Mit Immuntherapie schwarzen Hautkrebs bekämpfen | Wissen & Umwelt | DW | 29.06.2021
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Krebsforschung

Mit Immuntherapie schwarzen Hautkrebs bekämpfen

Wenn der Tumor erst einmal gestreut hatte, war die Diagnose "schwarzer Hautkrebs" vor einigen Jahren noch ein Todesurteil. Die Immuntherapie hat das geändert. Sie unterstützt das Immunsystem tatkräftig.

Melanoma - Illustration der Krebszellen

Krebszellen haben tückische Mittel, um sich im Körper auszubreiten

Viele Patienten mit schwarzem Hautkrebs setzen große Hoffnung in die Immuntherapie. Sie ist mittlerweile bei dieser aggressiven Krebsart eine etablierte Form der Behandlung, neben weiteren zielgerichteten Therapien. "Im Moment geht man davon aus, dass etwa ein Viertel bis ein Drittel der Patienten tatsächlich auf die Immuntherapie anspricht", erklärt Susanne Weg-Remers vom Krebsinformationdienst des DKFZ, des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg.

"Es gibt Patienten, die Dank der Immuntherapie jetzt schon Jahre mit ihrer fortgeschrittenen Tumorerkrankung leben, während es davor ganz klar war, dass Patienten mit einer solchen Erkrankung nur noch eine sehr begrenzte Prognose von vielleicht einigen Monaten hatten." 

Die üblen Tricks der Krebszellen

Eigentlich sollte das Immunsystem Krebszellen erkennen. Je stärker die Veränderungen im Vergleich zu gesundem Gewebe sind, umso leichter ist es für das Immunsystem, das zu schaffen und die gefährlichen Zellen zu bekämpfen. Sobald die Abwehrzellen unseres Immunsystems gefährliche Tumorzellen irgendwo im Körper aufspüren, könnten sie diese direkt angreifen.

Illustration Krebszelle

Krebszellen haben die Fähigkeit, dem Immunsystem auszuweichen

Krebszellen aber arbeiten oft mit üblen Tricks. Sie verändern sich ständig, verstecken sich und entwischen so den gängigen Mechanismen. Das Immunsystem bleibt untätig, wenn es die Krebszellen nicht erkennt. Diese wachsen ungehindert weiter und breiten sich aus.

Verantwortlich dafür sind die sogenannten Checkpoint-Signale, die von den Krebszellen ausgesendet werden. Sie modulieren die Immunreaktion und können diese dämpfen, also bremsen. Um das zu ändern, werden bei der Immuntherapie Immuncheckpoint-Inhibitoren eingesetzt. Sie blockieren mithilfe von Antikörpern die heimtückischen Signale der Krebszellen und können so die Bremswirkung der Krebszellen aufheben.

Die Abwehrzellen haben freie Bahn und können in Aktion treten. Die Inhibitoren verhindern, dass die Immunantwort unterdrückt wird, können das Immunsystem reaktivieren und es wieder funktionstüchtig machen. 

Immuntherapie im fortgeschrittenen Krebsstadium

Vor allen Dingen Patienten mit fortgeschrittenem, schwarzem Hautkrebs oder Lungenkrebs, aber auch mit einigen selteneren Tumorerkrankungen kommen für eine Immuntherapie infrage. Dabei kann es zu erheblichen Nebenwirkungen kommen.

Dazu gehören unter anderem überschießende Immunreaktionen. Diese können sich beispielsweise an der Haut zeigen. Sie können Hautausschläge und Leberveränderungen hervorrufen, genauso wie Durchfälle oder Veränderungen im Hormonsystem. 

Krankenpfleger legt Patienten eine Infusion

Medikamente werden als Infusion oder als Tablette verabreicht

Dennoch gilt die Immuntherapie als recht erfolgreiche Therapieform.  Den meisten Patienten macht die Möglichkeit einer Immuntherapie Hoffnung. Daneben gibt es noch eine Reihe neuer zielgerichteter Medikamente, die bei fortgeschrittenem schwarzen Hautkrebs oder Lungenkrebs in bestimmten Erkrankungssituationen eingesetzt werden können.

"Durch die neuen Medikamente", so Weg-Remers, "erhalten diese Patienten eine zusätzliche Behandlungs- und Erfolgsoption. Wenn sich die Medikamente in klinischen Studien als wirksam erweisen und einigermaßen akzeptable Nebenwirkungen haben, erhalten sie zunächst einmal eine Zulassung bei fortgeschrittener Erkrankung. Um sie bei Menschen mit örtlich begrenztem Krebs einzusetzen, müssen noch weitere Studien durchgeführt werden."

Kein Patient reagiert wie der andere

Die Wissenschaftler wollen zum Beispiel genau untersuchen, warum einige Patienten auf eine Immuntherapie ansprechen, andere wiederum nicht und was getan werden könnte, damit sie bei möglichst vielen Patienten funktioniert.

Ein dunkles Muttermal auf weißer Haut

Im Anfangsstadium wirkt schwarzer Hautkrebs oft recht harmlos

Noch lässt sich nicht jeder Krebs mit einer Immuntherapie behandeln. "Man hat Immuncheckpoint-Inhibitoren beispielsweise auch schon in klinischen Studien bei Prostatakrebs, Darmkrebs oder Brustkrebs eingesetzt. Allerdings gab es nur in wenigen Erkrankungssituationen Erfolge", sagt Weg-Remers. Noch sind vor allem der schwarze Hautkrebs und Lungenkrebs Erkrankungen, bei denen die Therapie in vielen Fällen erfolgreich ist. 

Immuntherapie bietet viele Ansätze

Die Immuncheckpoint-Inhibitoren sind nur eine Form der Immuntherapie. Impfungen sind eine weitere Möglichkeit. Diese dienen nicht dazu, den Krebs zu verhindern, sondern ihn zu behandeln. "Es wird beispielsweise an sogenannten therapeutischen Impfungen geforscht. Sie werden eingesetzt, wenn der Krebs schon da ist. In der Grundlagenforschung sind Impfungen bereits untersucht und es gibt auch schon erste klinischen Studien", so Weg-Remers. Teilweise seien die ersten Ergebnisse vielversprechend. 

Insgesamt aber fehlen noch Daten, um beurteilen zu können, ob und inwieweit solche Impfungen den Patienten langfristig helfen. Das sei Gegenstand weiterer, intensiver Forschung, sagt Weg-Remers. 

Hautarzt untersucht Patientin

Bei der Hautkrebsvorsorge kann der Arzt bereits kleine Veränderungen erkennen

Überlebenschancen beim schwarzem Hautkrebs hoch

Der schwarze Hautkrebs ist ein besonders hinterhältiger und aggressiver Krebs. Oft beginnt die Erkrankung kaum merkbar, zum Beispiel mit einem kleinen schwarzen Fleck. Diesen erkennt die betroffene Person vielleicht erst einmal gar nicht, wenn er zum Beispiel am Rücken erscheint, oder aber sie macht sich keine großen Sorgen um diese kleine Hautveränderung.

Im schlimmsten Fall kommt dann irgendwann die Diagnose 'schwarzer Hautkrebs'. Bis dahin aber kann sich der aggressive Krebs bereits weiter ausbreiten, und es können sich Metastasen bilden. 

Wird Hautkrebs früh erkannt, hilft oft schon eine Operation, um den Krebs erst einmal in Schach zu halten. Neben Operation, Bestrahlung und Chemotherapie gilt die Immuntherapie zusammen mit anderen, zielgerichteten Medikamenten mittlerweile als vierte Säule in der Krebsbehandlung. Mediziner führen sie meist durch, wenn andere Therapien nicht angeschlagen haben. Das Beste ist aber immer noch den Krebs möglichst früh zu erwischen - oder ihm vorzubeugen. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sollten weit oben auf der "to-do-Liste" stehen. Und statt sich zu oft und zu lange der Sonne auszusetzen, gilt: Immer mal in den Schatten gehen. 

 

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