Mit Freunden durch die Alkoholsucht | Top-Thema – Podcast | DW | 08.11.2013
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Top-Thema – Podcast

Mit Freunden durch die Alkoholsucht

Die „Anonymen Alkoholiker“ sind eine der größten Selbsthilfegruppen Deutschlands. Dort spricht man mit anderen Alkoholabhängigen über seine Probleme. Schon viele haben so ihre Sucht überwunden.

Christian ist Alkoholiker. Vor wenigen Jahren hatte er seinen Tiefpunkt erreicht. Er war arbeitslos, ließ sich von seinen Eltern den Lebensunterhalt bezahlen. Dann lag er im Krankenhaus, seine Bauchspeicheldrüse war am Ende. Es folgten Entgiftung, Therapie, Nachsorge. Christian sagt: „Das Wichtigste waren für mich die ‚Anonymen Alkoholiker‘.“

Heute geht er mindestens einmal pro Woche dorthin. Hier trifft er auf andere Alkoholiker, „Freunde“ – so nennen sie sich untereinander. Jeder darf ausreden, jedem wird zugehört. Nur den kompletten Namen der anderen kennt man nicht. Jeder entscheidet selbst, wie viel er von sich erzählen will. Doch was in diesen vier Wänden gesagt wird, bleibt auch hier. Christian erklärt: „Die Anonymität gibt mir die Freiheit, auch offen über meine Gefühle zu reden. Woanders würde ich das so auch nicht einfach machen.“

Ursprünglich kommen die „Anonymen Alkoholiker“ aus den USA. Amerikanische Soldaten brachten das Konzept 1953 nach Deutschland. Heute ist der Verein eine der größten Selbsthilfegruppen Deutschlands. Etwa 25.000 Menschen gehen nach eigenen Angaben zu den Treffen. Weltweit sind die „Anonymen Alkoholiker“ in 185 Ländern vertreten und haben ungefähr zwei Millionen Mitglieder.

Trotzdem kommen in letzter Zeit immer weniger Alkoholsüchtige zu den Treffen. Mathias Luderer, Arzt an der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin in Mannheim, empfiehlt allerdings jedem seiner alkoholabhängigen Patienten, zu einem Treffen der „Anonymen Alkoholiker“ zu gehen. Er sagt: „Die ‚Anonymen Alkoholiker‘ eignen sich besonders für Menschen, die eine klare Struktur brauchen und offen über ihr Problem sprechen wollen.“


Glossar

Sucht, Süchte (f.) – die Tatsache, dass man ohne etwas (z.B. Alkohol oder Drogen) nicht mehr leben kann (Adjektiv: süchtig)

anonym – so, dass keiner den Namen einer Person kennt; unerkannt

Selbsthilfegruppe, -n (f.) – eine Gruppe von Menschen mit denselben Problem, die sich gegenseitig helfen

Alkoholabhängige, -/-; - – jemand, der/die →süchtig nach Alkohol ist

etwas über|winden – etwas besiegen; ein Problem nicht mehr haben

Tiefpunkt, -e (m.) – hier: der Zeitpunkt, zu dem es jemandem besonders schlecht

Lebensunterhalt (m., nur Singular) – das Einkommen, das jemand zum Leben braucht (z. B. für Essen, Kleidung, Wohnen)

Bauchspeicheldrüse,-n (f.) – ein wichtiges Körperorgan

am Ende sein – nicht mehr funktionieren; keine Kraft mehr haben

Entgiftung, -en (f.) – das Entfernen von schädlichen Stoffen aus dem Körper; hier: die Zeit, in der der Alkoholkonsum langsam verringert wird

Nachsorge (f., nur Singular) – das weitere Betreuen eines Patienten nach seiner Krankheit

aus|reden – sprechen, ohne dass man unterbrochen wird

in … vier Wänden – sprichwörtlich für: in einem bestimmten Raum oder Haus

ursprünglich – am Anfang; zuerst

vertreten sein – hier: vorkommen; vorhanden sein

etwas eignet sich für jemanden – etwas ist für jemanden praktisch oder nützlich

Struktur, -en (f.) – der Aufbau; die organisatorische Form

offen – hier: ehrlich


Fragen zum Text

1. Was machen die „Anonymen Alkoholiker“ bei ihren Treffen?
a) Sie trinken Alkohol.
b) Sie reden miteinander über ihre Probleme.
c) Sie besuchen alkoholsüchtige Menschen.

2. Welche Aussage steht im Text?
a) Die „Anonymen Alkoholiker“ wurden in den 1950er Jahren in den USA erfunden.
b) Weltweit gehen etwa 25.000 Menschen zu den Treffen.
c) Die „Anonymen Alkoholiker“ gehören zu den größten Selbsthilfegruppen in Deutschland.

3. Welche Bedeutung hat der folgende Satz nicht? „Was in diesen vier Wänden gesagt wird, bleibt auch hier.“
a) Was bei den Treffen gesagt wird, wird nicht weitererzählt.
b) Was hier gesagt wird, vergessen die Menschen schnell wieder.
c) Die Informationen, die in diesem Raum besprochen werden, sind geheim.

4. Wie lautet dieser Satz im Imperfekt? „Weltweit sind die ‚Anonymen Alkoholiker‘ in 185 Ländern vertreten.“
a) Weltweit vertraten die „Anonymen Alkoholiker“ 185 Länder.
b) Weltweit wurden die„Anonymen Alkoholiker“ in 185 Ländern vertreten.
c) Weltweit waren die„Anonymen Alkoholiker“ in 185 Ländern vertreten.

5. Wie lautet der folgende Satz im Futur I? „Er ließ sich von seinen Eltern den Lebensunterhalt bezahlen.“
a) Er wird sich von seinen Eltern den Lebensunterhalt bezahlen lassen.
b) Seine Eltern werden ihn den Lebensunterhalt bezahlen lassen.
c) Er würde sich von seinen Eltern den Lebensunterhalt bezahlen lassen.


Arbeitsauftrag
Gibt es die „Anonymen Alkoholiker“ auch in eurem Land? Versucht im Internet herauszufinden, wie weit sie in eurem Land verbreitet sind, und wie viele Menschen diese Hilfe in Anspruch nehmen.

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