Mord an George Floyd: Ein Urteil, das die Menschen bewegt | Amerika - Die aktuellsten Nachrichten und Informationen | DW | 21.04.2021
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Polizeigewalt in den USA

Mord an George Floyd: Ein Urteil, das die Menschen bewegt

Die Verurteilung des Ex-Polizisten Derek Chauvin wegen des Mordes an George Floyd hat viele Menschen in den USA berührt. Ein Blick auf Jubel, Erleichterung - und anhaltende Wut.

USA Reaktionen auf das Urteil von Derek Chauvin

Tränen der Erleichterung nach dem Urteil, auch bei der Aktivistin Jennifer Starr Dodd in Minneapolis

Zahlreiche Menschen warten am Dienstag vor dem Gericht in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota, bangen über Stunden, beten, schweigen - oder spekulieren über den Ausgang des Prozesses im Inneren des Gebäudes.

USA Prozess George Floyd | Derek Chauvin Demonstration

Gebete während der Jury-Beratungen: Der Rechtsanwalt der Familie George Floyds, Ben Crump (l.), mit dem Bruder Rodney Floyd (M.) und dem Bürgerrechtler Al Sharpton (r.)

Dort wird über den ehemaligen Polizisten Derek Chauvin entschieden. Es geht um die Tötung des Afroamerikaners George Floyd, der vor einem knappen Jahr bei einem Polizeieinsatz qualvoll erstickte. Chauvin hatte, obwohl Floyd um Luft rang, nicht von ihm abgelassen, sondern ihm - halb auf ihm sitzend - sein Knie weiter in den Nacken gedrückt. Die Tat wurde auf Videos dokumentiert. 

USA Reaktionen auf das Urteil von Derek Chauvin

Ein Elfjähriger und seine Mutter nehmen im texanischen Houston an einer Mahnwache teil

Der gewaltsame Tod hatte nicht nur die gesellschaftliche Debatte um Polizeigewalt und Rassismus in den Vereinigten Staaten angeheizt, sondern war auch Katalysator der "Black Lives Matter"- Bewegung. Überall auf der Welt gingen Menschen auf die Straße.

Auch der Tag des Urteils ist für viele US-Amerikaner ein wichtiges Datum, um in Minneapolis und vielen weiteren US-Städten gegen Rassismus zu demonstrieren.  

USA I Prozess um den Tod von George Floyd steht vor dem Abschluss

Gedenken an George Floyd in Minneapolis am Tag der Urteilsverkündung

Schließlich die erlösende Botschaft: Schuldspruch für Chauvin - und Jubel und Tränen bei den Demonstranten. Viele liegen sich weinend in den Armen, andere skandieren "schuldig, schuldig, schuldig". "Es ist ein kleiner Sieg, aber ich fühle so viel Stolz und Freude über diesen Sieg", sagt eine Demonstrantin in einem Fernsehinterview. Eine andere Frau erklärt, sie hoffe, es werde nie "wieder einen Fall George Floyd" geben. 

USA Reaktionen Urteil Floyd-Prozess

"I can't breathe" - die letzten Worte George Floyds wurden, wie hier in New York, zum Slogan der Proteste

Den ganzen Tag hatten die zwölf Geschworenen beraten. Nach weniger als elf Stunden kamen sie zum Urteil und befanden Chauvin in allen drei Anklagepunkten für schuldig - einstimmig.

Der schwerwiegendste davon lautete Mord zweiten Grades ohne Vorsatz. Das genaue Strafmaß steht jedoch noch nicht fest, in jedem Fall droht eine lange Gefängnisstrafe. Der 45-Jährige nahm das Urteil regungslos zur Kenntnis. Direkt nach der Urteilsverkündung wurde er in Handschellen abgeführt. 

Murder trial of former Minneapolis police officer Derek Chauvin

Wie hoch die Haftstrafe für Derek Chauvin ausfallen wird, steht noch nicht fest

"Der Familie von George Floyd ist endlich schmerzhaft verdiente Gerechtigkeit widerfahren" erklärt der Anwalt der Familie, Ben Crump im Anschluss. Das Urteil sei ein "Wendepunkt" in der Geschichte. Es sende die "klare Botschaft", dass Polizisten für Fehlverhalten zur Verantwortung gezogen werden müssten.

USA Reaktionen auf das Urteil von Derek Chauvin

Musikkonzert in Minneapolis: Der Gitarrist widmete seinen Song einem der Brüder des ermordeten George Floyd

Floyds Bruder Rodney sagt der Nachrichtenagentur AFP, das Urteil sei für alle Schwarzen in den USA "sehr wichtig". "Wir brauchten einen Sieg in diesem Fall und wir haben ihn bekommen - und, hey, vielleicht können wir jetzt ein kleines bisschen besser atmen", fügt er hinzu. 

US-Präsident Joe Biden begrüßte den Schuldspruch, rief aber zugleich zu weiterem Kampf gegen Rassismus und Polizeigewalt auf. Struktureller Rassismus sei "ein Schandfleck auf der Seele unserer Nation" Mit Blick auf Floyds Familie betonte er: "Nichts kann jemals ihren Bruder, ihren Vater zurückbringen. Aber dies kann ein riesiger Schritt vorwärts auf dem Marsch zur Gerechtigkeit in Amerika sein." Nötig dafür seien allerdings echter Wandel und echte Reformen.

USA Reaktionen Urteil Floyd-Prozess

Demonstrationen nach dem Urteilsspruch gab es auch in US-Städten wie New York

Noch am Tag der Urteilsverkündung erschüttert ein möglicher neuer Fall "George Floyd" die USA. Wie die Polizei in der Stadt Columbus im US-Bundesstaat Ohio mitteilte, erschoss ein Polizist die 16-jährige Ma'Khia Bryant, die anscheinend eine andere Jugendliche mit einem Messer bedroht hatte. Die Behörden wollten "transparent mit dem Vorfall" umgehen, sagte Columbus' Polizeichef Michael Woods dazu. In der Stadt kam es nach dem Tod der Jugendlichen zu Demonstrationen.

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