Mobile World Congress in Barcelona wegen Corona abgesagt | Wirtschaft | DW | 12.02.2020
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Corona-Krise

Mobile World Congress in Barcelona wegen Corona abgesagt

Die weltweit wichtigste Mobilfunk-Messe MWC in Barcelona findet in diesem Jahr wegen der Coronavirus-Gefahr nicht statt. Das teilten die Veranstalter mit. Anderswo profitieren Hi-Tech-Firmen von der Krise.

In einer Stellungnahme von Messechef John Hoffman hieß es, die weltweite Sorge bezüglich des Ausbruchs der Coronavirus-Krankheit, Bedenken bei Reisen und andere Umstände machten es unmöglich, an dem Ereignis festzuhalten. Das teilte die Mobilfunk-Anbieter-Vereinigung (GSMA) mit. Zuvor hatten viele große Aussteller angekündigt, dem für Ende Februar angesetzten Branchentreff fernzubleiben.

Allein am Mittwoch teilten die Deutsche Telekom, Vodafone, der Netzausrüster Nokia und der Smartphone-Hersteller HMD Global mit, dass sie nicht an der Veranstaltung teilnehmen würden. Die GSMA, die den Mobile World Congress (MWC) organisiert, berief daraufhin laut spanischen Medienberichten eilig eine Telefonkonferenz ihrer Mitglieder ein. Noch am Wochenende hatte die GSMA betont, die Messe solle trotz der Coronavirus-Sorgen wie geplant vom 24. bis 27. Februar stattfinden - allerdings mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen. Am Dienstag hatten bereits Facebook, Cisco, der Chipriese Intel, der US-Telekomkonzern AT&T und der chinesische Smartphone-Anbieter Vivo ihre Teilnahme zurückgezogen. 

MWC Mate X pro (DW/K. Ferguson )

Barcelona im vergangenen Jahr: Besucher beim Mobile World Congress

Der MWC gilt als die weltweit wichtigste Veranstaltung der Mobilfunkbranche und ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Zunächst rechneten die Veranstalter in diesem Jahr mit mehr als 100.000 Besuchern und mehr als 2800 Ausstellern. Auch mehrere tausend Besucher aus China waren erwartet worden. Die Messe bringt der Wirtschaft von Barcelona im Jahr rund 500 Millionen Euro Umsatz.

An dem Corona-Virus sind inzwischen mehr als tausend Menschen gestorben.  Allen Reisenden aus der chinesischen Krisenprovinz Hubei sollte ersten Plänen zufolge der Zugang zum Mobile World Congress verwehrt werden. Personen, die sich in China aufgehalten haben, müssten den Nachweis erbringen, dass sie das Land vor mindestens 14 Tagen verlassen haben.

Homeoffice in Krisenzeiten 

In China selbst ist das Wirtschaftsleben weiter empfindlich getroffen, Besserung ist nicht in Sicht. Hunderte Millionen von Beschäftigten fehlen in Fabriken, Büros, Geschäften, Laboren, Schulen und Universitäten. Die Regierung versucht, die Menschen zur Homeoffice-Arbeit zu bringen, wo das möglich erscheint. Das hat zu einem Boom für Technologiefirmen geführt.

China Lebensmittelgeschäft in Tangshan Provinz Hebei (Reuters/China Daily)

Lebensmittelhandel in Tangshan, in der Provinz Hebei

Besonders gefragt sind Plattformen von Telekom-Riesen wie Alibaba, Tencent oder Huawei. Tencent bietet eine App für Bürokommunikation (WeChat Work) an und berichtet, die Nachfrage danach habe sich innerhalb weniger Tage verzehnfacht. Huawei spricht für seine WeLink-Plattform von einer fünfzigfachen Steigerung der Nachfrage auf Jahresfrist gerechnet. Täglich kämen eine Million neue Nutzer dazu.

Alibaba mit dem eigenen Service DingTalk teilte chinesischen Staatsmedien mit, rund 200 Millionen Menschen würden den Dienst nutzen – mehr als je zuvor in den letzten fünf Jahren.

Der Anbieter iTutorGroup aus Schanghai verzeichnete einen Zuwachs von 215 Prozent. Die Firma bietet Online-Kurse an. Ihr Chef Eric Ynag berichtete: "Wir haben gerade einer Kunstschule dabei geholfen, Online-Mal-Klassen zu organisieren. Eine Musikschule unterstützen wir dabei, virtuelle Schulklassen zu öffnen."

Ermunterung per Chat

Das kommunistische Regime unterstützt diese Bestrebungen offenbar. Das Staatsfernsehen zeigte Partei- und Staatschef Xi Jiping am Montag, wie er via Huawei WeLink versucht, Ärzte in Wuhan in ihrer Arbeit zu bestärken. Es gibt in China rund 850 Millionen Menschen, die das Internet mobil nutzen.

Foxconn, der Telekomzulieferer aus Taiwan, äußerte die Hoffnung, die Hälfte seiner Produktion in China Ende des Monats wieder aufnehmen zu können. Im März könnten es 80 Prozent sein, gab der weltweit größte Elektroniklieferant bekannt, der unter anderem für Apple produziert.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte unterdessen vor den Folgen der Corona-Krise für die Regionen Asiens. Es sei zwar noch zu früh, um die Auswirkungen des Coronavirus-Ausbruchs auf die asiatischen Volkswirtschaften zu bewerten, sagte der Direktor der IWF-Abteilung Asien und Pazifik, Changyong Rhee. Aber das Virus habe die Risiken für die Wachstumsaussichten der Region erhöht: "(Wir) wollen nicht leugnen, dass dieses Ereignis definitiv ein Abwärtsrisiko in sich trägt. Vor allem für Länder, die enge Beziehungen zu China unterhalten", sagte Rhee.

China Coronavirus Symbolbild (Getty Images/AFP)

Fabrikarbeiterinnen in Nantong, in der chinesischen Provinz Jiangsu.

Durch das Virus in die Rezession?

Taiwan kappte wegen möglicher Folgen des Coronavirus bereits die Wachstumsprognose für 2020. Das Bruttoinlandsprodukt werde wohl nur um knapp 2,4 Prozent zulegen und nicht wie bisher erwartet um gut 2,7 Prozent, teilte die Regierung in Taipeh mit.

Für Deutschland warnten Ökonomen der Deutschen Bank, das Virus könne zu einer Rezession im Land führen. "Wir rechnen damit, dass das Coronavirus das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 0,2 Prozentpunkte dämpfen wird", heißt es in einer Studie. Damit sei "eine technische Rezession im Winterhalbjahr zunehmend wahrscheinlich". Technisch ist von einer Rezession die Rede, wenn die Wirtschaft zwei Quartale in Folge schrumpft. Bereits Ende 2019 schwächelte die Wirtschaftsleistung in Deutschland. Erste genaue Daten für das letzte Quartal sollen am Freitag bekanntgegeben werden.

ar/hb/kle (dpa, ap, rtr)

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