Mit Lichtern gegen Fremdenhass | Aktuell Deutschland | DW | 17.10.2015
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Aktuell Deutschland

Mit Lichtern gegen Fremdenhass

Nach dem Attentat von Köln hätte der Protest in Berlin kaum aktueller sein können. Denn der Messerangriff auf die Kandidatin für die Kölner Oberbürgermeisterwahl ist wohl aus fremdenfeindlichen Gründen erfolgt.

30 Kilometer lang sollte die Lichterkette werden, mit der die Berliner ein Zeichen gegen den Fremdenhass setzen wollten. Auch wenn es einige dunkle Lücken gab: Tausende wollten mit Kerzen und Feuerzeugen zeigen, dass sie nach wie vor zu Flüchtlingen stehen. Pfarrer Peter Kranz vom Ökumenischen Zentrum in Berlin sprach von mehr als 20.000 Teilnehmern, die Polizei zählte bis zu 8.000 Menschen.

Die Aktion wurde von Organisationen, Parteien, Gewerkschaften und Verbänden unterstützt. Die Idee dazu war im August entstanden, als bundesweit mehrere Unterkünfte brannten, in denen Asylbewerber untergebracht werden sollten. Die Lichterkette zog sich für rund 15 Minuten auf der West-Ost-Achse quer durch Berlin.

Stiller Protest auch in Köln

Nach dem Attentat von Köln setzten die Spitzen der Landespolitik ebenfalls ein Zeichen gegen Gewalt. In Köln bildeten NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), NRW-CDU-Chef Armin Laschet, der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner sowie Grünen-Politiker mit vielen Bürgern eine Menschenkette. "Wir stehen hier zusammen als Demokraten, um ein Zeichen zu setzen gegen diese verabscheuungswürdige Tat", sagte Kraft.

Der Messerstecher, der die Kölner Oberbürgermeister-Kandidatin Henriette Reker lebensgefährlich verletzt hatte, handelte aus vermutlich fremdenfeindlichen Motiven. Nach seiner Festnahme habe der Täter allgemeine Angaben zur Flüchtlingspolitik gemacht, berichtet die Polizei. Nach unbestätigten Informationen des Nachrichtenportals "Spiegel online" soll der Angreifer in den 1990er Jahren bei einer Neonazi-Gruppe, der Freiheitlichen Deutschen Arbeitspartei (FAP), mitgemacht haben. Zuletzt sei der Mann mit ausländerfeindlichen Kommentaren im Internet aufgefallen, heißt es unter Berufung auf Behörden.

Die Sicherheitsbehörden haben den Verdächtigen demzufolge in ihren Datenbeständen bislang nicht finden können. "Wir haben keine Erkenntnisse zu seiner Person", sagte Kölns Kripochef Norbert Wagner. Der mutmaßliche Täter soll in seiner Vernehmung ausgesagt haben, er sei vor 20 Jahren in der rechten Szene aktiv gewesen, seither aber nicht mehr.

Henriette Reker ist nach einer Notoperation außer Lebensgefahr. Die Ärzte wollen sich frühestens am Sonntagnachmittag wieder zu ihrem Zustand äußern. Die OB-Wahl findet trotz des Attentats an diesem Sonntag statt.

rb/sc (afp, epd, dpa, rtr)