Mosambik: ″Manche haben seit vier Wochen nichts gegessen″ | Politik | DW | 19.04.2019
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Afrika

Mosambik: "Manche haben seit vier Wochen nichts gegessen"

Im März zog der Zyklon Idai über Südostafrika. Mehr als 1000 Menschen starben. Auch jetzt noch kämpfen Millionen Menschen vor Ort ums Überleben, wie Ninja Taprogge von der Organisation CARE im DW-Interview berichtet.

Deutsche Welle: Sie sind derzeit in Mosambik, dem Land, das von Zyklon Idai am stärksten betroffen war. Wie erleben Sie die Situation vor Ort?

Ninja Taprogge: Die Situation in Mosambik ist immer noch dramatisch. Ich komme gerade aus der Region Beira. Dort steht immer noch vielerorts das Wasser. Wir waren vor wenigen Tagen in der Provinz Burmesen, in einem kleinen Dorf namens Guarda Guarda. Dort hatten die Menschen noch überhaupt keine Hilfe erhalten. Wir haben dort als CARE an 2000 Familien Lebensmittel verteilt. Jede Familie hat 30 Kilo Reis, fünf Kilo Bohnen und zwei Liter Öl bekommen.

Was erzählen Ihnen die Menschen vor Ort?

Ich habe mit einer Frau gesprochen, die seit Wochen schon nur den Mais gegessen hat, den sie noch auf ihrem Feld gefunden hat. Die Region rund um das Dorf war komplett überflutet. Sie hat mir den Mais auch gezeigt. Er hat schlecht gerochen und war auch total dreckig. Sie hat mir davon berichtet, dass eines ihrer Kinder inzwischen Bauchschmerzen hat und an einer Durchfallerkrankung leidet. Wir haben dann auch die Felder besichtigt - sie waren alle komplett zerstört.

Wie sehen die Lebensumstände der Menschen aus?

Viele leben in Notunterkünften. Die Regierung hat gerade heute noch einmal neue Zahlen herausgegeben. Die Menschen leben auf engstem Raum zusammen. Mehr als 240.000 Häuser sind stark beschädigt oder zerstört worden.

Es wird noch sehr sehr lange dauern, bis sie wieder aufgebaut werden können. Wir von CARE leisten Hilfe, indem wir Planen und Seile an die Familien verteilen. Damit können sie wenigstens temporäre Unterkünfte bauen. Auch die gesamte Infrastruktur ist vom Zyklon Idai sehr stark betroffen. Viele Schulen sind zerstört worden. Da leisten wir Hilfe, indem wir Zelte aufbauen, damit der Unterricht für die Kinder wieder stattfinden kann.

Welche Krankheiten bereiten sonst die größten Probleme?

Vor allem Malaria. In temporären Unterkünften oder auch Familien, die im Freien schlafen, sind auf Moskitonetze angewiesen, um sich vor der Krankheit zu schützen. Die Ausbreitung der Krankheit bereitet uns und anderen Hilfsorganisationen momentan große Sorgen.

Was glauben Sie wie lange Sie als CARE dort vor Ort noch aktiv sein müssen? Und wie lange werden Sie noch die Mittel zur Verfügung stellen können?

Das größte Problem bleibt, dass die Felder komplett zerstört sind. Es handelt sich dabei nach Schätzung von Experten um über 700.000 Hektar Ackerland, die durch die Fluten beschädigt worden sein sollen. Es ist wichtig jetzt akut Hilfe zu leisten, weil manche Menschen seit vier Wochen nichts gegessen haben. Wir müssen genau jetzt Lebensmittel verteilen.

Aber wir müssen eben auch länger vor Ort sein. Die Menschen müssen genügend Saatgut zur Verfügung haben, damit sie ihre Felder wieder bestellen können. Momentan ist diese Krise komplett unterfinanziert. Nur 23 Prozent der geforderten 250 Millionen Euro sind von den Vereinten Nationen zugesichert worden. Das ist viel zu wenig und bereitet uns als Hilfsorganisationen wirklich Sorge.

Was muss jetzt ganz konkret passieren innerhalb der nächsten Monate?

Wir brauchen Geld, um weiterhin akute Hilfe zu leisten, aber eben auch, um zu bauen und um die Menschen dabei zu unterstützen, ihre Häuser wieder herzurichten. Wir müssen den Leuten etwas an die Hand geben, damit sie ihre Felder wieder bewirtschaften und so ein Einkommen für ihre Familien sichern können.

 

Ninja Taprogge arbeitet als Medienreferentin für die Hilfsorganisation CARE Deutschland. Derzeit hält sie sich in Mosambik auf, um die Arbeit von CARE vor Ort zu dokumentieren.

Das Interview führte Friedel Taube.

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