Milliarden Versicherungs-Schaden in Tianjin | Wirtschaft | DW | 17.08.2015
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Wirtschaft

Milliarden Versicherungs-Schaden in Tianjin

Wie groß der Schaden durch die Explosionen in der chinesischen Stadt Tianjin ist, kann noch nicht genau beziffert werden, aber er geht in die Milliarden Dollar. Auch deutsche Unternehmen sind betroffen.

Bei der Explosionskatastrophe in einem Gefahrgutlager in der chinesischen Stadt Tianjin ist nach Schätzungen der Credit Suisse ein versicherter Schaden von bis zu 1,5 Milliarden Dollar entstanden. Es sei eine große Zahl von Versicherungen betroffen, erklärte der Analyst Arian van Veen am Montag unter Berufung auf chinesische Medienberichte. Zwar sei es für eine Bewertung noch sehr früh. Die Summe könnte aber zwischen einer Milliarde und eineinhalb Milliarden Dollar liegen.

Versicherungskonzerne wie Zurich oder Allianz hatten am Freitag (14.08.2015) erklärt, Schadensanzeigen von Kunden bekommen zu haben. Für eine Schätzung der Summe sei es aber noch zu früh.

Toyota stoppt vorerst Produktion

Der japanische Autobauer Toyota hat seine Produktion in Tianjin vorerst gestoppt. Ebenso sei eine Fertigungsstraße rund 70 Kilometer von Tianjin entfernt bis mindestens einschließlich Mittwoch stillgelegt worden, da sie auf Teile aus Tianjin angewiesen sei, teilte Toyota am Montag mit. Zum Zeitpunkt des Unglücks am vergangenen Mittwoch 12.08.2015) waren Betriebsferien bei Toyota in Tianjin. Die Produktion sollte an diesem Montag wieder anlaufen. Nun sei sie wegen der Evakuierung der Umgebung gestoppt worden, erklärte Toyota.

Toyota beschäftigt 12.000 Arbeiter in Tianjin. Viele von ihnen wohnen in der Nähe des Unglücksortes, 50 davon erlitten durch das Unglück nach Angaben des Autobauers Verletzungen. Einige Arbeiter leben in Wohnungen, die der Autobauer bereitstellt. Toyota produziert in Tianjin jährlich 440.000 Fahrzeuge, also etwa die Hälfte der in China vom Band laufenden Autos.

Auch der japanische Elektronikkonzern Panasonic ließ die Arbeiten in seiner Fabrik in Tianjin ruhen. Am Montag werde dort wegen Sicherheitsüberprüfungen nicht gearbeitet, sagte eine Sprecherin. Es gebe "kleine Schäden" wie zerbrochene Fenster. Ob die Arbeiten am Dienstag wieder aufgenommen werden könnten, sei noch nicht entschieden.

Bei den Explosionen in dem Gefahrgutlager mit hochgiftigen Chemikalien in Tianjin waren mindestens 112 Menschen getötet und mehr als 700 Menschen verletzt worden. In der betroffenen Industriezone am Rand der 15-Millionen-Einwohner-Metropole befinden sich eine Reihe von Autofabriken, Ölraffinerien und andere Produktionsstätten.

Auch deutsche Wirtschaft betroffen

Die gewaltigen Verwüstungen in der chinesischen Hafenstadt Tianjin treffen wohl auch die deutsche Wirtschaft. "Mittelfristig kann das zu Lieferschwierigkeiten für die dort ansässigen Unternehmen führen", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Auslandshandelskammer in Peking, Mike Hofmann.

In Tianjin sind nach Angaben der Auslandshandelskammer rund 150 deutsche Unternehmen ansässig, davon etwa die Hälfte mit eigenen Produktionsstätten. Dazu gehören Volkswagen, Continental, Siemens und Airbus, aber auch zahlreiche Mittelständler. Sie importieren über den Hafen viele Rohstoffe und Vorleistungen. Über den größten Hafen im Nordosten Chinas werden auch viele Güter geliefert, die für die Versorgung der 120 Kilometer entfernten Hauptstadt Peking wichtig sind.

Handelsströme laufen wieder an

Die Auswirkungen für die weltweiten Handelsströme sind allerdings geringer als unmittelbar nach den Detonationen befürchtet. Logistikfirmen und Reedereien berichteten, mehrere Containerterminals hätten am zweiten Tag nach den Detonationen ihre Arbeit wieder aufgenommen, einige würden noch repariert. "Zwei von sechs Terminals sind noch nicht voll angelaufen," sagte eine Sprecherin der Bahn -Tochter Schenker. Die Fahrrinne zum Hafen sei inzwischen auch für einfahrende Schiffe wieder offen, ergänzte ein Sprecher von Hapag-Lloyd.

iw/ul (afp, rtrs)