Mutmaßliche iranische Cyberattacke auf US-Behörde | Aktuell Welt | DW | 05.01.2020
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Konflikt zwischen Iran und USA

Mutmaßliche iranische Cyberattacke auf US-Behörde

Erst vor zwei Tagen hatte ein hochrangiger US-Sicherheitsexperte vor möglichen iranischen Cyberangriffen gewarnt. Jetzt könnte es eine erste Attacke gegeben haben. Die Seite einer US-Behörde ist nicht mehr aufrufbar.

Die offizielle Website einer US-Behörde ist von mutmaßlichen iranischen Hackern gekapert worden. Auf der Seite der Behörde für die Verbreitung von US-Regierungspublikationen (FDLP) erschienen am Samstag der Schriftzug "Iranische Hacker" sowie Bilder des obersten iranischen Führers Ajatollah Ali Chamenei. Auf der Website wurde zudem Rache für den bei einem US-Drohnenangriff in Bagdad getöteten iranischen General Ghassem Soleimani gefordert.

Die Hacker hatten auf der Website auch eine Animation von US-Präsident Donald Trump platziert, auf den eingeschlagen wird, während iranische Raketen durch das Bild fliegen. Auch nach Soleimanis Tod würden dessen "Arbeit und sein Weg nicht enden", stand über der Animation. "Dies ist nur ein kleiner Teil der iranischen Cyber-Fähigkeiten", hieß es an einer weiteren Stelle auf der Website. 

Screenshot Fehlermeldung offizielle Website der US-Behörde zur Verbreitung von Regierungspublikationen (fdlp.gov)

Screenshot der Website der US-Behörde zur Verbreitung von Regierungspublikationen

Die für Cybersicherheit zuständige Abteilung des US-Heimatschutzministeriums bestätigte nach Angaben der Sender CBS und CNN, dass die Seite des Federal Depository Library Program verunstaltet worden sei. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass es sich um eine von staatlichen iranischen Stellen gelenkte Aktion gehandelt habe, sagte eine Sprecherin. Die Seite sei vom Netz genommen worden und derzeit nicht erreichbar. Der Schaden sei sehr gering gewesen, hieß es weiter. Die Hacker seien offensichtlich nicht über die Homepage hinaus gekommen. Es habe sich mehr um eine symbolische Aktion gehandelt, hinter der Sympathisanten der iranischen Regierung stecken könnten. Als Urheber firmierte demnach eine bislang nicht bekannte "Iran Cyber Security Group Hackers". 

Warnung vor möglichen Cyberangriffen

Erst am Freitag hatte ein führender US-Sicherheitsbeamter vor möglichen Cyberattacken des Iran als Vergeltung für die Tötung des Generals gewarnt. Als mögliche Ziele nannte er Öl- und Gasanlagen sowie Regierungsbehörden. Bereits in den Jahren 2012 und 2013 setzte das iranische Regime als Reaktion auf US-Sanktionen mutmaßlich staatliche Hacker auf us-amerikanische Seiten an, darunter die Internetportale der Bank of America und der New Yorker Börse. 

Irak Najaf | Trauernde tragen den Sarg von Soleimani (picture-alliance/AP Photo/A. Khalil)

Trauernde tragen den Sarg von Soleimani

Der Anführer der gefürchteten Al-Kuds-Brigaden, Soleimani, war am frühen Freitagmorgen durch einen von Trump angeordneten US-Drohnenangriff in der Nähe des Bagdader Flughafens getötet worden. Trump nannte den iranischen General den weltweiten "Terroristen Nummer 1". Soleimani habe einen unmittelbar bevorstehenden Angriff auf US-Bürger im Irak geplant.

Die iranische Führung kündigte "schwere Vergeltung" für den Tod Soleimanis an. Trump warnte Teheran am Samstag vor Angriffen auf US-Bürger oder US-Einrichtungen. Sollte es dazu kommen, werde sein Land 52 iranische Ziele angreifen, erklärte der US-Präsident im Kurzbotschaftendienst Twitter.

bri/stu (afp, ap)