Mord an Studentin in Freiburg: Lebenslange Haft für Hussein K. | Deutschland | DW | 22.03.2018
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Urteil

Mord an Studentin in Freiburg: Lebenslange Haft für Hussein K.

2016 hat der Geflüchtete Hussein K. in Freiburg eine Studentin vergewaltigt und umgebracht. Dafür wurde er jetzt zu lebenslanger Haft verurteilt. Alter und Herkunft des jungen Mannes sind nach wie vor unklar.

Die Zeit, in der Freiburg im Breisgau nur eine idyllische Studentenstadt im Schwarzwald war, war mit dem Fall von Hussein K. abrupt zu Ende. Der junge Flüchtling hatte nach seiner Festnahme zugegeben, im Herbst 2016 die 19-jährige Medizinstudentin Maria Ladenburger bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt, vergewaltigt und anschließend im Fluss Dreisam ertränkt zu haben. Die Bevölkerung der Stadt stand sichtlich unter Schock, gerade auch, weil sich im weltoffenen Freiburg besonders viele für Flüchtlinge und deren Integration engagieren. Eine mitunter hasserfüllte Debatte entbrannte, über Gewaltexzesse junger Zuwanderer - und über deren Integrationsdefizite.

Urteil: Lebenslange Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung

Kaum verwunderlich, dass der Gerichtsentscheidung am Landgericht Freiburg eine bundesweite Bedeutung zukommt. Am Donnerstag stand fest: Die Richter verurteilen Hussein K. wegen Mord und besonders schwerer Vergewaltigung zu einer lebenslangen Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung. Ein vorzeitiges Ende der Strafe nach fünfzehn Jahren wurde von den Richtern - aufgrund der Schwere der Schuld - ausgeschlossen. Damit verhängte das Gericht die Höchststrafe, die Zuschauer im Gerichtssaal applaudierten. Zur Anwendung kam das Erwachsenenstrafrecht, weil das Gericht es als zutreffend ansah, dass Altersgutachten den Asylbewerber auf mindestens 22 Jahre oder älter eingestuften. Das Alter des Angeklagten war damit ein zentrales Thema im Prozess. Seine Herkunft, bei der immer wieder von Afghanistan die Rede war, ist weiter nicht abschließend geklärt. Wie ein Katalysator für die Wutdebatte wirkte, dass Hussein K. die Behörden sowohl über sein Alter wie auch seine Herkunft getäuscht hatte. Er kam ohne Papiere. Damit wollte er womöglich eine Vorstrafe verschleiern, die er von einem Gewaltdelikt aus Griechenland mitbrachte. Später räumte er ein, gelogen zu haben.

Freiburg Urteil erwartet im Prozess gegen Hussein K. (picture-alliance/dpa/P. Seeger)

Gedenken an Maria Ladenburger in Freiburg

Rückblick: Gewaltverbrechen in Griechenland, Haft, Weiterreise nach Deutschland

Die Details im Fall von Hussein K. zeigen viele Abgründe - und exemplarisch die Mängel im europäischen Asylsystem. Alles beginnt im Januar 2013: Damals kam Hussein K. nach Europa. In Griechenland gibt er sich als junger Afghane aus, lebt eine Zeit lang illegal auf Korfu. Schon zu dieser Zeit begeht er an einer Studentin ein Gewaltverbrechen, wirft sie von einer Klippe. Die Frau überlebt schwer verletzt. Im Februar 2014 wird er dafür in Griechenland wegen versuchten Mordes zu zehn Jahren Haft verurteilt. Wegen überfüllter Gefängnisse in Europas Krisenherd Griechenland wird er wenige Monate später vorzeitig entlassen. Im November 2015 macht er sich nach Freiburg auf. Dort stellt er einen Asylantrag, gibt sich als vermeintlich unbegleiteter Minderjähriger aus. Papiere besitzt er keine, weshalb die deutschen Behörden nichts von seiner kriminellen Vorgeschichte ahnen. Hussein K. lebt fortan bei einer Pflegefamilie und untersteht der Obhut des Jugendamtes.

Röntgenbild - Hand (picture-alliance/ROPI)

Der Geflüchtete Hussein K. täuschte die deutschen Behörden bei Herkunft und Altersangabe. Die Röntgenaufnahme seiner Knochen soll laut Gutachten beweisen, dass er mindestens 22 Jahre als ist. (Symbolbild)

Im Oktober 2016 wird in Freiburg die Leiche einer 19-Jährigen Studentin gefunden, die später als Maria Ladenburger identifiziert werden konnte. Sie wurde nachts bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und vergewaltigt, und ertrank anschließend im Fluss Dreisam. Zwei Monate nach dem Verbrechen wird Hussein K. als Verdächtiger von der Polizei festgenommen. Er gibt an, 17 Jahre alt zu sein, womit er unter das mildere Jugendstrafrecht fallen würde. Mehrere Altersgutachten wecken Zweifel an diesen Angaben und bestimmen sein Alter letztlich auf mindestens 22 Jahre.

Boris Palmer: "Ganz offensichtlich gibt es spezifische Risiken"

Auch wenn das Urteil jetzt Klarheit schafft: erledigt ist der Mordfall damit nicht. Einwanderungskritiker sehen im Fall Hussein K. einen weiteren Beleg dafür, dass die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf ganzer Linie gescheitert ist. Als ein Massenphänomen lässt sich Gewaltkriminalität mit Blick auf das Lagebild des Bundeskriminalamtes allerdings nicht darstellen. Im Bericht zur "Kriminalität im Kontext von Zuwanderung" wird dargelegt, dass in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres 0,16 Prozent der von Zuwanderern begangenen Straftaten eine Gefahr für Leib und Leben mit sich brachten. 

Lit.Cologne - Boris Palmer Autor (picture-alliance/dpa/H. Galuschka)

Boris Palmer, grüner Oberbürgermeister von Tübingen, will die Debatte um die Gewalt junger, männlicher Migranten versachlichen. Vor allem seine eigene Partei kritisiert ihn für seine Lösungsansätze.

Boris Palmer, meinungsstarker Oberbürgermeister der Universitätsstadt Tübingen nordöstlich von Freiburg, wünscht sich angesichts dieser Zahlen die Rückkehr zu einer sachlichen Debatte. "Bisher ist diese nicht mehr möglich, weil sie von den Extremen gekapert wurde", sagte Palmer im Interview mit der DW. Während die einen unterstellen würden, dass diese Delikte generalisierbar seien, würden die anderen immer nur von Einzelfällen sprechen, kritisiert der grüne Oberbürgermeister. "Ich halte beide Pole für falsch". Beide Extrem-Positionen ließen sich ohnehin schnell durch einen Faktencheck widerlegen, merkt er an. So sei der Prozentsatz der Migranten, die tatsächlich Straftaten wie Vergewaltigungen begehen würden, wie vom BKA ausgewiesen verschwindend gering. "Eine Generalisierung verbietet sich da", sagt Palmer. Und gleichzeitig lasse sich angesichts vieler Vorfälle ein "spezifisches Risiko" von jungen, unbegleiteten Migranten nicht leugnen. 

Eltern der getöteten Studentin gründen Stiftung 

Die Reaktion der Eltern der getöteten Studentin Maria Ladenburger gibt Hoffnung, dass der Kreislauf von Polarisierung, Hass und Gewalt durchbrochen werden kann. Am Tag vor der Urteilsverkündung gaben sie bekannt, eine Stiftung im Gedenken an ihre Tochter ins Leben zu rufen. Die Maria-Ladenburger-Stifung soll vor allem Studenten mit Behinderung und Erkrankung unterstützen. Das Startvermögen von 100.000 Euro wurde in Teilen auch vom Alumni-Verein der Universität Freiburg aufgebracht. Zudem soll ausländischen Studierenden die Integration an der Universität erleichtert werden. So wolle man "ein Zeichen der Mitmenschlichkeit setzen", betonten die Eltern Friederike und Clemens Ladenburger.

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