Mykene-Ausstellung: Wie die erste Hochkultur Europas lebte | Kunst | DW | 28.11.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Archäologie

Mykene-Ausstellung: Wie die erste Hochkultur Europas lebte

Hochkarätige Kunstschätze der antiken mykenischen Hochkultur sind erstmals in Deutschland zu sehen. Das Badische Landesmuseum in Karlsruhe zeigt, wie die Mykener lebten, woran sie glaubten und womit sie sich schmückten.

Es ist die bislang größte kulturhistorische Ausstellung über das mykenische Griechenland - weltweit! Das Badische Landesmuseum in Karlsruhe verdankt sie seiner wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit Griechenland, dem es seit Jahren beim Kampf gegen illegalen Raub und Handel mit antiken Kulturgütern hilft. 

"Mykene - Die sagenhafte Welt des Agamemnon" präsentiert mehr als 400 Leihgaben, viele haben das geschichtsträchtige Land noch nie zuvor verlassen. "Wir machen die ganze mykenische Kultur erlebbar, von ihren Anfängen bis zu ihrem Untergang", sagt Dr. Bernhard Steinmann, Co-Kurator der Ausstellung.

Erste Hochkultur Europas

Die Zeit der Mykene - benannt nach einer der bedeutendsten Städte Griechenlands in vorklassischer Zeit - brachte zwischen 1600 und 1200 vor Christus die erste Hochkultur auf dem europäischen Festland hervor. Wichtige Kult- und Alltagsgegenstände aus dieser Epoche sind jetzt in Karlsruhe zu sehen. 

Sobald die Besucher den historischen Abguss des gewaltigen Löwentors passieren, tauchen sie ein in eine längst vergangene Zeit. Riesige Fotos dokumentieren die bahnbrechenden Ausgrabungen Mykenes. Bronzene Waffen zeugen von blutigen Kriegen und kostbare Grabbeigaben aus Gold und Silber erzählen von großen Reichtümern. Der in Originalgröße nachgebaute Thronraum, der sich an den überlieferten Grundrissen des Palastes von Pylos orientiert, versetzt die Besucher in die mykenische Welt, in der sie, wie einst der König, auf dem Thron Platz nehmen dürfen.

Homer als Wegweiser

Mehr als 400 antike Objekte erzählen vom Leben jener Hochkultur, die sich zwischen 1600 und 1200 vor Christus über Griechenland ausdehnte. Eine gewichtige Rolle spielte möglicherweise Paris, Sohn des trojanischen Königs Priamos, der die schöne Helena entführte und so den Zorn des Griechenkönigs Agamemnon auf sich zog: Homer schildert in seiner "Ilias" eindrucksvoll einen Abschnitt des Trojanischen Krieges. Heinrich Schliemann (1822-1890), Archäologe und Entdecker des bronzezeitlichen Troja, war fest vom Wahrheitsgehalt der Überlieferung überzeugt.

Löwentor in Mykene (picture-alliance/Fine Art Images/Heritage Images)

Heinrich Schliemann mit Kollegen bei den Ausgrabungen am Löwentor, dem Haupteingang zur antiken Stadt Mykene

1874 reiste er im Alter von 52 Jahren in das griechische Mykene, das Machtzentrum Agamemnons, und landete schon zwei Jahre später einen Sensationsfund. Bei seinen Ausgrabungen entdeckte er ein Grab mit drei Skeletten und zahlreichen Beigaben: Gefäße aus Gold, Silber und Bronze, Armbänder, Diademe, Schwerter, Lanzen. Die eigentliche Sensation jedoch bestand aus zwei kunstvoll gefertigten Goldmasken. In einer Maske sah Schliemann das Gesicht des sagenumwobenen Agamemnon. Er glaubte, auf das Grab des homerischen Helden gestoßen zu sein. Wissenschaftler stellten jedoch später fest: Das Grab kann nicht dessen letzte Ruhestätte sein. Die Masken aus dem mykenischen Grab sind 400 Jahre älter.

Eine blühende Hochkultur

Gab es den griechischen König nun wirklich? Das steht bis heute nicht zweifelsfrei fest. Die Stadt jedoch, die ihm Homer zugeschrieben hat, existiert tatsächlich. Imposante Trutzburgen aus Kyklopenmauern finden sich auch in Pylos, Athen, Tiryns und Theben, wo eindrucksvolle Wandmalereien aus spätmykenischer Zeit von der Jagd auf wilde Tiere, von kämpfenden Kriegern und Frauen in prachtvollen Gewändern erzählen. Große Paläste dienten als gesellschaftliche Knotenpunkte, von denen aus diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen mit anderen mykenischen Königreichen und fremden Kulturen gepflegt wurden.

Europas erste Bürokraten

Neben Architektur und Kunstgegenständen hat die mykenische Zivilisation auch Schrifterzeugnisse hinterlassen. Die auf Tontafeln überlieferten Texte zeugen dabei allerdings nicht von historischen Ereignissen, sondern von Transaktionen, Ein- und Ausgängen von Handelsgütern oder Verzeichnissen von Personengruppen. Sie dokumentieren ein hierarchisches, bürokratisches Verwaltungssystem. 

Rätselhafter Untergang

Vom 15. bis zum 12. Jahrhundert vor Christus dominierte die mykenische Kultur den Peloponnes. Doch nach nur 400 Jahren verschwand das Reich auf unerfindliche Art und Weise: Naturkatastrophen oder interne Kriege könnten den Niedergang ab 1200 vor Christus bewirkt haben. Die Wissenschaftler rätseln über die Gründe.

Das steinerne Löwentor in Mykene (Badisches Landesmuseum, Foto: Gaul)

Das monumentale Löwentor in Mykene galt als Symbol für Macht und Überlegenheit

Erhalten blieben mächtige Grabanlagen, opulenter Goldschmuck und eine Vielzahl an bronzenen Waffen. Grabbeigaben lassen Rückschlüsse auf die Lebensweise oder soziale Stellung der Bestatteten zu. Malereien und Gravuren auf Kunst- und Kultgegenständen dienen als Informationsquelle. Feinste Keramiken und filigraner Goldschmuck zeugen von hohem kunsthandwerklichen Geschick. Der Einfluss der minoischen Kultur auf Stil und Form ist unübersehbar. "Der mykenischen Kunst gelingt es, die Vorlagen aus dem minoischen Kreta abstrahierend umzusetzen und emblemhaft immer wieder neu zu verwenden", sagt Kurator Steinmann. 

Die Ausstellung "Mykene - Die sagenhafte Welt des Agamemnon" dauert vom 1. Dezember 2018 bis zum 2. Juni 2019. 

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema