Finanzierungskosten. Für Banken spielen diese eine wichtige Rolle: Je günstiger sie sich refinanzieren können, desto höher sind die Margen bei den ausgereichten Krediten. Die Einstufungen der großen Ratingagenturen liegen bei der Deutschen Bank allesamt in der unteren Hälfte des Investmentbereichs und sind drei beziehungsweise vier Stufen vom Ramschbereich entfernt.

Am Donnerstag war durch einen Bericht des "Wall Street Journal" zudem bekannt geworden, dass die US-Notenbank Fed das amerikanische Geschäft der Deutschen Bank bereits vor einem Jahr als "in schwierigem Zustand" eingestuft hatte. Laut "WSJ" ist der sogenannte "Troubled Condition"-Status eine der schwächsten Bewertungen, die die Federal Reserve als Aufsichtsbehörde über die Großbanken vergibt. In der Konsequenz habe die Bank wichtige Personalentscheidungen zu US-Managern mit der Notenbank abstimmen müssen. Die Notenbank wollte sich dazu nicht äußern.

Ärger in Australien

In der Nacht zum Freitag wurde außerdem bekannt, dass der Deutschen Bank in Australien eine Kartellklage im Zusammenhang mit Vorwürfen gegen die Australia and New Zealand Banking Group (ANZ) droht. Es geht dabei um eine 2,3 Milliarden Dollar schwere Platzierung von Aktien im Jahr 2015. Australiens Wettbewerbsaufsicht ACCC teilte mit, es werde unter anderem Klage gegen die ANZ und zwei namentlich nicht genannte Unternehmen erhoben werden. Die Deutsche Bank und die Citigroup, zwei der drei Underwriter der ANZ, erklärten danach unabhängig voneinander, sie rechneten damit angeklagt zu werden. Alle drei Banken wiesen zugleich jegliches Fehlverhalten zurück. Eine Sprecherin der Deutschen Bank erklärte, das Institut beabsichtige, sich energisch gegen die Vorwürfe zu verteidigen.

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